Nachdem sechs Menschen, darunter ein kürzlich entlassener Cop, tot aufgefunden werden übernehmen der eitle Polizist Jack, gespielt von Kevin Spacey, der jähzornige Bud, gespielt von Russel Crowe, und der karierefixierte Ed, gespielt von Guy Pearce, den Fall und finden direkt ein paar verdächtige Afroamerikaner, die bei einem Fluchtversuch erschossen werden. Die drei Polizisten, die sich gegenseitig nicht sonderlich gut leiden können, geben sich jedoch nicht mit diesem Ergebnis zufrieden und ermitteln weiter, bis sie schließlich auf einen verdächtigen Zuhälter, gespielt von David Strathairn, stoßen und schließlich sogar Verbindungen zu Regierungskreisen finden.
Während Action-Thriller zunehmend action-reicher und hirnloser werden und die wenigen guten Thriller eher im Psycho- und Mystery-Bereich anzusiedeln sind, wie "The Sixth Sense" oder "Fight Club", wurde es endlich noch einmal Zeit, bis ein Thriller erscheint, der mit Klassikern wie "Der Pate" oder "Chinatown" mithalten kann und dies ist mit "L.A. Confidential" das erste Mal seit langem wieder geglückt und wenn er nicht im selben Jahr wie "Titanic" erschienen wäre, wäre er bestimmt mit wesentlich mehr als 2 Oscars honoriert worden. Die Story ist dabei genial, vielschichtig und verschachtelt. Die drei Polizisten sind hervorragend und komplett verschieden konstruiert und damit wird ein Blick auf die Polizei im Los Angeles der Nachkriegszeit geworfen. Auch ansonsten gelingt die Milieustudie hervorragend, da Verbrechen, Gewalt, Prostitution und Korruption im Regierungs-Apparat und innerhalb der Polizei hervorragend aufgezeigt werden. Neben diesen vielschichtigen Einblicken in das Nachkriegs-L.A. ist die eigentliche Handlung ebenfalls sehr gut gelungen. Mit unvorhersehbaren Wendungen, die sich jeglichen Stereotypen entziehen wird der Zuschauer gleich mehrfach auf falsche Fährten gelockt und vor allem das Finale ist unvorhersehbar und spannend. Wer, so wie ich, den Roman von James Ellroy "Stadt der Teufel" nicht gelesen hat, findet sich nur schwer in dem Geschehen zu Recht, da es einfach zu viele Handlungsstränge gibt und zu viele verschiedene Personen und das ganze sehr komplex zusammenläuft. Positiv ist sicherlich, dass man auch beim x-ten Ansehen des Films noch neue Zusammenhänge erkennt, negativ ist, dass man sich wirklich nur ganz schlecht zu Recht findet, da es keinen Haupthandlungsstrang gibt, an dem man sich orientieren könnte. Wie diese einzelnen Handlungsstränge schließlich beim Finale zusammenlaufen ist perfekt und überraschend und damit ist dies sicherlich eines der besten Drehbücher aller Zeiten.
