Review

Der mögliche Grund, warum Found Footage immer weiter in der Gunst der Horrorfilmfans sinkt, dürften die zahlreichen billigen Produktionen mit verschwindend geringem Budget sein. Auch „616: Paranormal Incident“ reiht sich in den Sumpf derer ein, die nur kopieren und zusammenflicken, was man bereits weitaus kreativer gesehen hat.

Eine Spezialeinheit des FBI um Agent Watts wird zum verlassenen Woodburrow Prison gerufen, - für das Team scheinbar eine reine Routineangelegenheit. Als mit der jungen Emma jedoch eine merkwürdige Frau in den Räumen des verwaisten Gebäudes gefunden wird und immer mehr Leute in den düsteren Gängen verschwinden, müssen sich die letzten der Truppe fragen, mit wem oder was sie es eigentlich zu tun haben…

Das verlassene Gefängnis hatten wir zwar bereits einige Male, doch an sich ist es immer für ein wenig klaustrophobisch anmutenden Grusel zu gebrauchen. Die Idee, die aufzeichnenden Kameras der jeweiligen FBI-Agenten in Brillen unterzubringen, erscheint zunächst recht innovativ, zumal dadurch nicht allzu viele Bilder verwackelt sind und durch diese Perspektive viel Suspense erzeugt werden könnte. Doch weit gefehlt.

Denn Regisseur David Chirchirillo offenbart mit seinem Debüt rein gar kein Gespür für jump scares, eine beklemmende Atmosphäre oder überraschende Geistererscheinungen.
Figurenzeichnungen fallen ohnehin komplett flach, da man es mit facettenlosen Agenten und einer Spezialistin für Paranormales zu tun hat. Und diese latschen meistens recht konzeptlos durch verschiedene Räume, während die Perspektive recht häufig wechselt, gerne auch mal zur Sicht der Überwachungskameras in den Räumen und somit kaum ein Ereignis der zahlreichen parallel verlaufenden Handlungsstränge einen spannenden Faden verfolgt.

Dem willkürlichen Treiben folgen diverse Entdeckungen, die im Grunde kaum einen Sinn ergeben, denn hier und da wird mal ein Kinderfoto einer Agentin gefunden, dann stellt man einen Zusammenhang mit der Zahl 616 fest (616 tote Vögel, - wer zählt die denn?), während sich Emma zum kleinen Teufelchen entwickelt und die Figuren selbst als kleinen Querverweis im Vorfeld schon mal den Film „Der Exorzist“ namentlich erwähnen.
Doch außer einer Dämonenfratze mit billigen Kontaktlinsen ist lange Zeit nichts Übersinnliches zu vernehmen.

Stattdessen werden uns irgendwann drei halbnackte Krankenschwesterdämonen aufgetischt, die, in welcher Form auch immer (es lässt sich aufgrund der unvorteilhaften Perspektive nur erahnen) einem Typen in den Hals beißen, während Emma zwischenzeitlich einige private Geheimnisse ausplaudert, mit den Stäben ihres Gefängnisses spielt und auch mal eine Melodie trällert. Teilweise fällt gar nicht so recht auf, dass mal wieder einer aus dem Team verschwunden ist und so wundert es im letzten Drittel schon ein wenig, warum auf einmal nur noch zwei Leutchen mitmischen.

Schwaches Bildmaterial ist man im Subgenre ja bereits gewohnt, doch warum sämtliche Außenaufnahmen gnadenlos überbelichtet sind, erschließt sich selbst einem Laien in Sachen Filmtechnik nicht. Hinzu kommen die grobkörnigen Bilder der fest angebrachten Überwachungskameras, nur die Minicams in den Brillen liefern halbwegs klare Konturen und einigermaßen stabile Blickwinkel.
Wobei es schon merkwürdig anmutet, dass ein unsichtbarer Dritter die Szenerie festhält, als eigentlich nur noch zwei Kameraträger am leben sind.

Nein, Found Footage der ganz billigen Art mit einem Budget von geschätzten 50.000 Dollar macht auf diese unkreative, sinnlos zusammengeschusterte Art ohne Pointe wirklich keinen Sinn mehr. Die Laiendarsteller können nicht in Ansätzen überzeugen, eine Spannungskurve ist nicht vorhanden, Suspense kommt rein gar nicht auf und mit einem Kopfschuss, herum liegenden Leichenteilen und einer Enthauptung kann man auch keinen Splatterfreund beglücken. Ein uninspiriertes Werk, bei dem allenfalls zwei, drei Szenen halbwegs effektvoll erscheinen, während die Macher ansonsten offenbar selbst unter dämonischem Einfluss standen…
2,5 von 10

Details
Ähnliche Filme