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Sieben Oscarnomierungen, Russel Crowe, Al Pacino und der coolen Regisseur Michael Mann. Was kann da bös schied gehen fragt sich der informierte Kinofan? Um ein Kinoticket erleichtert fühlte ich mich nach der Vorstellung von „The Insider“ sämtlicher Vorschusslorbeeren betrogen. Dieser Film ist inkonsequent, kitschig und viel viel zu lang. Keine Ahnung, ob ich es als Stärke der Academy werten soll, dass dieser Streifen 1999 doch nicht das Rennen gemacht hat oder als Schwäche, weil sie ihnen mit so vielen Nominierungen geschmückt hatten. Am Thema lag es jedenfalls nicht.
Der angesehene Mediziner Jeffrey Wigand (Russel Crowe) wird von seinem Arbeitgeber, einer der führenden Tabakkonzerne in den USA, entlassen. In einer Verschwiegenheitsklausel hat er sich verpflichtet, nicht die belastenden Beweise, dass seine Firma wissentlich suchtfördernde Stoffe verarbeitet, an die Öffentlichkeit zu bringen. Trotzdem wendet er sich an den Journalisten Lowell Bergmann ( Al Pacino). Daraufhin erhalten er und seine Familie mit Morddrohungen...
Spannender Stoff, sogar halbwegs realistisch. Es gibt einen echten Jeffrey Wigand und einen echten Lowell Bergmann. Beide sind dafür verantwortlich, dass momentan Milliardenklagen gegen große Tabakkonzerne laufen und diese Tatsache rechtfertigt durchaus eine Verfilmung.
Mann verzettelt sich dabei jedoch hoffnungslos in zwei scheinbar gleichberechtigte Schicksale. Auf der einen Seite kämpft Russel Crowe den verzweifelten Kampf gegen den übermächtigen Tabakkonzern und das böse amerikanischen Rechtsystem und für den Erhalt seiner Familie. Auf der anderen Seite streitet Al Pacino für die Veröffentlichung dieser Geschichte gegen die wenig idealistischen Führungsetagen seines Senders. Während die erste Geschichte glaubwürdig, nachvollziehbar und durchaus tragisch-dualistisch erzählt wird, scheint die Al-Pacino-Story geradewegs aus der Hollywoodretorte für Reißbrett-dramen zu entstammen. Pacino verkörpert einen anfangs skrupellosen Journalisten, der mit Jeffrey Wigand sein Gewissen ändert und schließlich sogar seine Existenz riskiert, um einen höherem Ziel zu dienen. Klischee vom Feinsten, das mit Wackelkamera und scheinbar intimen improvisierten Momenten kaum erträglicher werden.
Russel Crowe in der Rolle des Jeffrey Wigand verkauft seine Ziele dabei wesentlich differenzierter. Hier sind es eher die Geister die er rief, die ihn in der überschaubaren Eskalationsspirale immer weiter treiben. Er durchleidet nachvollziehbare Gewissenkonflikte und steht im Endeffekt als tragischer Held dar.
Unbegreiflich, warum gerade dem Retortenhero Al Pacino am Schluss des Filmes das Feld überlassen wird. Hätte sich Mann auf einen „Helden“ (und dieser Begriff sei bewusst in Anführungsstriche gesetzt) fixiert, wäre vielleicht sogar anständige Dramenkost draus geworden. So trübt ein aufdringlicher Pacino, stilisierte Kameraführung und eine verwaschene Dramaturgie sämtliche Oscarambitionen.

Das hat mich am meisten beeindruckt: Russel Crowe als aufgequollener, erblondeter Familienvater.

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