Das Höchste der Gefühle
Bevor ich mir am Wochenende die neue, pompöse, vielleicht etwas überkandidelt erscheinende Verfilmung von Emily Brontes Literaturlegende im Kino anschaue, wollte ich unbedingt noch William Wylers Klassiker dieser unsterblichen Geschichte nachholen, in der Gothicromantik ihren Höhepunkt erreicht, wenn eine scheinbar verfluchte und nicht sein zu dürfende, unsterbliche Liebe zweier Adoptivgeschwister über die Jahrzehnte eine reiche Familie auf ihrem harschen Luxusanwesen aufreibt...
Im Moor hört dich niemand lechzen
Wyler ist ein Meister des Kinos und des Epos - und er spannt hier einen massiven Bogen, setzt das Buch (oder zumindest einen Teil davon) top um (trotz neuem Ende) und fasst sich gleichzeitig erstaunlich kompakt, klar, übersichtlich. Kein Wunder, dass dies der filmische Standard dieser Geschichte seitdem ist, an dem der Rest gemessen wird und meist scheitert. "Wuthering Heights" (193) wirft lange Schatten - der Liebe, der Schmerzen, des Todes, des Krieges, des Neides, der Familie. Und Wyler verpackt all das schlicht ideal. Für seine Zeit - aber auch zeitlos und universell. Sowohl die Abgründe als auch die Leidenschaft, die Klippen und die Lippen, die Stürme und der Drang - alles hat hier Dampf, Konzentration und krasse Kontraste. Ein Spiel der Gegensätze, des Hasses und der Liebe, der gesellschaftlichen Stände und der verbotenen Anziehung. "Wuthering Heights" (1939) hätte eigentlich schon das finale Kinowort zu dem Thema sein können. Und selbst das veränderte, aber zur Stimmung des Films gut passende Ende stößt nicht übel auf. "Wuthering Heights" hat unheimlich viele Schichten - und Wyler vergisst oder vernachlässigt kaum eine davon. Viel besser geht's kaum. Viel besser wurd's nicht. Und Laurence Olivier ist ein grandioser Heathcliff. Grundausbildung in Sachen Literaturverfilmungen.
Großes Gefühlskino mit sensationeller Substanz
Fazit: Wylers Verfilmung bleibt das Ultimum in Sachen "Wuthering Heights"... Exquisit, düster, vielschichtig, flott, modrig, massiv - und das in unter 2 Stunden. Meisterhaft!