Driving Home For Deadmas
Lucio Fulcis letzter Film. Kein Kino. Kein Splatter. Keine Zombies. Keine Verbote. Keine (damals aktuellen) Stars. Kein Erfolg. Keinen interessiert's? Falsch. Spätestens in den letzten zehn Jahren, wo nicht nur Fulcis Früh- und Hauptwerk immer größere Beachtung und Analysen finden, stoßt man sich langsam auch zu dessen finaler Phase und Spätwerk durch. „Door Into Silence“ ist sogar seine offiziell letzte Regiearbeit und gehört natürlich genauer betrachtet und wertgeschätzt - erst recht, weil das Thema des Films so unfassbar persönlich und intim zu Fulci passt, von seiner Krankheit gezeichnet und quasi ein „Dead Man Directing“. Erzählt wird in diesem Mysteryroadtrip in der Tradition von „Carnival of Souls“ von einem reichen Mann, der anfangs einer Beerdigung beiwohnt und sich dann auf eine Autofahrt durch Louisiana begibt. Dabei fällt ihm immer wieder ein seltsamer Leichenwagen auf, die Sonne scheint sich kaum vom Fleck zu bewegen und eine mysteriöse Frau in weiß bittet ihn verführerisch um ein Date…
Per Anhalter durch die Abstraktsis
„Door Into Silence“ ist kein allzu spannender Film. Kein hübscher Film. Und sicher auch für halbwegs standfeste Genrefans kein überraschender. Brutal oder fulci nahe null. Und allzu wichtig im Gesamtkontext des Genres oder der Filmgeschichte auch nicht. Und dennoch ist er für Fans von Fulci ein Pflichtguck. Weil er spiegelt, wie sich der zu dem Zeitpunkt gesundheitlich mehr als runtergerockte Regisseur auf den Tod vorbereitete. Weil er sehr atmosphärisch, fast sphärisch daherkommt. Weil er John Savage („The Deer Hunter“) nochmal einen großen Auftritt spendiert, selbst wenn dieser hier manchmal eher wie Harald Schmidt aussieht. Und weil es erstaunlich ist, wie ernst und naiv gleichermaßen Fulci selbst auf der Zielgeraden Filme inszeniert. Bei denen jeder (außer der Protagonist) den „Twist“ von Weitem kommen sieht, bei dem eine der simpelsten und ursprünglichsten Genregeschichten erzählt werden, die es gibt, als ob sie noch nie jemand erblickt oder erdacht hätte. Das ist kindlich, das ist naiv, das ist süß. Und das kurz vor dem Tod. Klasse! Ich hatte glaube ich mal gelesen, Fulci hätte man zumindest beim Score reingepfuscht, er wollte etwas wesentlich Jazzigeres. Meine gesehene Version hatte durchaus viele jazzige und smoothe Soundelemente. Vielleicht bringe ich da aber auch etwas durcheinander. Manchmal musste ich checken, ob mein Stream sich nicht aufgehangen hat, dermaßen melancholisch-langsam und eher wie in den späten 70ern rollt dieser statische Schauer über die Straßen und durch das Hinterland im Abendrot. Immerhin passt die Landschaft von Louisiana sehr gut zu einer Geistergeschichte. Und insgesamt entsteht trotz aller Trägheit keine Langeweile. Bei mir zumindest nicht. Ganz einfach weil Fulci einer meiner Liebsten war und immer sein wird. Was für ein genialer Kauz.
Fazit: sehr gemächlicher und traumgleicher Abschied eines der ganz großen Genre- und Gorekönige - selbst wenn dieser jenseitige Roadtrip eigentlich nur eine ausgewalzte Twilight Zone-Folge ist und rein gar kein Tropfen Blut in ihm vorkommt, sollte gerade in Verbindung mit Fulcis darauffolgendem Tod dieser gemächliche „Abschied“ dennoch gesucht und gefunden werden!