George Orwell hätte in den Vierzigern wohl kaum davon ausgehen können, dass sein "1984" irgendwann von der Realität eingeholt werden könnte. Doch seit der Überwachungs - und Spionageaffäre durch die NSA, die dem schwammigen Vorwand "Kampf gegen den internationalen Terror" dient, leben Menschen des digitalen Zeitalters im Glashaus. Und andererseits sind Geheimdienste trotz Massenüberwachung nicht in der Lage Terroranschläge zu vermeiden, wie vorliegender Polit-Thriller anhand einer Verschwörungstheorie zu veranschaulichen sucht.
Bei einem Bombenanschlag in London werden 120 Menschen getötet, der Hauptverdächtige Erdogan (Denis Moschitto) ist rasch gefasst. Nach dem Suizid des Verteidigers übernehmen Martin (Eric Bana) und Claudia (Rebecca Hall) den Fall, dürfen bis zum Prozess allerdings nicht miteinander kommunizieren. Als Martin eine Verwicklung des MI5 wittert, gerät der Job außer Kontrolle...
Überwachung ist eines der Zentralthemen der Geschichte, was bereits die Exposition mit Split Screen und der Sicht von fünfzehn Überwachungskameras verdeutlicht. Dabei geht es jedoch weniger um die Tat, sondern um die Hintergründe des Personenkreises um den potenziellen Täter. Wie so oft, werden aus Freunden Feinde, es geht um Interessenskonflikte und Vertrauensbrüche, aber auch um die Frage, inwieweit Loyalität eine Rolle spielt, wenn es um Menschenleben geht.
Leider bleiben die Hauptfiguren in Form der Anwälte schwach gezeichnet. Deren einstige Romanze wird lediglich angedeutet, familiäre Querelen werden ebenfalls nur angerissen, so dass der Zugang zu den Charakteren im Kontext einer ohnehin recht unterkühlten Inszenierung kaum gegeben ist. Trotz des brisanten Themas und einiger Enthüllungen geht die Chose recht emotionslos vonstatten, Auszüge einer Gerichtsverhandlung schüren zwar ein wenig Spannung, doch Actionfreunde erhalten gerade mal zwei kleine Einlagen, während der Showdown relativ erahnbar abläuft.
Im Rahmen ihrer eingeschränkten Möglichkeiten holen Eric Bana und Rebecca Hall noch relativ viel aus ihren Rollen heraus, Ciarán Hinds bleibt trotz auffälliger Frisur eher unauffällig, Denis Moschitto hätte man gerne mehr Screentime gegönnt, während Julia Stiles mit ihrer Figur ohne Pointe eine undankbare Aufgabe zu erfüllen hat. Dennoch ist es dem solide auftretendem Cast zu verdanken, dass die Geschichte nicht zu einer völlig gesichtslosen Abhandlung verkommt.
Denn davon ist der Streifen von Regisseur John Crowley nicht allzu weit entfernt, da er ein brisantes Thema recht unaufgeregt erzählt, dabei keine erinnerungswürdigen Momente oder sonstige Schauwerte liefert und sich in Sachen Suspense phasenweise sehr zurückhält, was nicht zuletzt an den schwach gezeichneten Protagonisten liegt.
Die vielschichtige Prämisse sorgt zwar für einen annehmbaren Unterhaltungswert, doch überraschende Wendungen oder gar emotionale Zuspitzungen sucht man innerhalb der knapp 96 Minuten vergebens. Im Endeffekt nicht ansatzweise so mitreißend, wie man es innerhalb der ersten fünf Minuten noch erhoffen könnte.
5,5 von 10