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Der Krieg gegen den Terror wurde in den letzten Jahren recht häufig filmisch verarbeitet. Die interessantesten Beiträge waren dabei immer diejenigen, die die Auswirkungen auf die westlichen Gesellschaften verhandelten, sei es aus der Perspektive heimkehrender Soldaten und/oder ihrer Angehörigen, sei es aus der Sicht von Bürgern mit entsprechendem Migrationshintergrund, sei es im Hinblick auf zunehmend grassierende Paranoia bei Bevölkerung und Politik.
Dass man in den USA eher emotional und teilweise auch reißerisch an das brisante Thema heranging, mag mentalitätsgeschichtliche Hintergründe haben, ist aber sicher auch der zentralen Doppel-Rolle des Landes als Zielobjekt und Angriffsspitze geschuldet. Analytischer und abgeklärter geht dagegen der britische Film mit diesem Brennpunkt-Sujet um, was ebenfalls sowohl mentalitätsbedingte, wie auch rollenspezifische Hintergründe haben dürfte.

Treffend beobachten lässt sich diese unterschiedliche Herangehensweise an dem Polit-Thriller „Closed Circuit" (der deutsche Titel „Unter Beobachtung" ist weitaus plakativer). Der irische Regisseur John Cowley („Boy A", „Intermission") erzählt die Geschichte um einen spektakulären Prozess gegen den Drahtzieher eines Terroranschlags inmitten Londons auf betont sachliche und nüchterne Art. Cowley interessiert dabei weniger das durchaus reißerische Potential des Stoffes, als vielmehr die durchaus beunruhigenden Reaktionen und Strategien der britischen Politik und ihrer Geheimdienste.

Im Mittelpunkt der undurchsichtigen Handlung steht das Strafverteidigerpaar Martin Rose (Eric Bana) und Claudia Simmons-Howe (Rebecca Hall). Während Rose als offizieller Pflichtverteidiger bestellt wird, übernimmt Simmons-Howe denselben Part für den nicht öffentlichen Teil der Verhandlung - bei der weder Angeklagter noch Anwalt zugegen sein dürfen -, da die Beweise der Staatsanwaltschaft möglicherweise die nationale Sicherheit gefährden könnten. Kontakte jeglicher Art sind den beiden Anwälten untersagt. Dass beide in der Vergangenheit ein Verhältnis hatten birgt zusätzlichen Zündstoff, zumal der zunächst anscheinend glasklare Sachverhalt - der Türke Farroukh Erdogan (Denis Moschitto) hat den Terroranschlag bereits gestanden - zunehmend widersprüchlicher und verworrener wird ...

Dieser sich in unerwartete Richtungen entwickelnde Fall ist sicher eine der Hauptstärken des Films, aber auch die visuelle Umsetzung eines Paranoia-motivierten Überwachungssystems weiß Cowley geschickt zu inszenieren. Die Kamera fungiert dabei beinahe als eigenständiger Charakter mit voyeuristischen Zügen, der das Geschehen durch Fensterscheiben, Vorhänge und allerlei versteckte Überwachungssysteme beobachtet. Das ist in seinen besten Momenten spürbar beklemmend.

Der Primat von Handlung und subjektiver Kamera geht allerdings zu Lasten der auftretenden Figuren, was der erzählerischen und visuellen Raffinesse wiederum einiges an Durchschlagskraft nimmt. Obwohl man mit Eric Bana, Rebecca Hall, Claran Hinds und Jim Broadbent eine Vielzahl versierter Mimen zur Verfügung hatte, sind deren Charaktere so spartanisch entwickelt, dass sie kaum Identifikationsangebote liefern und damit auch kaum empathische Wirkung entfalten (können).  

So bleibt letztlich „nur" eine etwa konstruierte intellektuelle Fingerübung, die zwar zum Nachdenken anregt, aber aufgrund der fehlenden emotionalen Ausrichtung eher abstrakt bleibt. Als teils kluger, teils zynischer Kommentar zum Umgang mit dem Krieg gegen den Terror an der „Heimatfront" - zumal die spezifisch britische Sicht durchaus neue Facetten bringt - lohnend und interessant. 

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