Nebel über'm Kiefernwald
Fast wie ein episches Progrockalbum legt sich Herzogs atemberaubende, sinnliche Collage über einen verstorbenen Glasbläser im 19. Jahrhundert über die Kinoleinwand - und diese schwebt, zittert, zögert und zürnt zugleich wie es nur selten aus deutschen Landen (nach der Stummfilmzeit und Naziherrschaft) kam...
Selbst in Herzogs Stil und Filmographie ist "Herz aus Glas" noch ein sehr spezieller, weirder und fremdartiger Film. Sphärisch entrückt, apokalyptisch, bayrisch, urdeutsch. Aber auch auf die damalige filmische wie historische Zukunft zu beziehen. Zwischen Wahrsagung und Warnung, Vergangenheitsbewältigung und endgültigem Untergang. Wirtschaftswunder ad absurdum. Eine kleine Gemeinde zwischen Rubinrot und Wahnsinn. Der Stil ist tranceartig, der Legende nach sogar teilweise mit Darstellern wirklich in Trance und unter geistiger Betäubung (!) gedreht. Egal ob das Mythos oder Wahrheit ist - der Film strahlt diese Entrücktheit und Verrücktheit in seiner Stille und Spontanität aus. Das ist genauso für Arthouse-Fans wie für "Dark Souls"-Zocker. Herzogs Wurzeln reichen locker von Boormans "Excalibur" bis ins Heute eines Robert Eggers. Die Klänge und Klippen, die Wasserfälle und Esoterik, die Natur und die Menschheit am Rande. "Herz aus Glas" auf einer Leinwand zu sehen kann ein bewusstseinserweiterndes Erlebnis sein.
Hypnose, Herzog, Haferbrei
Fazit: ein ätherisches, meditatives und künstlerisch mehr als eindrucksvolles Werk von Werner Herzog... Glasbläserei wurde nie wieder so poetisch, episch und intim. Groß. Aber natürlich auch artsy und anstrengend. Aber was wäre Kunst, wenn sie einen nicht mal an Grenzen (auch der Langeweile) bringt?!