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Gaunerkomödie im alten Korea, quasi ein Rififi im period piece Gewand. Ein sogenanntes Joseon Ocean's Eleven, die zwar auch absolut publikums-, gar familienträchtig und so eben schon angenehm zu schauen daherkommt, dessen überragender Erfolg in der Zweiten Hälfte dieses Jahres so sicherlich nicht zu erwarten und im Nachhinein auch leicht überraschend für Alle, wenn natürlich willkommen für die Finanziers und den novizenhaften Regisseur war. Das Rezept ist dabei hieb- und stichfest, und nicht nur im heimischen Lande, dort gleichfalls und parallel mit dem modern angesiedelten The Thieves wie geradezu wiederholt, sondern auch in der Filmhistorie Gang und Gäbe und dort mit schon formelhaften Geschmack. Das Einzige, was diesen zusammengewürfelten hustle - Trupp aus Spezialisten hier bei ihrem geplanten, lang vorbereiteten und vielleicht oder vielleicht auch nicht durchgeführten Vorhaben des Raubzuges von den sonstigen Gewohnheiten unterscheidet, ist das eigentliche Ziel. Die Beute ist kein Edelmetall oder sonst etwas auf den ersten Blick Wertvolles. Sondern schlichtweg nur gefrorenes Wasser. Eis. 10000 Tonnen davon:

Joseon Periode, spätes 18. Jahrhundert. Der Buchhändler Deok-Moo [ Cha Tae-hyeon ] plant nach der Verhaftung seines Vaters einen Einbruch und Diebstahl auf das "Seobinggo", das unterirdische Kühllager der Regierung, in der mehrere tausend Tonnen von gefrorenen Wasser für den Genuß der Obrigkeit und als begehrtes Gut für den Markt aufbewahrt sind. Treffen soll dieser Coup besonders den korrupten und mit Hinterlist und Heimtücke bis hin zu Mord seine Macht ausbreiten wollenden Jo Myung-soo samt Sohn, der den Handel mit diesem besonderen Gut nach seinem Gutdünken und als Mittel zum Zweck übernimmt. Allerdings braucht Deok für die Unternehmung verschiedene Experten, einen strammen Zeitrahmen und ganz viel Glück. Spezialisten für das Husarenstück findet er in der Bomben-Koryphäe Seok Dae-hyun [ Sin Jeong-geun ], den Verkleidungskünstler Kim Jae-joon [ Song Jong-ho ], den für Transport zuständigen Kim Cheol-joo [ Kim Gil-dong ], Grabräuber Hong Seok-chang [ Ko Chang-seok ] sowie den ehemaligen Regierungsangestellten Dong-soo [ Oh Ji-ho ] und dessen Schwester Soo-ryeon [ Min Hyo-rin ].  

Wie üblich im aktuellen koreanischen Kino ist auch dieses Werk, übrigens gerade für den ausländischen, also westlichen Zuschauer so überhaupt nicht mit bekannten Namen vor oder hinter der Kamera bestückt, mit einer Laufzeit nicht unter 120min gehalten. Die emotionale Fallhöhe ist dabei recht schnell erreicht, der Rest geht für das Vorhaben in Theorie, dann in Praxis, dann im Alternativ, da mit Schwierigkeiten verbunden drauf. So wirklich dramaturgisch ist das Spektakel, das eigentlich gar keines, sondern eher bescheiden bis ruhig daherkommend ist, so weder beim Begleiten der unterschiedlichen Figuren und ihrer Wege und Taten nicht. Im Grunde geht alles seinen (zäh)flüssigen Gang, mit kleinen Abänderungen und Szenen ohne tatsächliches Gewicht. Ein schlichtweg harmloses, im Ansatz auch inspirierendes, nicht gänzlich beeindruckendes und wohl auch gar nicht diese Option versuchendes Vergnügen, dass sich zuweilen und insbesondere mit dem später unnötig verkomplizierten, auch undurchsichtigen Plan wichtiger gibt, es man tatsächlich ist. Schlauer oder interessierter wird man durch drei Enden noch im Film und zwei weiteren Abschlüssen während des Abspanns aus dem nun plötzlichen Kuddelmuddel sicherlich nicht.

Immerhin, auch wenn die diversen Kompagnons dieses feel good adventures eher blass bleiben, so merkt man ihre Spielfreude und die Verbundenheit untereinander und die Abgeschottenheit gegenüber der Welt da draußen, die nur von außen beobachtet und inspiziert wird, doch an. Der Humor im Ensemblefilm ist da, nicht immer leise, teilweise bei einem running gag sogar recht nieder und plump. Auch Action wird zuweilen, in Form von kurzen kämpferischen, mit Waffen wie Schwert und Speer ausgetragenen Auseinandersetzungen im klassischen wuxia - Stil; als zeitweilige Auflockerung schon recht passabel choreographiert. Augenmerk liegt jedoch auch darauf nicht richtig, sind sowieso keine Besonderheiten eben abseits des Motivs und der Szenerie erkenntlich. Das Eis als Objekt der Begierde als wahrlich schnell zerrinnendes, nur für den Moment haltbares und ohne Mühen und Aufwand nicht auf Dauer konservierbares Glück, wie als Metapher der Inszenierung von Debütant Kim Ji-hoo, der bestimmt keine großen Fehler, den spürbaren Willen zu Mehr und tatsächlichen twists and turns aber auch nicht macht.

Selbst eine gewisse Künstlichkeit ist trotz oder auch wegen schon erkenntlicher Dekorativität und Ausstattungsmerkmalen deutlich empfindlich. So wird anfangs viel mit Bildern und Wörtern und Beispielen der Literatur gespielt, da fast ein Überbau an Metaphern und eine Umrandung zwischen Aufklärung und Kolportage geschaffen. Der Besitz von Eis als Luxusgut, das Arm und Reich voneinander trennt. Palastintrigen. Patriotismus im "for King and Country" Motiv. Die Überwindung von Vorurteilen, von Ständen, von Rängen, all dies spielt irgendwo eine Fußnote im Aufkommen diverser Szenen, aber nicht richtig in den Umständen selber und nicht fass- und haltbar im inszenatorische Geschick. Drei Jahre Produktionszeit, ein Budget zwischen 7 & 8 Millionen USD, fast fünf Millionen Zuschauer, demgegenüber eine Handvoll aus dem Fernsehen dem Publikum bekannter Gesichter, dazu etwas politisches Hin und Her und eventuell Verweise zur Aktualität, plus die liebgewonnene Ära mit der Möglichkeit zum eskapistischen Glück, der Gewinn von Fortuna zum passenden Timing, ein paar mäßige CGI Effektszenen und allseits notorisches Kalkül.

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