Weiße Wölfe (1969) von Konrad Petzold
...Das Jahr 1879 neigt sich dem Ende zu und der anstehende Winter schickt mit eisigen Winden bereits seine ersten Vorboten. Dakotahäuptling "Weitspähender Falke" (Gojko Mitic) ist mit seiner Squaw "Blauhaar" (Lali Meskhi) und den letzten beiden Kriegern nahe Fort Robinson unterwegs. Die blutigen Kämpfe mit Langmesser und Bleichgesichter in den vergangenen 4, 5 Jahren haben seinen Stamm auf diesen kläglichen Rest dezimiert. Aus Furcht vor Gefangenschaft und Ermordung will er sich jedoch nicht in das wärmende Fort, sondern in die Reservation begeben und sich dort mit den anderen Indianern um Oberhäuptling "Rote Wolke" vereinen. In Fort Robinson hingegen werden momentan einige Cheyenne gefangen gehalten, dem Rest von ihnen um "Little Wolf" ist kürzlich der Ausbruch aus ihrer Reservation gelungen. Ihnen möchte sich "Weitspähender Falke" gerne anschließen. Zur gleichen Zeit ist der erfolgreiche Goldhändler Samuel "Sam" Blake (Helmut Schreiber) mit Deputy Peter Hille (Fred Delmare) aus Tanglewood im Fort eingetroffen. Hier begegnen sie u.a. auch Collins Harrington (Horst Schulze) - dem Mitinhaber der "General Mining Inc." (GMI). Noch lässt sich nicht erahnen, wie Harrington Sam Blake kleinkriegen, seine Geschäfte sabotieren und schließlich ganz Tanglewood unter seine Kontrolle bringen will. Aber James Bashan (Rolf Hoppe) mit seiner Bande "arbeitet" bereits für Harrington. Auf ihr Konto geht dann auch der Mord an "Blauhaar" - der Frau von "Weitspähender Falke"...
Wer bereits mit dem DEFA-Indianerfilm "Spur des Falken" (1968) den Auftakt dieses Zweiteilers gesehen hat, sollte sich mit "Weiße Wölfe" (1969) nun unbedingt auch die Fortsetzung und damit den Schluss anschauen!
Anders wie im 1. Teil, dominieren hier aber nicht die Kämpfe zwischen Indianern und Weißen, bzw. US-Soldaten, sondern eigentlich die Kämpfe von Weißen untereinander sowie das Streben nach Geld und Macht. Insgesamt ist dieser Zweiteiler aus den ehem. DEFA Filmstudios inhaltlich herrlich bunt und deckt thematisch schon fast das ganze Westernspektrum ab: Goldsuche, Eisenbahnüberfall, Kämpfe zwischen Rothäuten und Blauröcken (hier Langmesser), Überfall von maskierten Banditen auf Geldtransporte, Häuserkämpfe... Personell und materiell üppig ausgestattet, eingebettet in teils wunderschöne Landschaftsaufnahmen und untermalt mit passender Filmmusik inkl. stimmungsvollen Saloonklängen zaubern die actionreichen Abenteuer von "Weitspähender Falke" eine typische Westernatmosphäre, die nicht selten an die westdeutschen Winnetou-Verfilmungen der Karl-May-Romane erinnert.
Ähnlich wie beim 1. Teil die eher geradlinig verlaufende Spannungskurve, weil eben auch hier durch mind. 7(!) kleinere oder größere Actionszenen und Schießereien einfach zu viel passiert, als dass sich Spannungshöhepunkte langsam aufbauen können. Allerdings haben die allermeisten Szenen die optimale Länge um richtig wirken zu können. Beide Filme nehmen sich an den richtigen Stellen Zeit, ohne auch nur einmal langweilig zu wirken, dann wieder zügige und dynamische Inszenierung.
Gute Laune und tolle Stimmung erzeugt aber nicht nur die Musik. Glücklicherweise finden sich im 2. Teil einige Charaktere und ihre Darsteller aus dem 1. Teil wieder. Insgesamt finde ich die Besetzung besser und auch Rolf Hoppe hat sich ganz schön gesteigert. Und nicht zu vergessen, das wiederaufgebaute Städtchen "Tanglewood" ist diesmal schön bunt angestrichen.
Neben einer charakterlichen Wendung und einem überraschenden Ende, bietet diese Geschichte natürlich auch wieder ein bisschen was zum Schmunzeln! Sei es die Gestalt des nicht allzu großen Fred Delmare, die auffällige Hakennase des "Indijanac David" (Predrag Milinkovic) oder dem Steckbrief, auf dem mit $5000 Belohnung nach "James Brown" gesucht wird! ^^ Auch Rolf Hoppe, der hier einen skrupellosen Bösewicht spielt, sieht mir eigentlich zu nett und nicht fies genug aus - womit ich nun bei den Schwächen angelangt wäre.
Wenn man an Schurken, Banditen, gemeinen Raub, hinterhältigen Mord und Rache denkt, darf man sich bei "Weiße Wölfe" keinesfalls an Italowestern, sondern auch wieder eher am Winnetoniveau orientieren. Eine düstere Stimmung, schweigsame, aber brutale Killer und auch dessen teils extremes Mienenspiel a la Lee van Cleef o.ä. fehlen hier völlig. Obwohl äußerlich einige Darsteller schon recht gut die "bösen" Rollen vertreten, mangelt es an der gewissen "dreckigen" und eiskalten Inszenierung sowie an mehr Härte. Gut möglich, dass aber genau dies von der DEFA nicht gewünscht war, um keine Outlaws zu Helden zu machen!? Alles in allem wirken beide Teile auch nicht ganz so glatt und routiniert runtergedreht wie bspw. die US-Pendanten aus den 1950er und 60er Jahren. Aber auch wenn hier und da etwas improvisiert wurde, ist dieser Zweiteiler dennoch reizvoll und liebenswert, zumal der Winter auch schnell vorüber ist!
Leider wäre da noch eine technische Schwäche: Die teils zu geringe Schärfentiefe! Bei der normalen Fotografie will man bspw. durch bewusste Schärfe im Vordergrund und Unschärfe im Hintergrund somit trotz 2-D eine bestimmte Raumwirkung erzeugen. Bei "Weiße Wölfe" ist dieser Versuch meines Erachtens aber eher in die Hose gegangen - es sei denn, mit der Kamera war was nicht in Ordnung? Auf jeden Fall finden sich hier einige Szenen, in denen mir der Hintergrund zu unscharf geraten ist. Da es aber eine (unbeabsichtigte?) technische Schwäche ist, fließt dieses Faktum nicht in meine Filmbewertung ein.
Somit bleiben 8 von 10 Punkte und die Erinnerung an viel Action, tolle Atmosphäre, einen hohen Unterhaltungswert und garantierten Spaßfaktor!
Viel Vergnügen! ;)