Angesichts eines wahnwitzig-komischen Trailers könnte man auf die Idee kommen, „Fear and Loathing in Las Vegas“ wäre so eine Art „Trainspotting“ auf die amerikanische Art, halt ein Wochenende im Drogenrausch.
Tatsächlich ist das auch so, trotzdem hat Terry Gilliams Film zwei wesentliche Schwächen: er hat kein erzählerisches Ziel und er kommt ein Vierteljahrhundert zu spät.
Der Start hat tatsächlich etwas Explosives an sich, denn die Art der abgefahrenen Präsentation der zwei Protagonisten, die bereits im Vollrausch samt Paranoia und Verfolgungswahn durch die Wüste heizen, ist bestes Kultpotential.
Danach kann sich der Film aber nicht mehr weiterentwickeln. Ein Episödchen wird an das andere gehängt, eine Droge wechselt sich mit der nächsten ab, ohne daß es eine Steigerung oder Fokussierung gäbe.
Der Reiz, sich das anzusehen, besteht in der allerdings recht genialen Darstellung der einzelnen Trips in Form von Visionen, Hallozinationen, Verzerrungen, akustischen Veränderungen. Das Film schwimmt scheinbar, der Zuschauer nimmt die Position Depps ein, der wie im schweren Seegang durch den Drogenrausch taumelt, Flashbacks oder sogar Blackouts hat.
In diesem Zusammenhang bietet der Film mehr als jeder andere (abgesehen vielleicht von der Cold-Turkey-Sequenz aus „Trainspotting“) und wirkt deswegen auch interessant.
Außerdem generiert er so eine seltsame Komik, die teilweise aus den skurilen Reaktionen der Figuren auf ihre Umwelt (und andersrum) besteht und teilweise aus dem gnadenlosen Aneinandervorbeispielen der beiden (dank der Drogen) erschaffen wird.
Wenn man sieht, wie die zwei Hotelzimmer verwüsten oder durch einen Las-Vegal-Interior-Jahrmarkt der Eitelkeiten und Freaks wandeln (die auch ohne Drogen schon schlimm genug gewesen wären), dann kann man schon mal prustend die Luft anhalten.
Trotzdem ereilt Gilliams Werk dann das Schicksal der fehlenden Spannungskurve. Der Film hat einfach nichts, auf das er schlußendlich heraus will. Weder gibt es ein Ziel (außer das Weekend zu überleben), noch können die Figuren auch nur eine Spur von Emotion erwecken.
Falls eine Art Gesellschaftskritik oder ein Abgesang auf den Hippie-Mythos oder die vietnamgeschwängerte US-Atmo zu Beginn der 70er beabsichtigt war, geht das Wirbel der Bilder leider ansatzlos unter.
In den letzten Minuten läuft der Film dann praktich nur noch aus und man fragt sich dann doch, was es zweckmäßig mit dem Film auf sich hatte. Nur ist Hunter Thompsons Kultbuch inzwischen zum Zeitpunkt der Produktion bereits „uralt“ und wenig aktuell, so daß der Zeitbezug zugunsten eines Event-Drug-Movie verlustig geht.
Da können auch beste Tricks und ein druckvoller Soundtrack nichts mehr retten, „Fear...“ schwebt lediglich im Niemandsland. Und als solcher ist er natürlich verschwendet.
Was niemanden abhalten sollte, dieses Erlebnis trotzdem einmal mitzumachen. Entweder weil man selbst mal stoned war und alte Bekannte trifft oder weil man mal auf dem Trip gewesen sein will, es sich aber nie getraut hat. (5/10)