Mein Bruder behauptete früher er hätte diesen Film etwa 40 Mal geguckt.
Ich hatte nur ein mal einen müden Versuch unternommen mich durch die Wirren der seltsamen Dialoge/Monologe, den "Handlungsstrang" und die abgefahrenen Bilder zu kämpfen. Nach nicht ein mal 20 Minuten gab ich auf, da ich diesem Film weder etwas witziges, noch etwas beeindruckendes abgewinnen konnte.
Vor zwei Jahren dann habe ich durch Zufall eine alte Videokassette gefunden auf der der Film war und einen zweiten, dieses Mal ernsthafteren Versuch unternommen, was nicht zuletzt an mittlerweile erlebten Erfahrungen, der, na ja... besondereren Sorte lag.
Dieses Mal erkannte ich sehr wohl den Reiz dieser teilweise sehr irrealen Drogenodyssee. Zwar macht der Film nach wie vor wenig Sinn, doch beruhigenderweise geht es bei ihm auch weder um Sinn, noch um Bedeutung. Es wird lediglich eine Geschichte Erzählt, in der niemand etwas lernt, die man, nüchtern betrachtet wohl nie verstehen wird ("unnüchtern" allerdings auch nicht wirklich), die politisch weder korrekt ist, noch überhaupt politisch ist. Sie ist einfach da und wer Lust hat kann sie lesen, oder wie hier diskutiert/kritisiert/erwähnt gucken.
Hat man ähnliche (sehr weit entfernte) Erfahrungen gemacht gewinnt der Film sicher an Faszination, was jedoch in keinster Weise ein Garant für gute Laune und Spaß beim Gucken seien dürfte. Es bedingt sich keinesfalls gegenseitig, denn genauso wie es viele Leute gibt die noch nie in ihrem Leben Drogen genommen haben und nie nehmen werden, den Film aber dennoch sehr mögen, gibt es Haufenweise Vollzeitjunkies, die den Film fürchterlich finden. Das eine hat also, wenn überhaupt nur sehr wenig mit dem anderen zu tun, auch wenn meine eigenen Erfahrungen etwas anderes besagen.
Ich denke grundlegend kann bei diesem Film kein "Punktabzug" dafür gegeben werden, dass er weder eine wirkliche Handlung hat, noch wirklich Sinn ergibt, denn dafür wurde weder das Buch geschrieben, noch der Film gedreht.
Erfrischend ist, dass es in diesem Film zur Abwechslung mal keine eingewebte, tiefgehender zwischenmenschliche Handlung gibt, was auch eine Menge für sich hat.
Was die schauspielerischen Leistungen angeht, dürfte sich wohl niemand beschweren. Was Depp und Del Torro an den Tag legen ist Schauspielkunst und Mut zur Peinlichkeit im Quadrat. Doch auch das wird den Film für die meisten Leute keinen Deut besser machen. Aber das muss ja auch gar nicht sein, denn solange ich ihn gut finde, schere ich mich sowieso keineswegs darum, ob irgendein anderer Mensch ihn mit mir gut findet.
Ich für meinen Teil, halte den Film für ausgesprochen unterhaltsam und schätze ihn schon deswegen unheimlich, weil man jedes Mal, wenn man ihn sich wieder ein mal anguckt feststellt, dass man beim letzten Mal etwas sehr lustiges bzw. interessantes übersehen hat.
Von mir gibts 10/10 Punkte!