Nachdem Regisseur Rob Cohen und Vin Diesel mit "The Fast and The Furious" einen überraschenden Kassenschlager ablieferten, brachen sie zu neuen Ufern auf. Mit "xXx" versucht das Duo einen amerikanischen "James Bond" des neuen Milleniums zu kreieren, auf den das Publikum abfahren sollte: Hirnlos, machobezogen, flaue Story und ganz viel Bummbumm. An den amerikanischen Kinokassen hat das ganz gut funktioniert, so dass die Fortsetzung schon längst eine abgemachte Sache ist. Doch wie gut (oder schlecht) ist dieser Film wirklich?
Ohne Zweifel, der Anfang macht mächtig Laune. Ein Agent in allerfeinstem Zwirn (James Bond lässt grüßen) wird von bösen Yorgi (Marton Csokas, unrasiert mit langen öligen Haaren der östliche Schwerverbrecher schlechthin) gejagt und dabei von Rammsteins "Feuer Frei" begleitet, die dort ein knalliges Konzert geben. Da das Feuer dann wirklich freigegeben wird, stirbt der Agent und die NSA hat wieder einen Telegramm mehr zu schicken. Was also tun, wenn die perfekt ausgebildeten Gentlemen mit dem östlichen Abschaum nicht mehr klar kommen? Genau, man schickt den eigenen Bodensatz ins Rennen, der sich aber erst profilieren muss.
Xander Cage (Vin Diesel) ist einer von ihnen. Der mächtig, mutige Extremsportler lässt seine Fans live per Webcam miterleben, wenn er schicke Autos in die Tiefe stürzen lässt und ist so der Megaburner unter den pubertierenden Internetjunkies. Der Mann traut sich was, übt Kritik an einem Senator (Uiuiu, was für die Anspruchsvollen) und lebt so als wahrer Anarchist, der sich von niemanden was sagen lässt. Genau so einen braucht die USA und lässt ihn kurzerhand kidnappen und einiger Tests unterziehen, die der TDI auch ganz bravorös absolviert und nichts, aber auch gar nichts anbrennen lässt, weil sein Verstand nunmal enorme Ausmaße annimmt. Wow, der Prototyp fürs amerikanische Popcornpublikum und nebenbei noch der Prototyp des Weltenretters. Das meint auch Agent Augustus Gibbons (Samuel L. Jackson, häßlich und leider ohne sein Charisma), der ihm klar macht, dass er in den Bau wandert, wenn er nicht mit von der Party ist.
Xander willig ein, ist er doch hin und weg von seinem letzten Test, wo er aus dem Stand meterhohe Sprünge mit Motorrädern machen konnte und dabei auf die Rotorblätter der kreisenden Hubschrauber achten musste. Ja, ich muss zugeben, die Stunts sind zum großen Teil verdammt gut inszeniert und das Beste: Handmade! Aber warum muss denn alles, aber auch wirklich alles, um Xander explodieren oder in riesigen Flammenbällen aufgehen, wenn er sich irgendwo im Film in einem Kampf befindet. Kein Auto, dass nicht explodiert (selbst bei einem einzelnen Schuß), kein Haus das heile bleibt. Aber nicht nur das übertriebene Pyrotechnikfest (die Installateure hatten bestimmt einen Heidenspaß) sondern auch das Nutzen von zig Extremsportarten (Xander kann halt alles) zerrt an den Nerven und erreicht seinen lächerlichen Höhepunkt, wenn Cage mit einem Tablett über eine Treppenschiene skatet oder sich vor einer selbst ausgelösten Schneelawine an einem Funkmasten rettet, der als einziger nicht mitgerissen wird.
Kommen wir zur Story: Den guter Agent gegen bösen Oberfiesling Plot haben wir so oder ähnlich schon in genug und besseren Bonds begutachten dürfen. Yorgi ist das böse Arschloch schlechthin, haust in einer Checkerburg hoch droben im Gebirge, baut ein fettes Bömbchen, um die ganze Welt ins Chaos zu stürzen und nennt seinen "Club der ausgestiegenen Soldaten" also einfach mal "Anarchy 99". Die Konstrukteure seiner Bombe werden nach alter Zeugenregel vergast, damit auch ja kein Wissender überlebt. Tja, Xander ist halt der Asskicker, der dem Ivan die Flausen austreiben soll, was ihm Sympathien von Asia Argento einbringt. Wer würde da schon nein sagen? Zu dem bekommt er vom Haustüftler noch Unmengen an Spielzeug geboten, dass er aber leider nur selten ausprobiert. So wird dann Stunt an Stunt genagelt, Xander schleicht sich in die Orga ein, fliegt auf, wird gejagt, jagt den Bösewicht, vögelt herum (natürlich jungendfrei), bastelt an der Bombe herum und hört sich krasse Sprüche (der Schlampen- und der Playstationspruch haben Kultpotential) an. Irgendwann schickt er dann auch mal Yorgi über den Jordan und hört die Bombe ticken. Knackig, wenn es dann einmal mehr mit der Logik nicht so klappt. Aber darüber sollte man sich nach 30 Minuten nicht mehr aufregen, da sonst Herzinfarktrisiko herrscht.
Noch ein paar Worte zu Vin dem Diesel. Ob "Pitch Black", "The Fast and The Furious" oder "A man apart", gefallen hat mir leicht zurückgelieben schauende Muskelprotz allemal. Galt er doch sogar als der neue Actionheld im Hollywoodzirkus, der den Schwarzeneggers und Stallones zeigen konnte, dass ihre Uhr aufgehört hat zu ticken. Hier macht er sich aber in stumpfsinnigen Dialogen selbst zum Affen und bestätigt einmal mehr die These, dass harte und trockene, ehrliche Actioner der alten Generation in Hollywood längst außer Mode sind und weichgespielten Kidactionern der MTV-Generation weichen mussten. PG 13 ist nunmal immer noch lukrativer als ein hartes R. Mal schauen, wie es mit ihm weitergeht. Der neue "Riddick" könnte was werden, der neue "xXx" mit Sicherheit nicht.
Fazit:
Stumpfsinniger Actioner, bei dem es an allen Ecken und bumbst, kracht und explodiert. Dabei hapert es aber gewaltig mit der Logik. Leider ist dieses Machwerk sowas von übertrieben, dass es keinen Spaß mehr macht, da die Selbstironie nur in den seltensten Fällen zum Einsatz kommt. Klischees bis zum Abwinken schaden dem stuntmäßig gut gemachten Film ebenso. Unterhalten tut das Gerät aber auf eine lächerliche Art trotzdem. Bond, übernehmen sie.