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Xander Cage, ein Unruhestifter, der sein Geld mit Videos illegaler Stunts verdient, wird von der NSA eingesackt und kriegt von Agent Gibbons nach ein paar behämmerten, aber erfolgreich absolvierten Tauglichkeitstests einen Deal angeboten: Entweder er arbeitet für sie als Laien-Spion (der von den Bösmännern nicht so schnell erkannt wird wie seine professionellen Kollegen), oder er wandert in den Knast. Natürlich meldet er sich für den Arbeitseinsatz.
Seine Aufgabe: In Prag die Terrororganisation Anarchie 99 ausspionieren, die sich aus ehemaligen Angehörigen der russischen Armee zusammensetzt und deren Anführer Yorgi mit einem chemischen Kampfstoff namens Stille Nacht die Regierungen dieser Welt ausschalten und ein anarchistisches Zeitalter einleiten will. Cage schafft es, das Vertrauen des Kerls zu erschleichen und lernt dessen Mädel Yelena kennen, die irgendwas zu verbergen hat...

Selten so einen verkrampften Versuch gesehen, einen auf cool zu machen und sich an das jugendliche Zielpublikum ranzuschmeissen: Ein tätowierter Muskelmann und „Actionsportler" in der Hauptrolle, der Pelzmäntel trägt (WTF?), teure Sportwägen und Motorräder (zu Schrott) fährt, Berge hinaufklettert und natürlich auch mit dem Snowboard umzugehen weiss (in der Not darf es auch ein Serviertablett sein). Dazu so hippe wie austauschbare, müllige Musik von Rock über Techno bis Hip Hop (am besten ist noch der Rammstein-Song mitsamt Auftritt der Band am Anfang des Filmes, wobei „Feuer Frei!" nicht gerade mein Lieblingsstück von denen ist), Raves, Partys in unterirdischen Clubs und leichtbekleidete Mädels im Dutzend billiger (prüde isses trotzdem, nicht einmal ein boob shot wird uns gegönnt); Regisseur Rob Cohen (DRAGONHEART, THE FAST AND THE FURIOUS) liefert dazu eine schnelle Montage mit hoher Schnittfrequenz sowie grundlos eingesetzte Zeitlupensequenzen und lässt die Kamera immer schön schräg hinstellen. Jugendsprache a la „Echt krass, Mann!" darf natürlich auch nicht fehlen und Videogames werden zumindest in den Dialogen erwähnt. Alles für die MTV-Generation...

Die, hüstel, „Story" ist so dünn wie vorhersehbar (beispielsweise kommt weder die Aufdeckung der Pläne des Schurken noch die der Tatsache, dass Yelena auch eine Agentin ist, überraschend) und gemahnt mit der Agentensache, dem grössenwahnsinnigen Bösewicht oder dem Epilog doch ein wenig an die Bond-Filme. (Vom viel besseren Vorbild geklaut ist auch der Q-Verschnitt und lahme Comic Relief Shavers, der Xander mit Spezialwaffen, Röntgenfeldstecher, Sprengstoffpflastern und einer aufgemotzten Karre ausrüstet.) Die Gags und Onliner sind nicht gerade berauschend. („Ihr heisst beide Ivan?" Haha, ich lach mich tot!) Eher peinlich auch die Charaktermomente zwischen Xander und Yelena, ebenso die Sprüche a la „Ich tue es für mein Land" oder „Ich möchte mein Leben endlich für etwas Sinnvolles einsetzen". Blah.

Nun gut, es geht ja eh nur um die Action, nicht? Tja: Die Shootout, Verfolgungsjagden und Pyroeffekten inklusive fliegenden Stundmännern sind nicht über alle Massen originell und auch Fallschirmspringer hat man im Film schon öfters gesehen, ausserdem wird's dank schnellem Schnitt und Handkameraeinsatz öfters mal etwas unübersichtlich. Aber die Flucht auf dem Snowboard vor der Lawine (wobei ich mich frage, warum das Antennengerüst, auf das Xander am Schluss klettert, von den Schneemassen nicht weggepulvert wird) und auch der finale Stunt auf dem U-Boot (naja, das Ding bleibt die ganze Zeit an der Wasseroberfläche) sind ganz nett.

Der Score von Randy Edelman (SHANGHAI NOON) ist schnell wieder vergessen, kommt aber eh kaum zum Einsatz. Am besten gefallen mir noch die paar Takte Oper oder Hackbrettmucke, die sich in den Film verirrt haben. Zu den Schauspielern. Es gibt sicher charismatischere Actionhelden und talentiertere Darsteller als Vin Diesel, aber für diesen Film reicht es. Für den schauspielerischen Höhepunkt sorgt Samuel L. Jackson (SNAKES ON A PLANE) als NSA-Agent (der wohl noch nicht mitbekommen hat, dass es so was wie plastische Chirurgie gibt); Dario Argentos Tochter Asia stellt dem Streifen ihr Schnuckitum zur Verfügung. Marton Csokas (AEON FLUX) ist in der Rolle des Yorgi ein eher farbloser Chefbösewicht.

Fazit: Laut, schnell, doof. Ein lahmer und möchtegern-cooler Agenten"thriller" für Prolls, denen Bondfilme intellektuell zu anspruchsvoll sind. Weg damit...

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