Warum dieser Film immer noch nicht in Deutschland erschienen ist, ist und bleibt mir ein absolutes Rätsel. Michael Winterbottom hat sich ja mittlerweile als international renommierter und extrem vielseitiger Regisseur etabliert und auch schon einige seiner zahlreichen Filme in deutschen Kinos untergebracht.
Und "24HPP" ist für mich tatsächlich sein bester Film: Ein witziger, origineller und mitreißender Musikfilm über die Partyszene in Manchester vom frühen Punkrock der späten 70er bis zur Zeit von Acid House und Rave in den frühen 90ern. Sicherlich ein eher britisches Thema, aber im Film vorkommende Bands wie die Sex Pistols, Joy Division, New Order oder die Happy Mondays soltlen ja auch hierzulande ein Begriff sein.
Ins Zentrum stellt der Film den eloquenten und etwas selbstverliebten Exzentriker Tony Wilson, einen Fernsehmoderator, der nebenbei das Kultlabel Factory Records betrieb und den legendären Hacienda-Club gründete. Steve Coogan erweist sich als perfekte Wahl, um Wilson zu portraitieren. Er bringt sowohl dessen Humor wie auch seine Macken sehr sympathisch, glaubhaft und auch tiefgründig rüber. Für mich seine beste Performance. Auch sonst ist der Film top besetzt. Besonders erwähnenswert ist Andy Serkis als Produzent Martin Hannett, den ich erst beim zweiten Mal sehen überhaupt erkannt habe, so sehr geht er in seiner Rolle auf (im doppelten Wortsinn). Serkis, wohl am bekanntesten in seinen Rollen als King Kong und Gollum, ist wahrlich einer der wandlungsfähigsten Schauspieler der Gegenwart - und das kann er auch ganz ohne CGI!
Darüberhinaus begeistert der Film mit seiner temporeichen und stilistisch ebenso vielseitigen wie innovativen Umsetzung. Zu Beginn werden die Sex Pistols geschickt über Archivmateral in das Bild montiert. Später dürfen die Happy Mondays in einer unglaublichen Animationssequenz einen ganzen Taubenschwarm killen. UFOs und Gespräche mit Gott persönlich dürfen natürlich auch nicht fehlen. Ganz klar - "24HPP" ist zwar mehr oder weniger ein Bio-Pic vor authentischer Kulisse, macht aber keinen Hehl aus seienr Künstlichkeit und der Tatsache, dass Tony Wilson den ganzen Film aus seiner Perspektive und seinen Erinnerungen heraus erzählt (von denen einige wohl reichlich drogenvernebelt sind).
In der Clubszene ist der Film längst Kult, und auch darüber stellt "24HPP" einen Pflichttermin für jeden musikinterssierten Filmfreund dar. In Ermangelung deutscher Alternativen sei besonders die britische Doppel-DVD empfohlen, die neben zahlreichen Interviews, Making-ofs, Deleted Szenes und Portraits der im Film portraitierten Personen auch Audiokommentare von Tony Wilson selbst und einigen seiner Zeitgenossen enthält. Unverzichtbares Stück Musikgeschichte!
P.S. Tony Wilson verstarb nur wenige Wochen vor Verfassen dieses Reviews. R.I.P. Tony!