Der arme Morgan Freeman leidet, man glaubt es kaum, inzwischen auch schon unter extremen Typecasting, spätestens seit "Sieben". Aber was soll er machen, er ist nun mal ungemein souverän und populär als Polizist aka FBI- aka CIA-Beamter mit Gefühl, Ruhe und Übersicht.
Da kamen die Alex-Cross-Romane rund um die noch immer im Buchhandel wie blöd grassierenden Serienkillerjagden gerade richtig. Und siehe da, aus einem spannenden Buch für Strand und Bett kann durchaus ein unterhaltsamer Film werden.
Nicht daß wir jetzt in akuten Größenwahn ausbrechen müßten, aber mehr als passabel und unterhaltsam ist das schon, was Gary Fleder hier auf die Beine gestellt hat. Mal ganz abgesehen von der wie immer literarischen Unlogik von den Lector-ähnlichen übermäßig intelligenten Meisterkillern (sehr unwahrscheinlich), die sich hier sogar zum psychopathischen Paarlauf treffen. Verquickt mit persönlicher Betroffenheit (Freemans Nichte ist eins der entführten Opfer) kommt auch der richtige Druck zustande, um die Handlung ordentlich voranzutreiben.
Freeman steht dann auch wie die deutsche Eiche im Sturm, knallhart und menschelnd zugleich, während der Part für die jüngere Generation (oder die Frauen unter den Kinogängern) von Ashley Judd übernommen wird, die als jüngstes Opfer entkommen kann und sich fortan an der Jagd beteiligt.
Judd kann jedoch kaum wirkliches Profil entwickeln, dafür ist sie (noch) eine zu beliebige Schauspielerin mit Durchzugsgesicht, hübsch, aber kaum Eindruck machend. Immerhin entledigt sie sich der Opferrolle recht routiniert.
In den Nebenrollen wird jedoch hübsch der bekannte Gesichterreigen durchgezogen. Während man sich noch wundert, warum dem Schleimekel Cary Elwes zwar die dritte Nennung im Cast gegeben wird, obwohl er relativ wenig zu tun hat, muß Roma Maffia schon wieder eine Pathologin spielen, Jeremy Piven einen skurilen Polizisten und unser alter Spezi Brian Cox mimt den Polizeichef. Auch schön ist das Wiedersehen mit Jay O.Sanders, auch so ein Idealtyp für den FBI-Beamten.
Nicht so gut meint es jedoch die deutsche Synchro mit uns, die nämlich dem Killer "Casanova" ohne größere Verfremdungen die Stimme einer hier teilnehmenden Figur gibt, so daß der Showdown-Gag wohl kaum überraschend kommt. Vorher gibt es aber eine stimmige Killerjagd in bester "Silence"-Manier, die recht abwechslungsreich ein paar flotte Wendungen nimmt und sich nie mit größeren Löchern aufhält, sondern bemüht ist, stringend den Spannungsfaden gespannt zu halten. Da fällt es dann gar nicht so unangenehm auf, daß hier die Logik oftmals Umwege fahren muß, um die Aufklärung nicht rascher zu gestalten und die Decouvrierung des Täters samt seines Motivs mehr als vage bleibt. (7/10)