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„Es macht mir nichts aus, wenn Du irgendwo in einer Schlacht fällst. Aber ich werde es Dir nie verzeihen, wenn Du die ,Hawk’ und Griffith’ Traum zerstörst. Und ich kann Dir nicht vergeben, dass Griffith sich Deinetwegen so verändert hat.“ - Caska

Gutts, schon in jungen Jahren ein hünenhafter Krieger, gerät an den charismatischen Söldnerhauptmann Griffith. Dieser verpflichtet den aufbrausenden Kämpfer nach einem gewonnenen Duell dazu, an seiner Seite für die Verwirklichung seines großen Traums zu ermöglichen: die Errichtung eines eigenen Reiches. Schnell wütet sich Gutts mit seinem gigantischen Schwert zum wichtigsten Mitglied der „Hawk“-Soldaten. Sehr zum Leidwesen von Caska. Die junge Frau verehrt ihren Anführer, spürt allerdings bald, wie eng die Bande zwischen Gutts und Griffith sind. Doch auch ihre Gefühle dem ruhiger und nachdenklicher werdenden Gutts gegenüber ändern sich in den Jahren und in den blutigen Schlachten, die sie nebeneinander erleben. Als Gutts allerding den Entschluss fasst, die „Hawk“ zu verlassen, um eigene Ziele zu verfolgen, kommt es zur Katastrophe.

Eine Schlachterplatte auf höherem Niveau. So klingt der Plot des 25-teiligen Anime von Naohito Takahashi, basierend auf den Manga von Kentaro Miura. Und tatsächlich ist „Berserk“ einer der blutigsten Anime, die es außerhalb Japans zu einem gewissen Ruhm gebracht haben. Dennoch wird sie von den Fans als eine der besten TV-Serien aller Zeiten gefeiert. Und das nicht nur im Animations-Bereich. Tatsächlich entpuppt sich die Geschichte der „Hawk“ als überaus tiefgründige und intelligente Geschichte, die im Genre, das vor allem auf krachende Action setzt, wohl kaum Vergleichbares findet. Das emotionale Geflecht zwischen Griffith, Gutts und Caska trägt entscheidend die Handlung. Dazu kommen Randfiguren wie der ebenso besonnene wie tödliche Judeau oder Söldner-Nachwuchs Rick.

Die nächtliche Erstausstrahlung in Japan unterstreicht, das „Berserk“ nichts für die jüngeren Anime-Fans ist. Nicht nur wegen der Gewalt (die vertragen die Shorties ja inzwischen mehr als Ältere), sondern wegen der Begierden und Leidenschaften der Hauptcharaktere. Nach den mitreißenden ersten Folgen, die Vergangenheit und siegreiche Schlachten der Söldner zeigen, kehrt im Mittelteil eine Ruhephase ein. Nur was die Action angeht. Nun wirft der Zuschauer immer tiefere Blicke in die Seelen von Gutts, Griffith und Casca. Und bald bahnt sich das Ende an, das die „Hawk“ ereilen wird.

Die Animation ist auf hohem Niveau. Etwas schräg kommen die Songs am Anfang und Ende der Folgen daher. Klingt ein bisschen wie ein Karaoke-Mitschnitt von nicht gerade begnadeten Sängern mit geringen Englisch-Kenntnissen. Versprochen: Vor allem zum Ende einer jeden Folge summt man alsbald den Schlusstitel andächtig mit. Und im Vorgucker gibt es Susumu Hirasawas Schlachtenthema zu hören, das einen wirklich wegfegt. Vor allem, wenn in einer frühen Folge die „Hawk“ langsam aus der Dunkelheit auftauchen und über den zahlmäßig haushoch überlegenen Gegner herfallen. Wenn Gutts sein Schwert zieht, dass ein anderer kaum anheben kann, und zum Berserker wird.

Nun zum katastrophalen Schwachpunkt der Serie: Sie hört einfach auch. Die erste Folge wirft einen weiten Blick in die Zukunft, deren Geschehen auch mit Abschluss der letzten Folge nicht eingeholt wird. Die Serie zeigt die Entstehung des Schwarzen Schwertkämpfers, die in den Manga fortgesetzt wird. Für alle Lesemuffel: Dennoch kann man die TV-Fassung als abgeschlossen ansehen. Die wichtigsten Charaktere werden weiter düsterste Wege beschreiten. Nur nicht mehr miteinander. Der Rest der „Hawk“-Söldner wird für seinen blutigen Weg bezahlen und sich in der Hölle wieder finden.
10/10

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