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Da ist er wieder: Unser Dr. Uwe Boll, passionierter Vielfilmer und leider eine der Hassfiguren der Szene mit eigenen Bashing Seiten mit seinem neuesten Streifen ASSAULT ON WALL STREET. Keine versteht es so professionell wie er an Filmförderungsgelder zu kommen und seine Vision eines unterhaltsamen Filmes umzusetzen. Ich beurteile jeden seiner Filme für sich und gebe ihm immer eine Chance. Seine Qualitätskurve in dem schmalen Grad zwischen Hochglanztrash und Billigprodukten ist dennoch mit DARFUR und anderen Werken in den letzten Jahren gestiegen. Mit ASSAULT ON WALL STREET übertrifft er sich allerdings nicht selbst und präsentiert auf Basis einer eigentlich recht knackigen Filmidee ein auf Stammtisch-Moral aufbauendes zahnloses Rachedrama mit viel Drama und nur ganz wenig Rache.

Selbst mit viel Vorschußlorbeeren wenn man jetzt von einer blutigen actionreichen Rachephantasie ausgehen wäre ich Dr. Boll bei einer einigermaßen packenden Umsetzung gerne entgegengekommen. Aber im Gegensatz zu seinem zuletzt wenigstens fetzig umgesetzten Rachedrama RAMPAGE befriedigt Boll unsere sorgsam aufgebauten Rachegelüste nicht nur im Geringsten durch eine entsprechende Eskalation der Gewalt. Das ist eigentlich mein größter Vorwurf, denn hier wären wir das Boll'sche Werk kennend doch extrem flexibel gewesen eine kleine Exploitationschweinerei zu empfangen.

Es ist sicher eine Budgetfrage aber vielleicht eine blutige, feuersbrünstige letzte Viertelstunde wie auf dem völlig übertriebenen Cover wäre noch ok gewesen, aber Fehlanzeige. Es beginnt gleich am Anfang mit der Dokumentation des Wahnsinns der Vertriebsmethoden mit dem Lockmittel hoher Bonizahlungen in einer Investmentbank. Zwar werden hier manchmal Aktien, Immobilienpapiere, Renten und andere Begriffe durcheinander gewürfelt, aber es geht ja um das Prinzip. Die charakterliche Ausgestaltung der Finanzhaie ist sehr grob und holzschnittartig im Sinne des einfach strukturierten Bösen. Doch dies ist nur eine notwendige Randbedingung in dem destruktiven Szenario was man um den Wachmann Jim (Dominic Purcell) aufbaut.

Sein Hauptproblem ist allerdings leider der Krebs seiner Freundin Rosie (Erin Karpluk) und seiner Sorge wie das alles zu finanzieren ist. Durch die Finanzkrise hat er allerdings nicht nur seine Ersparnisse verloren, sondern sogar auch immense Schulden angehäuft. Es kommt wie es kommen musste und Jim rüstet sich ein wenig auf und setzt seine Form von Gerechtigkeit in der Wallstreet um…Sicherlich spricht Boll mit diesem Racheszenario die dunklen Gelüste in vielen von uns an, die die millionenschweren Spekulanten sehen und selbst nicht wissen wie sie zurechtkommen sollen oder sogar noch Geld in den diversen Krisen verloren haben.

Wir haben es hier also mit einer typisch cleveren Boll-Idee zu tun. Theoretisch bietet diese zusammen mit der Krebserkrankung von Jims Frau zündenden Stoff dies in seiner gewohnt brachialen Form ohne viel Hirnballast in Form eines wüsten Actiondramas umzusetzen, Herausgekommen ist allerdings ein klischeehaftes Drama mit unglaublich langem Vorlauf bis es dann eskaliert. Von den rund 95 Minuten Gesamtlaufzeit vergehen fast 80 mit der langsam ansteigenden Wut unseres Protagonisten um sich dann in den letzten 10 Minuten in ein paar Schüssen und einem lächerlichen Finale zu entladen welche auch in einer "Tatort" Folge hätten stattfinden können.

Also von Boll-typischen Gewaltexzessen keine Spur und es ist kein filmischer Rettungsanker in Sicht um ASSAULT ON WALL STREET noch einen Mehrwert zu bescheinigen. Hauptdarsteller Dominic Purcell ist grobschlächtig wie immer und verfügt über genau einen Gesichtsausdruck: Stumme monotone Betroffenheit. Aber diesen in mehreren Varianten. Auch John Heard als fieser Spekulantenchef ist völlig überzeichnet, versteht aber sein darstellerisches Handwerk noch einigermaßen.

Sogar Eric Roberts, den man in der letzten Zeit nur noch in trashigen Filmen wie DAS KIND findet, ist mit von der Partie als Anwalt von Jim der für unseren vermeintlichen Helden allerdings keine guten Nachrichten hat. Er passt in die durchwachsene B-Film Riege von Schauspielern. Und somit bleiben wir mit unseren angestauten Emotionen völlig im Regen stehen und denken nur noch: "So nicht Dr. Boll! Das ist auch für Sie zu wenig…"

2,5/10 Punkten

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