Review

Fade Pflichtübung für Sci-Fi-Fans

„A long time ago in a galaxy far, far away …“ Ihr wisst schon: Darth Vader (James Earl Jones) will an die Pläne des Todessterns, einer vernichtenden Waffe. Prinzessin Leia (Carrie Fisher) versteckt die Pläne in einem süssen kleinen Roboter und schickt ihn auf einen Wüstenplaneten. Dort werden die Pläne von Luke Skywalker (Mark Hamill) aufgegabelt. So verwickelt sich der junge Luke in einen Krieg, der über das Schicksal des gesamten Universums entscheidet.

Star Wars verfolgt mich wie ein Fluch. Als ich noch Präsident eines studentischen Filmclubs war, schauten mich die Kommilitonen jeweils schief an, als ich zugab, die klassische erste Trilogie von George Lucas nie gesehen zu haben. Wer kann sich schon ein Filmnerd nennen, ohne dem Platzhirsch des epischen Sci-Fi-Kinos zu zelebrieren? „Ich“, behauptete ich und verschanzte mich in elitäres Hipstertum. („Star Wars?, ein Meilenstein des Blockbusters? Iiih!“) Aber jetzt, Jahre später, kann ich meine dunkle Vergangenheit nicht länger verleugnen. Ich hab mir für lau ’ne Sammelbox gekauft. Die liegt jetzt bei mir auf dem Schreibtisch. Hiermit erkläre ich feierlich: Das Original Star Wars: Episode IV – A New Hope (1977) ist gesichtet.

Und? Emotionaler Leerlauf. Der Film hat mich absolut kalt gelassen. So kalt, dass ich gar nicht weiss, was ich darüber schreiben soll. Natürlich kann man in so einem Fall immer über die filmgeschichtliche Signifikanz des Werkes schwadronieren, zum Beispiel über Unterschiede und Verbindungslinien zwischen 2001: A Space Odyssey (1968), Star Wars und etwa Alien (1979). Auf Basis dieser Einordnung könnte man dann einen Versöhnungsscore von 7/10 heraus zwängen. Aber das ist öde. Stattdessen will ich versuchen zu erklären, weshalb ich dem Film nichts abgewinnen kann.

Star Wars fühlt sich hohl an, genau wie andere Klassiker des Blockbuster-Kinos. (Man denke an Back to the Future oder Jurassic Park, die mich ebenfalls bei jeder Sichtung in den Halbschlaf versetzen.) Ja, der Plot ist unterhaltsam. Ja, er ist geschickt inszeniert. Aber er geht nicht in die Tiefe, verliert sich an einem Handlungsstrang, der immer weiter hastet, und sich darum bemüht, möglichst bunt und abwechslungsreich zu sein. Viel mehr als ein cleveres Konglomerat diverser Archetypen und Genres ist das alles leider nicht: Die aufmüpfige Prinzessin, der verwaiste Held aus dem Kaff, süsse Sidekicks (hier Roboter), der wilde Rohling, der weise Mentor, der mysteriöse Bösewicht – die Liste ist endlos.

Es ist durchaus eine Leistung, alle diese Elemente nahtlos ineinander zu fügen. Aber diese Leistung blendet: Sie gaukelt Grösse und Komplexität vor, wo eigentlich Leere ist. Es geht in Star Wars um einen Kampf Gut gegen Böse. Einige Zwischentöne gibt es, etwa wenn Darth Vader die Zweifel des Imperiums auf sich zieht. Aber sie bleiben vage Andeutungen, die nirgendwo hinführen. Die treibende Kraft des Filmes ist die Abenteuerlust, die auch Back to the Future und Jurassic Park ausmacht: Eine Reise in unbekannte, gefährliche Welten, die die Protagonisten mit Mut und einer Prise Glück meistern. Das Problem: Das Abenteuer bleibt Selbstzweck, es ist eine permanente Deus ex Machina. Und der Gott ist die Unterhaltung.

Man vergleiche die krude Story von Star Wars mit derjenigen von Lord of the Rings: The Fellowship of the Ring (2001). Zwar krankt auch Peter Jacksons Fantasy-Spektakel an epischer Augenwischerei, aber die Psychologisierung der Figuren ist ungleich ausgefeilter. Luke Skywalker ist ein Held, weil er eben ein Held ist. Dieses Attribut ist ihm von der ersten Szene an auf die Stirn geschrieben, genauso wie Han Solo (Harrison Ford) sofort als Halunke mit Herz entlarvt ist. Die Story schreibt sich von selbst, von Spannung keine Spur. Wenn das die Popularisierung der Science-Fiction nach 2001: A Space Odyssey ist, dann bevorzuge ich sogar Stanley Kubricks prätentiösen Grössenwahn. Wenigstens fordert uns dieser eine Stellungnahme ab, während George Lucas uns einfach nur berieselt.

Eines muss man Lucas lassen: Er wagt es, kindlich zu sein.[1] Seine Geschichte hat etwas Märchenhaftes, Unschuldiges. Schade nur, dass er die manipulativen Kräfte hinter dieser Entscheidung nicht verbergen kann. Nein, es tut mir leid. Ich will mich ja in dieser fremden Galaxie verlieren. Aber es gelingt mir nicht, da ich das Kalkül zu klar vor mir sehe. Star Wars hat Charakter, aber keinen Stil. Viel Plot, aber wenig Sinn. Bei Star Wars ist die Zukunft lediglich eine Fassade, um eine zeitlose und daher unendlich fade Geschichte abzuspulen. Das Genre hat bestrickendere Perspektiven zu bieten – damals wie heute.

5/10

[1] Nicholls, Peter (1984): Fantastic Cinema: An Illustrated Survey. London: Ebury Press, S. 95.

Details
Ähnliche Filme