Review

Der gutmütige und liebenswürdige Rentner Thomas Wünsche hat ein leidenschaftliches Hobby: exotische Pflanzen. Als seine tyrannische Frau aus Angst vor Ungeziefer diese auf den Müll wirft, platzt Wünsche der Kragen und stürzt sie beim Saubermachen aus dem Fenster. Ihr Tod wird als Unfall gewertet - und weil das so wunderbar funktioniert hat, ermordet der einsame Rentner ab sofort jeden lästigen Nachbarn, u.a. den Hausmeister, ohne daß der Verdacht auf ihn fällt - einzig Ex-Kommissar Konrad kommen die vielen Unfälle spanisch vor. Er verfolgt Wünsche fortan auf Schritt und Tritt - bis sich beide schließlich in einem tödlichen Duell gegenüberstehen...
Gert Steinheimers Remake des eigenen gleichnamigen TV-Films von 1986 ist eine pechschwarze Krimikomödie, die bis in die Nebenrolle vorzüglich besetzt ist. Der Regisseur verfilmte sie noch einmal mit neuen Darstellern und umgestellter Szenenfolge, um die damals sehr erfolgreiche und beliebte Geschichte einem jüngeren Publikum vorzustellen - und die Möglichkeit wahrzunehmen, die wenigen Fehler seines Originals, das übrigens damals ausgezeichnet wurde, auszumerzen.
Abgesehen davon, daß “Zweikampf” eine für einen Fernsehfilm ungewöhnlich hohe Anzahl von Leichen enthält, ist es Steinheimer gelungen, mit einem phantastischen Drehbuch, das übrigens ausgezeichnet wurde, sowohl das junge als auch das alte Publikum anzusprechen. Die Grundidee ist einfach toll - es wäre schön, wenn man hierzulande öfter solche originellen Plots zu sehen bekäme. Zwar läuft der Film nach einem sich laufend wiederholenden Schema ab - ein Todesfall wird an den nächsten gereiht -, aber der Regisseur versteht es, den Zuschauer durchgängig zu unterhalten: So weiß man zwar, daß es bald erneut einen Toten geben wird, aber gleichzeitig ist man auch sehr erwartungsfroh, auf welch originelle Art das nächste Opfer vom rüstigen Rentner um die Ecke gebracht wird, ehe sich die beiden Rentner Gerd Baltus - in einer Paraderolle, die von keinem anderen besser hätte interpretiert werden können - und Hilmar Thate (“Der König von St. Pauli”) einen packenden Showdown liefern, eine ungleich gefährlichere Variante von “Essig oder Wein”, die an russisches Roulette erinnert. Hierbei kommt dann auch die Musik sehr zum Tragen, die das bizarre Geschehen eindrucksvoll untermalt, und erstklassige Spannung hervorzaubert. Die Kamera wird ebenso perfekt eingesetzt, zeigt immer wieder die angestrengten Gesichter der beiden in Großaufnahme, um die stets wechselnden Gemütslagen einzufangen.
Die Schlußviertelstunde ist nur noch atemberaubend, mit zahlreichen überraschenden Wendungen gespickt und wird von den vorzüglichen Hauptdarstellern getragen, bei denen Gestik und Mimik unwahrscheinlich glaubwürdig wirken, so daß sie den Eindruck erwecken, es handle sich wirklich um einen echten Mörder sowie einen echten Kommissar. Aber das muß man gesehen haben, das läßt sich schwer in Worte fassen.
Der Zweikampf der beiden Füchse ist eindeutig der Höhepunkt des 90-minütigen Films. Allerdings ist zusätzlich die Leichtigkeit, mit der Wünsche seine Opfer zur Strecke bringt, und die mehrfachen verzweifelten Versuche Konrads, den Rentner auf frischer Tat zu ertappen, ein echter Genuß, was mir fortwährend ein Schmunzeln entlockte. Die ersten 75 Minuten des 90-minütigen Films waren freilich durch einen sehr ausgeprägten schwarzen und makabren Humor gekennzeichnet, nicht aber durch echte Spannung. Die Komödie entwickelt sich erst im letzten Sechstel zum echten Thriller, zweifelsohne mit komödiantischen Elementen.
Kritisch anzumerken wäre bei Steinheimers “Zweikampf”, daß es wohl jedweder Logik entbehrt, daß sich ein routinierter Ex-Polizist wie Konrad erstens auf ein solches (tödliches) Spiel einläßt und zweitens sich zum Schluß so dumm anstellt. Diese unlogischen Handlungsweisen des Kommissars wollen nicht ganz in das clevere Gesamtbild passen, das er über die gesamte Filmdistanz abgegeben hat.

Fazit: Einfallsreicher, unterhaltsamer TV-Krimi - mit viel schwarzem Witz und atemloser Spannung am Schluß versehen. Eine der wenigen deutschen Fernsehproduktion, die ich wirklich gern gesehen habe, was letztlich an der ausgezeichneten Schauspielriege (allen voran Gerd Baltus) gelegen haben dürfte. Der finale Zweikampf setzt dem gelungenen Machwerk die Krone auf.

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