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Journalist Raoul Duke und sein Anwalt Dr. Gonzo sind unterwegs nach Las Vegas, um dort von einem Motorradrennen zu berichten. Und so beginnt ein zweistündiger Trip, der nicht nur den Protagonisten, sondern auch für den Zuschauern einiges abverlangt.

Eine Inhaltsangabe zu verfassen, und sei es auch nur eine kurze, ist hier eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Nicht, dass man das Gesehene nicht in Worte fassen könnte, aber es wäre einfach vollkommen sinnlos und könnte nicht annähernd den Bildern gerecht werden. Terry Gilliam, vormals bei Monty Python tätig und auf bizarre Settings á la „Brazil“ spezialisiert, lässt hier einen nicht abreißenden Trip auf den geneigten Zuseher einprasseln, den man erst mal aufnehmen muss.

Kamera und Setdesign sind Gilliam-typisch und hier sogar gefühlt noch professioneller, als in manch anderer seiner Produktionen. Er wirkt quasi von der Leine gelassen und bisweilen ist das fast schon zu viel des Guten, wird aber immerhin ab und an von monologischen Alleingängen Dukes mitsamt Kommentaren zur US-amerikanischen Politik und dem Sozialgefüge der 1960er und 70er Jahre gespickt. Diese Unterbrechungen hätten gerne zahlreicher sein dürfen, lockern sie das vor Absurdität ausufernde Geschehen doch merklich auf, setzen angenehm pointierte Akzente und verschaffen kurze visuelle Verschnaufpausen in dem auf Zelluloid gebannten Irrsinn.

Johnny Depp und Benicio del Toro liefern dabei eine schwer in Worte zu fassende Performance ab, was vollends positiv gemeint ist. Die beiden tragen den Film die gesamte Laufzeit über, weitere prägnante Rollen sind nicht auszumachen. Christina Ricci gibt sich die Ehre in einer kleinen Nebenrolle, aber ihr Subplot ist eher irrelevant und fügt nur ein kleines Puzzleteil zu diesem Gemälde des Exzesses hinzu. Daneben kann man noch Gary Busey, Cameron Diaz, Tobey Maguire oder Flea von den Red Hot Chili Peppers in weiteren Szenen entdecken, wobei ihre Rollen recht klein und mitunter bizarr sind. Letzteres gehört aber einfach zum Konzept.

Optisch ist alles bunt, schräg und wie erwähnt gilliamesk im besten Sinne, dabei aber auch mitunter anstrengend. Sicherlich kein Film für jeden Tag und jedes Publikum, aber zur richtigen Zeit einfach ein völlig bescheuertes, drogengeschwängertes und schwer zu beschreibendes Fest der Absurdität. Lässt man sich darauf ein, verpasst einem das Gesehene auch gleich noch einen Passivrausch, der sich nur noch verstärkt, wenn man dieses Werk nicht nüchtern betrachtet – so oder so.

Die Vorlage von Hunter S. Thompson kenne ich nicht, Kenner attestieren dem vorliegenden Film aufgrund der Unverfilmbarkeit des Buchs nichts Gutes und sicherlich werde ich den Roman mal sichten. Aber hey, als Filmfreund sind die vorliegenden zwei Stunden ein Argument für das Kino, für den Film an sich und einfach nur ein Genuss. Gilliam liefert und sowas wie das hier, in dieser Form, mit solch einer passenden Besetzung und dieser inszenatorischen Qualität gibt es einfach nicht oft zu sehen.

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