Mein Name ist X, Triple X!
„Willkommen in der Xander Zone“, mit diesen Worten stellt sich uns Xander Cage (Vin Diesel) vor, nachdem er die Corvette eines reaktionären Senators entwendete, der alle Videospiele, die zuviel Action oder Gewalt beinhalten, zu verbieten plant. Dies ist jedoch für den sonst eher politisch desinteressierten Xander, oder xXx (Triple X), wie ihn seine Freunde nennen, ein Reizthema, gehören doch Egoshooter und Rennsport-Simulationen für ihn einfach zum täglichen Leben dazu, ebenso wie all die halsbrecherischen Stunts, mit denen er seine eigenen Grenzen austesten will und die er für den nötigen Adrenalin-Kick braucht. So ist es nur passend und konsequent, daß er die ganze Verfolgungsjagd im gestohlenen Sportcabrio, wie all seine anderen Aktionen auch, mit mehreren Kameras aufzeichnet und sie im Rahmen seiner Underground-Show, der „Xander Zone“, live ins Internet überträgt, wo jeder potentielle Leidtragende des Zensur-Overkills das ganze voller Schadenfreude am heimischen Monitor mitverfolgen kann. Insbesondere, da als Finale der Sturz des Wagens von einer Brücke auf dem Programm steht, aus dem sich xXx dann per Fallschirm verabschiedet und die Polizei ihm nur staunend hintersehen kann. Eine anarchistische Meisterleistung!
Währenddessen, auf der anderen Seite der Erde, im postkommunisten Prag, entledigt sich Yorgi (Marton Csokas), ein Anarchist ganz anderen Art, soeben der Gegenwart des amerikanischen Topagenten auf sehr endgültige Weise, frei nach dem Motte „Neugier ist der Tod der Katze“. So fragt sich nun die NSA, wen man als Ersatz nach Prag schicken kann, um die Söldnertruppe „Anarchy 99“ zu infiltrieren. Jemanden, der nicht wie ein Agent wirkt und unter Ganoven nicht weiter auffällt. Jemand, der furchtlos und, im Falle eines Auffliegens, nun ja, entbährlich ist. Warum also nicht „Anarchy“ mit einem Anarchisten bekämpfen?
So findet sich also xXx bald neben einigen anderen „schweren Jungs“ in den Gewalt von Special-Agent Augustus Gibbons (Samuel L. Jackson) wieder, der seine unfreiwilligen Anwärter kidnappen ließ und sie nun mehr oder weniger gefährliche Testmissionen absolvieren läßt.
Schnell erweist sich dabei xXx als der geeignetste Kandidat, da er nicht nur über die erforderliche Kühnheit und Erfahrung verfügt, sondern auch unter Druck den Überblick behält und die nötige Portion Herz besitzt, die ihn moralisch weit über die der anderen Gangster erhebt. Und letztendlich ist er ja nicht im eigentlichen Sinne ein Verbrecher, sondern ein Verrückter, ein Abenteurer, eben genau der richtige für den Job. Nur leider paßt es ihm nicht in den Kram, für den Staat arbeiten, doch nach ein wenig Überzeugungsarbeit (und der Wahl, ansonsten im Gefängnis zu landen) willigt Xander ein.
In Prag gelingt es ihm dann auch tatsächlich, mit Hilfe des heimischen Kommisars Sova (Richy Müller), das Vertrauen der Gruppe zu erlangen, auch wenn ihm die zwielichtige Yelena (Asia Argento) mittraut. Relativ unvorbereitet, was ihn erwarten mag, erkennt Xander schnell die Gefahr, die von seinen Gegenspielern ausgeht und wie eiskalt sie ihre Ziele verfolgen. Sein Hadern mit seinem Auftraggeber und sein Bestreben, sich nicht dessen Willen unterzuordnen, verliert schon bald jede Priorität, denn was als unliebsame Bürde für einen unfreiwilligen Helden beginnt, wird bald zu einem Auftrag, den er mit vollem Einsatz und aus tiefstem Herzen unterstützt. Denn der Mann, der einmal sagte: „Wenn ihr jemanden schickt, um die Welt zu retten, dann stellt sicher, daß er die Welt auch so mag, wie sie ist!“, erkennt schnell, daß diese Einstellung jede Bedeutung verliert, wenn die Alternative die Zerstörung der Erde und allen Lebens ist. Und dies ist immer einen guten Kampf wert...und den liefert er dann auch!
