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Als Wes Craven mit "Scream" im Jahre 1996 eine unerwartete Welle von Slashermovies lostrat, ahnte er sicher nicht, dass er damit ungewollt auch eine weitere Welle von Filmen lostrat: Die "Spoof Movies". Jene Filme, die sich auf das Verarschen von erfolgreichen Filmen aller Art spezialisiert hat. Billig runtergekurbelt, spielen die günstig produzierten Filme trotz einer vernichtenden Kritik nach der Anderen immer noch immens viel Kohle ein. Doch wenn es überhaupt Filme dieser Gattung gibt, die heute noch einigermaßen überzeugen können, dann sind das wohl die Filme der originalen "Scary Movie"-Reihe. Teil 1 war damals der absolute Brüller und auch Teil 2 konnte noch überzeugen, wenngleich dieser schon sehr tief in die Fäkalhumorkiste griff. Teil 3 und 4, unter der Regie von Comedy-Veteran David Zucker, waren noch solide Kost. Also war es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch die Originalreihe wieder einmal aus dem Grab erhebt und die aktuellen Filmblockbuster durch den Kakao zieht. Und, oh Wunder, es funktioniert immer noch ... so einigermaßen.

In "Scary Movie 5" ist Anna Faris, welche die Hauptfigur Cindy in den Vorgängerfilmen spielte, nicht mehr dabei. Anscheinend ist selbst für Faris, die sich immer noch durch Gurken wie "Movie 43" oder "Der perfekte Ex" quälen muss, die Spoof Movie-Sparte nicht mehr das Wahre. Also dürfen diesmal Ashley Tisdale und Simon Rex, welcher auch schon in den beiden direkten Vorgängern mitgemacht hat, die Hauptrollen übernehmen. Sie spielen ein Pärchen, das zwei verwaiste Mädchen aus einer Hütte im Wald aufnimmt und es dadurch nicht nur mit ihrer geisterhaften Mama zu tun bekommen, sondern auch so allerhand paranormalen Aktivitäten ausgesetzt sind. Mehr gibt es zur Story nicht zu sagen, denn sie ist, wie immer in diesen Filmen, nicht wirklich der Rede wert und bloß als Aufhänger für eine ganze Reihe an Verballhornungen und Parodien auf aktuell angesagte Kinofilme zu gebrauchen.

In Sachen Aktualität, das muss man den Machern einfach lassen, hat es "Scary Movie 5" überraschend in sich: Eines der beiden Hauptopfer dieses Films ist "Mama", der spanische Gruseltrip aus der Schmiede von Guillermo des Toro, welcher hierzulande gerade in den Kinos angelaufen ist. Punktuell seziert "Scary Movie 5" die Anfangssequenz sowie die wichtigsten und packendsten Momente des Streifens, so dass man als Kenner ebenjenen Films doch so einige Flashbacks bekommt. Desweiteren ist auch "Paranormal Activity" dran, welcher zwar nicht mehr zu den neuesten Filmen gehört und erst vor kurzen in "Ghost Movie" auseinander genommen wurde, hier aber ebenfalls ordentlich und recht passend sein Fett weg bekommt. Mit der Parodie auf den in den USA lediglich eine Woche früher angelaufenen und bei uns erst später anlaufenden "Evil Dead" ist er seiner Zeit sogar fast etwas voraus, wenn gleich man bedenken sollte, dass es sich bei "Evil Dead" letztlich um ein Remake handelt.

Letztlich ist aber gerade die Detailgenauigkeit und das Spiel mit den Klischees die Stärke der "Scary Movie"-Reihe. Wo "Date Movie" und Konsorten schon in den Anfangsminuten versagen, gelingt es "Scary Movie 5", die einzelnen Genres und Eigenschaften der Filme zu einem funktionierenden Filmbrei zusammen zu mixen. Sei es der visuelle Stil eines "Black Swans", die Überwachungskameraperspektiven aus "Paranormal Activity" oder die hässliche Hütte aus "Cabin in the Woods" und "Evil Dead". Man merkt einfach, dass sich die Macher des Films mit ihren "Opfern" beschäftigt haben und nicht nur plump drauf los albern. Und das kann man "Scary Movie 5" ebenso wie dem Rest der Reihe durchaus anrechnen.

Beim Humor allerdings, und das macht bei einer Komödie nun doch am meisten aus, scheiden sich die Geister. "Gross Out"-Humor ist auch hier von vorn bis hinten angesagt, und so sind Affen, die ihre Kacke durch die Gegend werfen, Witze über Dicke und Behinderte, sowie Pippi- und Kotzwitze an der Tagesordnung. Zwar kann man das Argument anbringen, dass es die "Scary Movie"-Filme doch schon immer auf diese Art von Witzen angelegt haben und der Film wenigstens nicht verlogen versucht, dreckigen Humor unter einer sauberen Weste zu vertreiben, doch irgendwann ist einfach auch der letzte "Kacka"-Witz ausgelutscht. Humorperlen sind jedenfalls mit der Lupe zu suchen und immer dann zu finden, wenn der Film nicht an seinen beiden Hauptopfern herumdoktort. Die Parodie auf "Inception" und dem dort durchaus übertriebenen Musikeinsatz von Hans Zimmers Score ist fraglos einer der Höhepunkte des ganzen Films. Auch die Anfangssequenz, in der sich Charlie Sheen und Lindsay Lohan derb durch die eigene Soße ziehen, birgt so manch großen Lacher. Ansonsten aber regiert eher Schmunzelware bis hin zu einigen arg derben Fremdschäm-Momenten, wie der Schwanentanz-Szene mit einer Gebärenden, welche man schon aus dem Trailer kennt (nur hier noch um einiges ekliger) oder der Sexszene einer dicken Haushälterin mit einem Haushaltsgerät. Ein auf und ab in Sachen derber Klamauk, zwischen einigen wenigen Highlights und so manch absoluten Tiefpunkten.

In puncto Darsteller ist die Riege bunt gemischt mit allerhand B-Prominenz. Anne Faris ist, wie bereits erwähnt, nicht mehr dabei, dafür machen Simon Rex und Ashley Tisdale in ihren Blödelrollen doch eine ganz ordentliche Figur. Desweiteren mischen unter anderem Snoop Dogg und Jerry O'Connell kurz mit, inklusive Charlie Sheen und Lindsay Lohan, welche aber schon vor dem Titel den Löffel abgeben. Die beiden als Werbeaushang für den ganzen Film zu nutzen ist fast schon ein wenig dreist.

Unterm Strich ist "Scary Movie 5" somit ein Höhenflug unter den ganzen "Spoof Movies" der letzten Tage, aber noch lange kein guter Film. Die Aktualität der parodierten Filme, die Detailverliebtheit, sowie das Spiel mit den filmischen Klischees aller Art darf man als gelungenen Punkt abhaken. Der derbe Humor, welcher zwischen einigen richtigen Brüllern, mancher Schmunzelware und dem nicht gerade selten vorkommenden Griff ins Klo hin und her pendelt, ist und bleibt aber Geschmackssache. Wer sich an dem mittlerweile doch arg abgegriffenen Genre immer noch erfreuen kann, der darf gerne mal vorbeischauen. Ein Highlight des abgenutzten Genres, aber sicher kein Kino-Highlight für 2013.

Wertung: 5,5/10 Punkte

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