Review

„Blood Work“ ist ein ruhiger Spätfilm von und mit Clint Eastwood, dieses Mal sogar aus der Feder von Brian Helgeland („L.A. Confidential“, „Assassins“).
Terry McCaleb (Clint Eastwood) ist der Star unter den Profilern des FBI, doch sein neuster Fall, die Jagd auf einen Serienkiller, bringt ihn an den Rand der Verzweiflung. Durch einen glücklichen Zufall kann er den Täter jedoch entdecken, verfolgen und niederschießen – doch dabei erleidet er selbst einen Herzanfall. Es ist schön, wie sich Eastwood in seinem neuen Filmen mit seinem fortschreitenden Alter auseinandersetzt – wenn auch bisher noch nie so gut wie in „In the Line of Fire“.
Zwei Jahre später erhält Terry ein neues Herz, doch kurz darauf steht die Schwester der ’Vorbesitzerin’ seiner Pumpe auf der Matte. Ihre Schwester wurde bei einem Raubüberfall getötet und nachdem sie herausgefunden hat, dass es ausgerechnet an Terry gespendet wurde, soll er die Sache untersuchen. Terry zeigt sich bockig, aber er nimmt doch. Denn schließlich fühlt er sich verpflichtet, schließlich ist er ein alter Wolf auf der Suche nach fordernder Beschäftigung und schließlich wird er ja auch von Clint Eastwood gespielt.

Zwar gerät Terry in leichten Stress mit den Behörden, die den rüstigen Rentner nicht in ihren Ermittlungen rumfuckeln sehen wollen, doch letzten Endes gestattet man Terrys private Ermittlungen. Dieser stößt bald auf Hinweise, dass mehr hinter dem Raubüberfall stecken könnte…
Die späten Werke Eastwoods zeichnen sich ja durch wenige, meist wohl dosierte Action aus und da bildet auch „Blood Work“ keine Ausnahme, doch gegen Ende gibt es doch ein überraschend fetziges Feuergefecht zu sehen, bei dem der Fiesling ein M16 schwingt. Ansonsten gibt es noch ein paar kurze Actionmomente, doch mit „Rookie“, „Agenten sterben einsam“ oder „Dirty Harry“ kann man die Menge keinesfalls gleichsetzen, auch wenn es etwas mehr rundgeht als bei „Absolute Power“.
Zentrales Element ist jedoch die Killerjagd, der man das Geschick von Drehbuchautor Helgeland deutlich anmerkt. Stets kann die Story ein paar überraschende, aber stets glaubwürdige und nachvollziehbare Twists aus dem Ärmel schütteln und bis zum Ende bleibt die Frage nach den Hintergründen der Tat spannend. Sicherlich ist „Blood Work“ eher gemächlich erzählt und gegen Ende wird das Motiv des Täters nicht so ganz geklärt (der Drang zum Morden scheint mal wieder aus reiner Geisteskrankheit geboren zu sein), doch stimmungsvoll und spannend ist „Blood Work“ trotzdem.

Zwischendurch gönnt sich Mr. Eastwood mal wieder ruhige Momente. Die Liebesgeschichte zwischen ihm und einer viel jüngeren Frau ist zwar unnötig und weniger glaubwürdig als seine Romanze in „In the Line of Fire“, doch ansonsten sind die emotionalen Szenen meist recht stark. Vor allem wenn es darum geht, ob Terry mit seinem Alter wirklich zurechtkommt oder Terry merken muss, dass hinter Mordopfern auch immer leidende Familien stehen für die das ganze mehr als nur ein Fall ist.
Doch letzten Endes macht „Blood Work“ ist erster Linie Laune, weil Clint Eastwood mal wieder großartig ist. Wunderbar spielt er den gealterten Ermittlern, der auf das Taxi oder Freunde angewiesen ist, um von A nach B zu kommen, und der in ständiger Furcht vor Herzversagen leben muss. Jeff Daniels macht seine Rolle als lurfiger Nachbar ganz ordentlich und Anjelica Huston hat eine gelungene Nebenrolle als Terrys Ärztin.

Unterm Strich bleibt ein gemächlich erzählter Thriller mit einigen Längen und wenig Action, der aber dank überraschender Wendungen und einem großartigen Clint Eastwood dennoch gut unterhalten kann.

Details
Ähnliche Filme