Review

Eine Schriftstellerin auf Durchreise kommt einer Geschwisterliebe auf dem Lande auf die Schliche.

So simpel lässt sich der Inhalt von „Inzest“ zusammenfassen, denn mehr geschieht einfach nicht. Dabei böte ein Tabuthema wie dieses weitaus mehr Raum für Zwischenmenschlichkeit und Spannung. Doch Autor und Hauptdarsteller Keith Coulouris hatte offenbar keine Traute, der Sache etwas mehr Brisanz zu verleihen und Regisseur Anthony Barnao setzte die Idee entsprechend bieder um.
Hat man alles schon mal irgendwo gesehen und was man sehen wird, lässt sich fast komplett voraus ahnen.

Nach außen hin geben sich Luke (Keith Coulouris) und Annie (Charlotte Chatton) wie ein ganz normales Geschwisterpaar. Doch ein Ereignis in ihrer Kindheit hat das Verhältnis zueinander gravierend beeinflusst. Seitdem hat Luke einen weg und macht jeden nieder, der sich Annie nähert. Er hält sie bewusst unwissend und schottet sie von der Außenwelt ab.
Das bekommt auch Lisa (Yancy Butler) mit, die während ihrer Durchreise Annie kennen lernt und sich rasch mit ihr anfreundet.

Zu Beginn wird das einschneidende Erlebnis der Geschwister bereits angedeutet und im Verlauf durch Rückblenden vervollständigt. Zu deutlich sind die Zeichen für den Zuschauer: Luke boxt seine angestauten Aggressionen in den Sandsack oder Typen, die Schwester Annie anbaggern und Annie wiederum ist schon so überzeichnet blöd dargestellt, dass es unfreiwillig komisch wirkt („Was ist ein Drehbuch?“) – ein richtig naiv-unbedarftes Landei.
Irgendwann erfährt man, dass sie von Bruder Luke schwanger ist und sich beide darauf freuen, endlich eine richtige Familie gründen zu können.

Mit der hübschen Lisa fängt Luke aber auch noch etwas an, weil die Laufzeit durch langweilige Liebesszenen gestreckt werden muss und Yancy Butler ne Hübsche ist.
Derweil kommen Annie moralische Bedenken, nachdem Lisa die Wahrheit herausgefunden hat und sie zum Nachdenken anregt…

Ein Drei-Personen-Stück ohne Überraschungen.
Die Charaktere sind nicht weiter ausgearbeitet und bieten kaum Ansätze von Tiefe, lediglich Annie macht gegen Ende eine kleine Wandlung durch, während Luke starrköpfig und launisch durch die Gegend muskelt.
So wirkt dieses Tabuthema schon fast wie eine Verharmlosung, da dass Verhalten der Geschwister zwar im Ursprung erklärt, aber nie wirklich hinterfragt und schon gar nicht kritisiert wird. Und wenn Annies kleiner Garten, den sie so liebevoll pflegt, als Synonym für ihr ein kleines, eingeschränktes Leben steht, ist das etwas dürftig.

Immerhin können die Darsteller dem belanglosen Treiben noch etwas Würde mit auf dem Weg geben. Yancy Butler hat zwar seit dem Auftritt in John Woos „Hard Target“ kaum etwas dazugelernt und rollt immer noch hypnotisierend mit ihren interessanten Augen, agiert aber insgesamt okay. Coulouris ist als Luke etwas besser und man nimmt ihm seinen einfältigen Charakter ab. Gleiches gilt für Charlotte Chatton, die als Annie die wohl anspruchvollste Aufgabe wirklich ordentlich erfüllt.

Dennoch hat mich „Inzest“ zu keiner Zeit vom Hocker gehauen. Zu unspektakulär verpackt, unspannend inszeniert und zu durchsichtig im Verlauf.
Massenware fürs Fernsehen, nicht mehr und nicht weniger.
4 von 10 Punkten

Details
Ähnliche Filme