Eine neue Ära bricht laut der Produzenten von “xXx” an: Xander Cage ist da und soll James Bond von seinem Thron stoßen. Und das nicht mit Köpfchen, sondern mit seinen körperlichen Fähigkeiten und seinem Mut. Was uns erwartet, war ja schon nach dem Trailer abzusehen. Deshalb habe ich bewusst rein gar nichts von dem Film erwartet, mich mit Popcorn zugedeckt und das Hirn ausgeschaltet. Doch dass es so schlimm kommen würde, hätte ich in meinen größten Alpträumen nicht erwartet.
Es beginnt noch recht vielversprechend: Location ist ein Rammstein-Konzert in Prag, optisch sehr gut in Szene gesetzt, der Sound stimmt und ein Agent wird ermordet. Allerdings fühlt man sich da ein wenig verloren, denn was das Ganze eigentlich soll, weiß man nicht. Von da an wird’s nur noch sinnloser: Xander Cage, ein Extremsportler, der für den Adrenalinkick lebt, und sich gegen die Zensur von Computerspielen einsetzt, wird vorgestellt. Mit einer Corvette flüchtet er vor der Polizei und strapaziert mit einem völlig unrealistischen Stunt von einer Brücke gleich mal die Lachmuskeln der Zuschauer. Natürlich explodiert das Auto beim Aufschlag in einem überdimensionalen Feuerball.
Die anschließende Party wird dann von NSA-Agenten abrupt gestoppt und Xander wird eingewiesen: Er soll aufgrund seiner Fähigkeiten als Agent für die Regierung arbeiten. Nach anfänglicher Skepsis willigt er ein, schließlich geht es ja um die Rettung der Welt. Der anschließende Einstellungstest ist an Lächerlichkeit gar nicht mehr zu überbieten: In einem Café bewältigt Triple X einen gestellten Überfall und erklärt uns anschließend mit einem unendlich dummen Gesichtsausdruck, woher er wusste, dass der Überfall nur eine Attrappe war. Da erhallte das ganze Kino vom Lachen der Zuschauer.
Was anschließend folgt ist eine bloße Aneinanderreihung von Stunts. Die Story geht völlig unter, die einzelnen Szenenübergänge sind so abstrus, dass man als genervter Zuschauer völlig den Faden verliert und von den Effekten fast erdrückt wird. Die sind zwar einigermaßen gelungen, aber so überzogen, dass es auch schon wieder unfreiwillig komisch ist. Beispielsweise flüchtet Xander Cage mit einem Snowboard vor einer Lawine, die er auch noch selber absichtlich auslöste und entkommt, indem er sich an einen Funkmast klammert, der natürlich nicht vom Schnee mitgerissen wird, alles klar?! Explosionen gibt es am laufenden Band zu sehen, aber wieso hat den Machern niemand erklärt, dass ein Auto nach 3 Salven aus einem MG sich nicht gleich mehrfach überschlägt und dann in einem riesigen Feuerball aufgeht. Solche Szenen gab es natürlich in den Actionern der 80er zuhauf, aber da hatte es Stil und B-Movie-Charme, doch xXx soll neue Maßstäbe setzen und bei einem Budget von 85 Mio. Dollar erwarte ich mir viel mehr.
Den Überblick hat man da im ganzen Wirrwarr von Actionszenen schon längst verloren, die Story ist einem somit völlig egal, sodass jegliche Spannung fehlt. Unterhaltung wird dennoch geboten, denn der Film ist so doof, dass man aus dem Staunen und Lachen gar nicht mehr rauskommt. Eine unlogische Szene jagt die nächste, alles garniert mit flapsigen Sprüchen, die in der heutigen Zeit höchstens noch Kleinkinder beigeistern können. Oder eben leicht zurückgebliebene Kiddies aus der MTV- und Fungeneration, auf die hier alles getrimmt wurde. Hauptsache die Optik ist passend und besteht aus wirren Kamerafahrten und schnellen Schnitten. Alles muss edel sein, auch die Frauen wirken alle durchgestylt und werden aufgrund der durchgehend attraktiven Besetzung jedes Kind befriedigen. Selbstverständlich sind sie alle willig und werden als Objekte dargestellt, die sogar Kartoffelgesichter mit dem IQ einer Bockwurst wie Vin Diesel bekommen können. Dazu passt der für mich jetzt schon unvergesslich hirnrissige Oneliner “Holt die Schlampen rauf” gut ins Bild, über den ich nach dem Film noch lange lachen musste.
