Die junge Polizistin Anna Manni wird auf den Fall eines Vergewaltigers und Serienkillers angesetzt, der sein Betätigungsfeld von Rom nach Florenz verlagert hat. Dummerweise leidet die hübsche Beamtin am Stendhal Syndrom, einer Krankheit, die bei der zu intensiven Betrachtung von Gemälden zu geistigen Aussetzern und Ohnmachtsanfällen führt, weswegen es auch kein Wunder ist, dass Anna bereits bei ihrem ersten Museums-Besuch aus den Latschen kippt. Ein junger Mann, der sich ihr als Alfredo Grossi vorstellt, bietet ihr seine Hilfe an und bezahlt das Taxi, das sie zurück in ihr Hotel bringen soll. Was die Polizistin nicht ahnt, ist, dass es sich bei dem Kerl um den gesuchten Täter handelt, der schon kurze Zeit später in ihrem Zimmer auftaucht und sie vergewaltigt... der Beginn einer Obsession, in die sich Anna im Laufe der nicht abreißenden Mordserie weiter hineinsteigert und die auch da noch längst nicht ihren Höhepunkt erreicht hat, als sie Alfredo erneut gegenübersteht... Nachdem sein Versuch, mit dem vorhergehenden "Aura" den US-Markt zu knacken gescheitert ist und das amerikanische Publikum seine trotz allen Mainstream-Zugeständnissen immer noch sehr europäische Erzählweise nicht angenommen hat, kehrt Argento im Anschluss in Italien dem Giallo-Genre mehr oder weniger den Rücken und verfällt bei seinem "The Stendhal Syndrome" inszenatorisch in fast schon Psychogramm-artige Muster während auch die visuelle Ebene ohne den opulenten Bilder-Reigen seiner alten Filme daherkommt und sehr viel generischer wirkt. Nun ja, das Ergebnis hat ja zugegeben auch seine Fürsprecher, ich gehöre allerdings nicht dazu. Okay, es ist ja nicht so, als hätte Argento nicht auch vorher schon mal 'nen schwachen Film gemacht (hallo, "Vier Fliegen auf grauem Samt"...!), aber "The Stendhal Syndrome" ist für mich doch tatsächlich sein erster richtig tiefer Griff ins Klo und rückblickend betrachtet der Anfang vom Ende, der den künstlerischen Niedergang eines der wichtigsten Genre-Regisseure eingeläutet hat, denn wirkliche Meisterwerke - oder sogar auch nur überwiegend gute Filme - sollen in den nun fast drei Dekaden, die seitdem vergangen sind, ja nicht mehr kommen. Sicherlich wäre es schwierig gewesen, nach dem 1987er-"Terror in der Oper", der, was die formale Gestaltung anbelangt, Argentos Stil sicherlich noch einmal zur höchsten Effektivität geführt hat, auf das Giallo-Thema noch eins draufzusetzen, aber aus "The Stendhal Syndrome" ist leider inhaltlich nicht viel mehr geworden als ein kaum funktionaler Thriller, der visuell - ganz konträr zum Titel-Thema! - doch recht flach daherkommt und einige extravagante Bild-Ideen entweder nur mittels (gelinde gesagt) zwiespältigen Mitt-90er-CGI-Effekten oder direkt mal mit recht bizarren praktischen Props (der Fisch!) umsetzt. Damit unterstreicht Argento zwar nochmal, worauf es ihm hier ankommt (eben NICHT 'ne typische Murder-Mystery!)... aber gefallen muss einem das deshalb ja nicht. Obwohl die Angelegenheit da gar nicht mal so weit von einem "Terror in der Oper" entfernt ist, was die Beschreibungen der Obsessionen der Hauptfigur sowie das Ausmalen einiger psycho-sexueller Macken anbelangt, lässt das Drehbuch hier strorytechnisch doch einiges zu wünschen übrig... was zwar auch zuvor schon immer der Fall gewesen ist, bei den früheren Werken inszenatorisch aber viel besser verschleiert werden konnte. Ach ja, dass sich der olle Dario bemüßigt gesehen hat, seine eigene Tochter als Hauptdarstellerin einigen harschen, teilweise auch in den sexuellen Bereich gehenden Torturen auszusetzen, sollte mal von jemandem, der psychologisch geschult ist, tiefergehend analysiert werden... no comment von mir dazu. Asio Argento, nebenbei zu jung für ihre Rolle, spielt leider gewohnt schwach und nimmt den Zuschauer nicht wirklich Jodie Foster-like für ihre Protagonistin ein, wobei die Schluss-Einstellung ja verrät, dass das nur leider wohl ganz anders gedacht gewesen ist. Nun ja. Als kruder Mischmasch aus Serienkiller-Streifen und schnödem Krankheits-Bericht ist "The Stendhal Syndrome" dann auch leider fast gänzlich spannungslos geraten und gibt lediglich in einigen kurzen Brutalo-Szenen Gas, in den Momenten, in denen er nicht widerlich und abstoßend ist, ist er aber leider nur tödlich öde. Tatsächlich hat der Streifen in all den Jahren für mich in keinem Bereich dazugewonnen, ich finde ihn immer noch schwer anzuschauen aus den völlig falschen Gründen und mag ihn heute noch genauso wenig wie damals nach der Erstsichtung. Und trotz einiger anderer, noch weitaus weniger wohlgelittener Beiträge im Anschluss, über deren Qualitäten (or the lack thereof) man streiten kann, ist und bleibt "The Stendhal Syndrome" für mich Argentos zweitschlechtester Film... nur sein völlig misslungener "Phantom der Oper" unterbietet denn hier nochmal knapp.
3/10