Zu den glücklicherweise letzten Filmen, in denen Chuck „Roundhouse Kick“ Norris noch ohne Sechstagebart und nur mit Porno-Schnauzer um sich schlug, gehört auch „Silent Rage“, eine echte Kuriosität in seinem Filmlebenslauf.
Denn neben den üblichen Haudrauffilmen haben wir es hier mit einem echten thematischen Zwitter zu tun, eine Mischung aus alten Mad-Scientist-Motiven, dem Redneck-Tenor von Burt Reynolds-Filmen und der 1982 sehr populären Slasherwelle, wobei man hier bei „Halloween“ (die ersten beiden Teile) recht ordentlich abschreibt.
Daraus kann natürlich nur ein echtes Verhackstück werden und so sieht Michael Millers recht ordentlich inszenierter Film dann auch aus, nämlich wie ein verkehrt zusammengesetztes Puzzle, wenn es um Stimmung und Genre geht.
Norris gibt sich als Kleinstadtsheriff mal wieder mit einem markig-amerikanischen Namen (Dan Stevens) die Ehre und muß zu Beginn gleich zum Einsatz, als ein untermietender Psychotiker namens John Kirby mal eben seine Hauswirtin mit der Axt kleinmacht. Die blauen Jungs pumpen ihn voll Blei, worauf er auf dem OP-Tisch den Löffel schmeißt, aber von dem augenrollenden Dr.Spears mit einer experimentellen Droge behandelt wird, die ihn nicht nur von den Toten auferstehen läßt, ihm wächst auch jede Wunde in Rekordzeit zu. Die Bedenken äußert dabei sein Kollege, dargestellt von Ron Silver, der später in „Stirb langsam“ und „Blue Steel“ dann selbst einige Psychos gab.
Natürlich geht Kirby „on the rampage“, murkst erst Silver plus Freundin ab und meuchelt dann die Besatzung der Klinik bei Nacht, wobei Norris Freundin Alison die Jamie-Leigh-Curtis-Rolle übernimmt.
Es ist schon ein wenig dreist, wie sehr hier abgekupfert wird: da irren die Mädels durchs nächtliche Haus auf der Flucht vor dem Irren, den man natürlich durch subjektive Kamera verfolgen darf (hier und da röchelts sogar). Man kloppt und schießt ihn aus Fenstern, doch er verschwindet natürlich wieder, um dann den zweiten Halloween-Teil in der Klinik aufzurollen, sogar eine Spritze ist mal wieder im Spiel.
Wenn man nicht reizüberflutet ist, kann man das sogar bisweilen recht spannend finden, innovativ ist es nicht und alle Figuren stellen sich natürlich herzlich blöd an, selbst wenn sie wissen, daß Kugeln dem agilen Irren nichts antun können. Besondere Merkmale mentaler Inkompetenz beweisen Dr.Spears (der im Größenwahn seine Schöpfung wohl umarmen will...), Dr.Vaughn (der den Mörder kommen sieht und ihm wissend entgegen geht) und Dr.Halman (der nachdem ersten Niederschießen des Mörders und seiner Wiederauferstehung nicht ein zweites Mal einen Puls fühlen sollte).
Die Mädels flüchten hier wie immer flott nach oben, in immer kleinere Räume und dann in die Schränke, so wie es sich gehört und ein Musterbeispiel an Inkompetenz muß am Ende Stevens ablassen, indem er den Meuchler in einen Brunnenschacht wirft und dann flott behauptet, er wäre damit tot!!!
Wem es nach fideler Unterhaltung gelüstet, der darf dann als notwendiges Füllmaterial nicht nur eine, nein zwei Bettszenen mit Chucky miterleben und reichlich Beziehungsdialoge, die er mit der ihm eigenen warmherzigen Kompetenz (Schulterzucken) verarbeitet. Und dann haben wir da noch die notwendige Rockerbande (so ca. 20 Jungs) samt Brust-Frei-Mädels, die Norris in einer Kneipe so richtig aufmischt – in Sachen Härte und Realismus übrigens die überzeugenste Sequenz und schön amüsant für Klopperfreunde.
Weniger zum Lachen, obwohl so gedacht, ist sein Hilfssheriff Charlie, der historisch gesehen, der „comic relief“ sein soll, weil er a)naiv, b) beschränkt und c) irre fett ist. Dargestellt übrigens von dem später sehr erfolgreichen und auch wesentlich humorvolleren Stephen Furst, den man noch aus „Babylon 5“ kennen könnte – hier allerdings freut man sich, wenn er denn endlich draufgeht.
Insofern: kurios, kurios – ein richtig schön kuddelmuddeliger Hochglanz-B-Käse, der so platt wie flott alles mit sich reißt, was die Filmgeschichte hat liegen lassen, ordentliche Fights inclusive. Oder eben ein Chimärenmurks erster Güte. (4/10)