Curtis Hanson schrieb den Roman zum Drehbuch um, produzierte selbst und führte Regie, übernahm das Mammut-Projekt "L.A. Confidential" also mehr oder weniger im Alleingang und, nachdem er mit "Am wilden Fluss", "Die Hand an der Wiege" und "Todfreunde" soliden Einheitsbrei lieferte, gelingt ihm die Inszenierung bei "L.A. Confidential" hervorragend. Mit der stilvollen Inszenierung von Hanson ist "L.A. Confidential" schon jetzt ein Klassiker und einer der besten Filme aller Zeiten. Von der hervorragenden Kulisse, die die geniale Milieustudie noch einmal untermalt, bis hin zur ruhigen und nostalgischen Filmmusik von Jerry Goldsmith, der schon bei "Chinatown" und "Basic Instinkt" ganze Arbeit leistet versprüht der Film die ganze Zeit über Stil und Charme und ist damit das wohl beste Neo-Noir überhaupt. Darüber hinaus setzt er seinen spektakulären Cast perfekt in Szene. Das Erzähltempo hält Hanson die ganze Zeit über ziemlich hoch und baut damit permanent Spannung auf, auch wenn man beim ersten Ansehen vielleicht noch nicht jede Nebenhandlung direkt durchschaut. Darüber hinaus baut er auch Dramatik auf und entlädt beides im hervorragenden Finale, das auch nach dem Film Stoff zum Nachdenken gibt. Mit einer tollen Ausstattung, ein paar gelungenen Action-Szenen und einer starken finalen Schießerei, die darüber hinaus ziemlich brutal geworden ist und einem Hauch von Erotik rundet Hanson sein Werk ab und damit gelingt ihm eine Inszenierung, die kaum virtuoser sein könnte. Schade, dass er mit "Die Wonderboys", "In den Schuhen meiner Schwester" und "8 mile" anschließend ausschließlich Durchschnittsware lieferte.
Allein beim Durchlesen dieses sensationellen Casts läuft einem doch schon das Wasser im Mund zusammen und das absolut zu Recht. Kevin Spacey, der mit "Sieben" und "Die üblichen Verdächtigen" bereits in zwei der besten Thriller aller Zeiten zu sehen war und den Oscar gewinnen konnte, präsentiert sich stark wie eh und je und stellt nach seiner Rolle als Gangster-Boss und als Psychopath einmal mehr seine Vielseitigkeit unter Beweis, spielt die Rolle des eitlen Polizisten hervorragend und besticht einmal mehr durch seine überragende Mimik und seinen trockenen Humor und in diesem Fall durch seine hintertriebene und aalglatte Art. Russell Crowe, der zuvor in "Virtuosity" und später in seiner Paraderolle in "Gladiator" unter Beweis stellt, dass ihm solche knallharten Rollen liegen, brilliert mal wieder als Hitzkopf und zeigt neben seiner jähzornigen Art in den Liebes-Szenen, dass er auch emotionale Momente meistern kann. Guy Pearce macht sich als glatter Karriere-Cop ebenfalls sehr gut, zeigt aber in den Action-Szenen, dass er auch den harten Mann markieren kann. James Cromwell, der eigentlich immer irgendwelche Führungsrollen, wie den Präsidenten in "Der Anschlag" oder einen Gefängnisdirektor in "Spiel ohne Regeln" und "The Green Mile" spielen darf, macht sich als Polizeichef ganz gut genauso, wie Danny DeVito, der mit seiner hektischen und verschlagenen Art geradezu prädestiniert für die Rolle des Enthüllungsreporters ist. Kim Basinger, die schon des Öfteren zeigte, dass ihr Talent eher begrenzt ist, bringt die definitiv beste Leistung ihrer Karriere und liefert als Edel-Prostituierte eine emotionale und erotische Vorstellung ab und bekam folgerichtig den Oscar als beste Nebendarstellerin und auch David Strathairn, der ihren Zuhälter spielt, überzeugt mit seiner unsympathischen und leicht skurrilen Art voll und ganz.
Fazit:
Mit einem der besten und namenhaftesten Casts aller Zeiten, in dem vor allem Kevin Spacey, Russel Crowe und Kim Basinger brillieren können und einer hervorragenden Story, die mehrere Handlungsstränge perfekt zusammenlaufen lässt und damit eine gelungene Milieustudie von Los Angeles darstellt ist "L.A. Confidential" einer der besten Thriller aller Zeiten, zumal auch die stilvolle Inszenierung von Curtis Hanson nahezu perfekt gelungen ist. Leider fällt es sehr schwer, sich in dem Gewirr aus Prostitution und Korruption zu Recht zu finden, wenn man den Roman nicht gelesen hat, aber spannend wird es zum Ende hin dennoch.
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