Was von den Produzenten als Frischzellenkur für das etwas angestaubte Spionage-Genre geplant war und als kongeniale Alternative zur James-Bond-Reihe für ein junges Publikum konzipiert wurde, schürte natürlich gehörig die Erwartung. Und so ein „highly anticipated Movie“ kann sicherlich auch schnell enttäuschen, wenn er diesem Anspruch nicht gerecht wird.
So ging es mir dann auch und ich saß gespannt im Kino, in der Hoffnung, mir nicht zuviel versprochen zu haben. Und, was soll ich sagen, der Film hielt nicht nur, was ich mir versprochen hatte, er übertraff meine Erwartungen sogar noch.
„xXx“ ist von Anfang an eine wilde Achterbahnfahrt, die einfach nicht ihren Schwung verlieren will. War ich innerlich darauf vorbereitet, mein Hirn auszuschalten, um einen Film im Stil von „The Fast And The Furious“ zu sehen, der Film, den Regisseur Rob Cohen mit seinem Star Vin Diesel zuvor abgeliefert hatte, eben perfektes Popcorn-Kino, für das man den Verstand mal gern zwei Stunden lang in der Garderobe abgibt, weil man sonst wohl doch enttäuscht sein würde, präsentierte sich „xXx“ jedoch als Agentenfilm mit einer Story, die durchaus auf Bond-Niveau liegt und dem Gerne völlig angemessen ist. Die Geschichte mag vielleicht nicht sonderlich anspruchsvoll sein oder komplett neu, aber, hey, wir sind hier schließlich nicht in einem Art-House-Film.
Neben einer für seine Gattung sehr frischen Herangehensweise an die Handlung, bietet der Film eine ganze Reihe von Stunts, die neue Maßstäbe gesetzt haben dürften. Sie waren dabei an einigen Stellen zwar absolut übertrieben und unglaubwürdig, wurden aber so perfekt ausgeführt und digital nachbearbeitet, daß man zwar wußte, grade etwas absolut nicht machbares zu sehen, wurde aber dadurch nicht aus dem Geschehen herausgerissen. Und da dies auch den Machern bewußt war, ist diese Tatsache nur eine weitere Fazette, uns Staunen zu machen und die Grenzen des Genres augenzwinkernd weiter noch oben zu verschieben.
Und da die Effekt, auch wenn man weiß, daß es welche sein mußten, durch ihre Qualität nie augenscheinlich als solche zu erkennen waren, ging die Rechnung auch vollkommen auf.
Die Dialoge, zumindest im englischen Original, wirkten auch nie peinlich, wie ich sie bei „Fast And The Furious“ in Erinnerung behielt. Sie machen den Humor des Films aus, der auch dann keine Langeweile aufkommen ließ, wenn mal grade keine Action über die Leinwand wehte. Witzige One-Liner, schräge Situationen und gutaufgelegte Darsteller, allen voran Vin Diesel, der es schafft, Xander nicht nur die nötige Härte zu geben, um die Action glaubhaft erscheinen zu lassen, sondern ihn auch sympatisch genug macht, um als positive Identifikationsfigur zu gelten. Beeindruckenderweise ist nämlich der Body-Count des Films recht gering, denn xXx vermeidet es, seine Gegner zu töten, was den Film auch vom Härtegrad nicht über einen Bond-Film hebt. Erst nachdem er den Ernst der Bedrohung erkennt, und auch nur dann, wenn ihm keine andere Option bleibt, wendet er tödliche Gewalt an, und diese ist auch weder witzig, noch übermäßig hart dargestellt, oder wird wie in einem Schwarzenegger-Film von einem sarkastischen Kommentar begleitet. So bleibt das ganze, unter Aufsicht der Eltern, ein Erlebnis für die ganze Familie und dürfte auch bei uns von der FSK eine Freigabe ab 12 Jahren erhalten, wie auch die US-Fassung PG-13, also für Kinder unter 13 nur in Begleitung der Eltern, eingestuft wurde.
Ich weiß, dies klingt jetzt alles zu gut und wahr zu sein und wie eine Hymne auf den Film, doch ich garantiere jedem, der gewillt ist, sich auf einen atemberaubenden Actionfilm ohne wenn und aber einzulassen, daß er mit Sicherheit nicht enttäuscht wird.
Als Konkurrenz zur Bond-Reihe konzipiert, könnte dies bei bleibendem Interesse von Publikum und Beteiligten durchaus möglich sein. Zumindest die Fortsetzung ist schon beschlossene Sache und für 2004 angekündigt. Ich bin gespannt...und werde bis dahin bestimmt noch einmal den ersten Teil im Kino bewundern. Staunt mit...