Review

Sara Forestier spielt eine junge Frau, die nach dem Tod ihres Vaters gemeinsam mit der Schwester das Haus ihrer Eltern ausräumt. Sie trifft auf den Nachbarn, gespielt von James Thierree, mit dem sie einst fast eine Affäre begonnen hätte. Die beiden tauschen sich über die Nacht aus, in der sie um ein Haar miteinander geschlafen hätten, woraufhin es zu ersten verspielten Handgreiflichkeiten kommt. Die beiden treffen in den folgenden Tagen häufiger aufeinander, wobei ihre Liebeskämpfe immer brutalere Ausmaße annehmen.

Es gibt ja so einige böse Vorurteile über Arthouse-Filme, die auf vorwiegend europäischen Filmfestivals Premiere feiern und anschließend in schwarz-weiß als OMU-Version nachts auf ARTE oder 3Sat laufen. Wenngleich sich der Verfasser dieser Review solche Klischees nicht zu Eigen machen möchte, so bleibt doch festzuhalten, dass „Liebeskämpfe“ viele von ihnen erfüllt - inklusive der Deutschland-Premiere auf der Berlinale. Besonders einen Vorbehalt bestätigt das französische Drama in geradezu unnachahmlicher Weise: Dass die vermeintlichen cineastischen Perlen mit ihren hehren intellektuellen Ansprüchen letztlich distanziert, spröde und vor allem todsterbenslangweilig sind.

Die beiden Protagonisten versticken sich zunächst in einige belanglose Dialoge, bei denen die Themen sprunghaft wechseln und nicht immer ganz klar ist, worum es im Subtext wirklich geht, aber das scheint den beiden auch nicht ganz klar zu sein. Vermutlich beginnen sie deshalb mit ihren Kabbeleien, die sie schließlich selbst als Liebeskämpfe bezeichnen, eben auch, weil sie ihre Gefühle nicht artikulieren können. Der jungen Dame hilft das offensichtlich beim Frustabbau im Zusammenhang mit dem Tod des Vaters und den Erbstreitigkeiten mit den Geschwistern. Sie projiziert den toten Vater auf ihr Gegenüber, in das sie gleichzeitig aber auch verliebt ist. Klingt verworren? Ist es auch.

Da weder die Figuren, noch die hochtrabenden Dialoge auch nur näherungsweise aus dem wahren Leben gegriffen scheinen und der distanzierte Film keinerlei Einfühlung ermöglicht, berührt er auf emotionaler Ebene überhaupt nicht. Lieber würde man der Wandfarbe beim Trocknen zusehen, als den beiden Hauptfiguren bei ihren Liebeskämpfen. Schade ist es allenfalls um die guten Darstellerleistungen.

Am Ende folgt auf die Ruhe dann der Sturm - zumindest hatte sich Regisseur Jacques Doillon das vermutlich so vorgestellt. Es kommt zum animalischen, leidenschaftlichen Sex, wie ihn das durchaus ansprechende Filmplakat verspricht. Da die Liebeskämpfe von Anfang an wie ein nicht enden wollendes Vorspiel wirken und die Dialoge zunehmend in eine Art intellektuellen Dirty-Talk abgedriftet sind, ist das Ende aber wenig überraschend und letztlich auch kein Grund, sich diese eineinhalbstündige Schlaftablette zu Gemüte zu führen. Am Ende bleibt alles offen, der Zuschauer ist genauso schlau wie vorher, nur eben 98 Minuten älter.

Fazit:
„Liebeskämpfe“ ist ein sprödes und langweiliges Arthouse-Desaster mit belanglosen Dialogen. Wie sehr der Film ermüdet, wird vor allem am Ende deutlich, wenn auch der leidenschaftlichste Sex spurlos vorübergeht.

10 %

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