Die Logik hat da schon längst lebewohl gesagt, es ist trotzdem noch ganz witzig anzusehen, welche Ungereimtheiten auftauchen. Z.B. wird Mensch durch eine Holztür erschossen, wenig später versteckt sich Triple X hinter einem Holztisch, der durchlöchert wird wie Schweizer Käse, aber ihm passiert nix. In einer anderen Szene steht Triple X in einer Höhle, nach einem kurzen Szenenwechsel von 2 Sekunden hängt er an der Decke (wie kam er da hoch?) und erledigt natürlich beide Wachen, die anschließend auftauchen. Und wieso wurden eigentlich selbst die stupidesten Dialoge der Tschechen untertitelt? Da darf man sich freuen, Sachen wie “Weißt du was, wir gehen jetzt Essen!” in weißer Schrift auf der Leinwand zu lesen. Wieso werden ständig physikalische Grundgesetze außer Kraft gesetzt? In einem gewissen Maße hab ich da nichts dagegen, aber wenn Herr Diesel mit einem Motorrad 50 Meter durch die Luft segelt, sich mit einer Hand am Sattel festhält und noch in der Luft einen Bad Guy gezielt niederschießt, ist das Maß voll. Was ist überhaupt die Motivation des Bösewichts? Die wird in einer quietschlustigen Sequenz erläutert, in der Martin Csogas versucht, so richtig wahnsinnig und böse zu wirken, dabei aber jämmerlich versagt. Fragen über Fragen wirft dieser Film auf, über die man besser nicht nachdenkt, sonst wird alles bloß noch schlechter.
Jetzt zu meinem Lieblingsthema bei “Triple X”, den Schauspielern. Dass ein Vin Diesel 20 Mio Dollar pro Film verlangen dar, ist schlicht und einfach eine Frechheit gegenüber ganz Hollywood. Sogar Cruise ist da um Längen besser. Vin Diesel kämpft sich mit einem einzigen Gesichtsausruck durch den Film, der so dumm ist, das sich das Ansehen schon wieder lohnt. Die deutsche Synchronstimme, die total lieb- und emotionslos ausgewählt wurde, gab mir dann endgültig den Rest. ich kam aus dem Lachen gar nicht mehr raus. Zu komisch sind die Szenen, in denen Vin Diesel Gefühle zeigen will und Sprüche ablässt, die schon vor 20 Jahren nicht mehr cool waren. Einige Zitatbeispiele, bei denen ich vor Lachen fast aus dem Kinosessel gefallen bin? Bitteschön: “Ich steh auf diesen Scheiß!”, “Wo sind meine Erdnüsse?”, “Ich kann gut tanzen”, “Bora Bora” usw. das könnte man noch ewig fortsetzen. Mir geht die Angst, wenn das ein moderner Bond sein soll. Vin Diesel hat weder Charme, noch Stil, noch Humor (obwohl, in gewisser Weise *g*), da hätte man auch einen Gorilla casten können.
Keinen Deut besser ist Martin Csokas als Bösewicht, der nur noch lustig wirkt und jedes noch so altbekannte Klischee seiner Rolle erfüllt. Asia Argentos Schauspielkunst ist ebenfalls stark verbesserungswürdig und sogar Samuel L. Jackson agiert ungewohnt steif und lustlos.
Über die Dauer betrachtet, versucht sich “Triple X” stark an gängige James Bond Muster zu halten. Ein Agent mit Macken, schnelle Autos, ein Bösewicht mit dem immer gleichen Ziel “Weltherrschaft”, schöne Frauen und sogar ein erbärmlicher “Q“-Verschnitt muss herhalten. All diese Punkte versucht man zu kopieren, versagt dabei aber auf der ganzen Linie. Die überzogenen Stunts und realitätsfernen Storys bei Bond kann ich verschmerzen, aber bei Triple X stieß mir das sauer auf, weil alles nur für die Jungen gemacht und in eine wahnsinnig nervige Optik verpackt wurde. Die Skater- und Funsportgeneration wird sich freuen.
Mit “Triple X” bekommt der Begriff “Dummheit” eine ganz neue Dimension. Unglaublich, mit welch primitiven Mitteln man Zuschauer weltweit in die Kinos strömen lässt. Da passt gar nix zusammen, die ganze Story ist total abstrus und die Szenenübergänge einfach nur sinnlos. Vin Diesel gehört für so eine Frechheit lebenslang auf einen einsame Insel verbannt. Ein deppertes Muskelpaket staubt zig Millionen mit einem Film ab, der auf jeglichen Sinn verzichtet und ein auf Zelluloid gebanntes Produkt für die MTV- und Funsportgeneration darstellt. Schöne neue Welt!
Eigentlich 1/10, aber Bonus für den Rammstein-Auftritt in den ersten Minuten und aufgrund der unfreiwilligen Komik, die für viel Spaß sorgt. Wenn Blödheit wehtun würde...