Review
von Leimbacher-Mario
Schneeflöckchen Weissklöppchen
Wären die doch recht ansehnlichen CGI-Winter-/Endzeit-Landschaften nicht, „The Colony“ hätte auch 20 Jahre vor seinem Release Mitte der 90er in den Videotheken (oder vielleicht sogar Kinos?) landen können. Es geht um die letzten Überlebenden der Menschheit, die sich nach/während der nächsten Eiszeit unter der Erde in kleinen Kolonien mehr schlecht als recht am Leben erhalten. Immer in Angst vor einer hoch ansteckenden und tödlichen Grippe, plus in Unwissenheit, was da draußen in den eisigen Weiten noch so lauert, von möglichen wärmeren Spots bis hin zu kannibalistischen Stämmen...
„The Colony“ kann man gut weggucken. Irgendwo zwischen „The Road“, „Extinction“ (2015) und „Pandorum“, mit tollen Bildern, einer dichten Atmosphäre, einem starken Laurence Fishburne und einer gesunden Härte mit ihrem einsamen Höhepunkt für den Anführer der Kannibalen im Finale. Am liebsten wäre das Ding glaube ich sowas wie „Screamers“, „30 Days of Night“ oder „Hardware“, doch diese Höhen werden dann doch recht deutlich verfehlt. Dafür bleibt unser „Held“ zu glatt, das Ende zu offen und die „Monster“ hat man schon viel zu oft in dieser Art gesehen. Zudem kommt die erste Hälfte etwas schwer in den Tritt, Bill Paxton war wohl nur für den Check da und wirkt verschenkt, zudem nutzt sich das Setting dann doch irgendwann ab und richtig einfühlen und mitgehen tut man kaum. Zumindest ging es mir so. Dennoch: für Genrefans ein eher unbekannterer Titel aus diesem Jahrzehnt, den man sich ganz locker und ungefährlich und befriedigend geben kann. Der tut nicht weh, sondern in seiner altmodischen Art eher gut.
Fazit: Eiszeit ist Endzeit ist Kannibalenzeit ist Geheimtippzeit ist 90er-Zeit ist B-Movie-Zeit ist Überraschungszeit ist gute Zeit - „The Colony“ ist fetzig-flotte Genreware, unterkühlt, hart gefroren und abgezockt. Aus der Zeit gefallen und unterhaltsam. Ein glasklarer Can-Have.