Doku from Hell
"The Act of Killing" ist eine Dokumentation, die man sehen muss - und danach nie mehr wieder sehen will! Mit "The Man In The High Castle" startet Amazon jetzt gerade eine äußerst vielversprechende Serie, in der die Nazis den zweiten Weltkrieg gewonnen & so die Geschichte umgeschrieben haben. "The Act of Killing" zeigt, dass in Indonesien, in unserer echten Welt, wirklich die Bösen gewonnen haben, in den 60ern einen Genozid an der kommunistischen Bevölkerung begangen haben & nun noch immer leben, an der Macht sind & stolz auf ihre Taten. Und das alles, mit nicht wenig Unterstützung bzw. sogar Rückendeckung von dem Westen. Unvorstellbar, grausam, schockierend - aber leider die Wahrheit...
In dieser Doku über ein paar der mittlerweile in die Jahre gekommenen Gangster & Täter der paramilitärischen Truppen, sollen diese brutalen Menschen, ihre Taten ala Hollywood nachstellen, von ihnen berichten, sich offenbaren. Mal als Musical, als Kriegsfilm, als Komödie, als Gangsterfilm oder Fantasy - alles war erlaubt. Und so offenbart sich über die fast 3 Stunden ein erschreckendes Bild von Massenmördern, die nur in den seltensten Augenblicken Reue oder Verständnis spüren. Die meiste Zeit ist dort Stolz, Verdrängung, Brutalität, Verleugnung & Leere.
Ein Film, den man nicht mehr aus dem Kopf kriegt. Nicht nur auf Grund der nachgespielten & beschrieben, grausamen Morde, nicht nur wegen den verstörenden & verstörten Killern, nicht nur weil man weiß, das ist kein Film, das ist echt - sondern vor allem, weil man weiß, dass man keine Ahnung hat, was das für ein Leiden für das ganze Land, die Überlebenden & deren Nachkommen war & ist. Eine riesige Dunkelheit & falsche, menschenverachtende Ideologie, in der sich die Täter schon verloren haben & aus der es für die Opfer kein Entkommen zu geben scheint. Surrealer Stoff, der einen konstaniert zurücklässt & teilweise wirkt, als wäre er nicht von dieser Welt. Ist er aber doch, und das kann Alpträume servieren.
Trotz all seiner Wucht & traurigen Handlung, gibt es für mich aber auch definitiv Schwächen. Diese sind weder der Grund, warum ich den Film nicht noch einmal sehen will, noch nehmen sie vom Verdienst & Risiko des Teams um Joshua Oppenheimer etwas weg - dazu reicht das Wissen um den steinigen, jahrelangen Weg zu dieser & der Nachfolge-Doku "The Look of Silence", welche sich mehr mit den Opfern beschäftigt. Ich fand, die Doku war teilweise unerträglich zäh & einfach zu lang. Natürlich trägt das auch zum nachhaltigen Schock & der Leere & der Erschöpfung des Zuschauers bei, aber eine Kürzung oder vielleicht sogar eine Zusammenlegung mit dem Nachfolger, hätte gut getan. Aber da der Film nicht unterhalten, sondern berühren & sicherlich auch schockieren will, verzeihe ich ihm seine Redundanz & langsameren Passagen. Der nächste Schock ist wahrscheinlich nur um die Ecke, serviert mit einem Lachen der Killer, das einem selbst im Hals stecken bleibt & sich nicht selten in Tränen umwandelt.
Das man geschichtlich recht wenig aufgeklärt wird & mehr oder weniger kalt ins Geschehen geworfen wird, ist auch problematisch & hätte besser gelöst werden können. Aber selbst das erhöht Schock, Emotionen, Hass & Verwunderung, wie Menschen so abstumpfen können. Richtig gestört hat mich am ehesten, dass man gerade gegen Ende das Gefühl von gestellten Szenen kriegt & nicht mehr weiß, was echt ist & was nicht... aber dann ist man eh schon so im Tunnel & verstört, dass sich der Film eigentlich jeder Kritik entzieht & ich jetzt gespannt auf den Nachfolger bzw. den Gegenpol bin, aber auch etwas Zeit vergehen lassen muss...
Fazit: ein Dokumentation, nach der ich sprachlos & mit Kopfschmerzen zurück blieb. Eigentlich noch viel schlimmer als die Hölle - unsere Welt & die Menschen darin, von ihrer verstörendsten, dunkelsten Seite!