Eröffnungsfilm des 37th Hong Kong International Film Festival; nach The Legend is Born – Ip Man [ 2010 ] vom selben Drehteam eine weitere Erzählung über das Leben und Schaffen von Yip Man, die diesmal nicht den Weg der Vorgeschichte, sondern wie ehedem auch bei der Konkurrenz geplant die der späten Jahre formuliert. Während der einstmals für längere Zeit angekündigte Dritte Teil der ursprünglichen Reihe von Wilson Yip und Donnie Yen erst wegen Schwierigkeiten der Finanzierung, dann Uneinigkeit über die Wahl des Regisseurs als auch Terminschwierigkeiten mit dem Hauptdarsteller nunmehr auf Eis gelegt ist, erfreute sich das hiesige Produkt zwar weit weniger Aufmerksamkeit in den Medien, aber durchweg Zuspruch seitens von Publikum und Kritikern und stellt sich als durchaus selbstbewusste, eigenständige Fabula dar. Wie auch im Vorgänger wurde dabei Kintopp und die altmodische Variante eines Martial Arts Filmes als solventes Mittel zum Erfolg, nunmehr aber wesentlich mehr auf das Drama und (proklamiert) mehr Authentizität hin bedacht gewählt:
Als nach den Erlebnissen in Foshan der Mittfünfziger Yip Man [ Anthony Wong, der seit Jahren das Tai Shing Pek Kwar praktiziert ] um 1949 herum allein in Hong Kong angekommen ist, startet er mit Hilfe des Gewerkschafters Leung Sheung [ Timmy Hung ] eine kleine Schule auf der Dachterasse seines Mietshauses, wo er nach und nach die Schüler Chan Sei-mui [ Gillian Chung ], eine Kellnerin, den Polizisten Tang Sing [ Jordan Chan ], die Aktivistin Lee King [ Jiang Luxia ] und den Gefängniswärter Wong Tung [ Marvel Chow ] als Zöglinge und erweiterte Familie gewinnt. Die neue Umgebung und die veränderten Zeiten lassen jedoch auch die Ehe auf Entfernung mit seiner Frau Cheung Wing-sing [ Anita Yuen ] erkalten, wodurch in der Sängerin Jenny [ Zhou Chuchu ] Hoffnung auf ein gemeinsames Leben mit dem angesehenen Lehrmeister erglimmt. Auch neue Feinde lassen nicht lange auf sich warten, erst steht die Herausforderung durch die konkurrierende White Crane School, geführt von Ng Chung [ Eric Tsang, ehemals Stuntman unter Lau Kar-leung ] und bald auch blutige Auseinandersetzungen mit dem Tyrannen der 'Walled City', dem skrupellosen Local Dragon [ Xiong Xin-xin ] und seinem Kämpfer und Handlanger Ngai Pa-tin [ Ken Lo ] an.
Offiziell mit Zuspruch der Familie, allen voran wieder der Beteiligung und dem Gastauftritt von Sohn Yip Chun gesegnet und produktionstechnisch mit der stabilen Emperor Motion Pictures im Hintergrund gestützt, hat sich das Werk anders als noch der Vorgänger von vornherein vom Nimbus des Trittbrettfahrers entledigt. Überhaupt hat man Wert auf Selbstbewusstsein, Achtungszeichen und entsprechenden Auftreten gelegt, was sich zuallererst in der Ausstattung nach außen hin und der Innendekoration zeigt und so auch durchgängig demonstrierend verselbständigt. Straßenzüge wurden aufgebaut bzw. zur frühen Ära hin verändert, gleich in der Eröffnung quasi per Kamera (und Tricktechnik) in die vergangene Zeit und sein Leben hinein gefahren und dort sein eigener nationaler Stolz gewählt; obwohl oder auch gerade wenn mancherlei Szenerie wie die Dachterrasse mit Begrünung über der Stadt als erster Anlaufpunkt einer Trainings- und Schulzentrale durchaus an das im Grunde gleiche Setting wie Ip Man 2 (2010) erinnern.
Überhaupt spielt die Erinnerung und damit auch die Reminiszenz, die Retrospektive und die Verklärung eine gewichtige Rolle im dramaturgischen Konstrukt, wird offensichtlich mit den Andenken auch an schwierige, aber irgendwie eben doch bessere Zeiten als das Hier und Jetzt gastiert. In seiner farblich satten Gestaltung, der spürbaren Kostümierung der Darsteller, die immer wie als Verkörperung einer Rolle wirken, und auch der inszenatorischen Präsentation, die vor lauter Kamerafahrten und Draufsichten gerade anfänglich über lange Zeit als eine Abfolge von establing shots wirkt, agiert der Film als schon willkommenes, vielleicht etwas zu künstliches und aufgepflanztes Matinee. Was an sich nicht weiter tragisch ist, aber die einhelligen Lobeshymnen nicht zur Gänze erklären lässt.
Die Handlung selber speist sich aus der Biographie, die auch im voice over mehrerer Beteiligter wie dem des Sohnes und dem des ersten Kontaktes im Film und sprachführenden Schülers Leung Sheung kommentiert wird, sowie aus dem des Genres und seiner Schüler-Lehrer-Zutaten und dem Kampf verschiedener Stile und Schulen. Ein mehr als beliebtes Sujet, dass nicht nur in den Hunderten und Tausenden von Martial Arts Filmen (vermehrt) seit den frühen Siebzigern zum Tragen kam, sondern heutzutage immer noch als bewährtes Fundament und Hommage zugleich gewählt wird und in dieser Funktion auch hier die Basis und die der vergleichsweise relativ wenigen, dann aber in der Form schon abgerundeten Kampfszenen unterschiedlichster Prägung stemmt. Hier und da ein Zweikampf, dann traditionelles Schaulaufen im Löwentanz, wobei der Wettbewerb zu Ernst ausartet und final zwecksetzend der aggressive, streitsüchtigere Showdown im Einzel- und im Massenformat; jeweils vom neuen Choreographen Nicky Li und Ideengeber, Produzent und Presenter Checkley Sin angenehm robust und liquide zugleich für die Aufnahmen umgesetzt. Dazwischen wird die Moralität und die Sittlichkeit und Sinnlichkeit der zugrundeliegenden Haltung des Kampfkunststils Wing Chun speziell und der Prinzipien des Kung Fu und seiner Kunst- und Handfertigkeit überhaupt angesprochen, was sich an mehreren Beispielen der Schüler verzweigt und so weiteres materielles Gerüst stellt.
So richtig interessieren tun die Nebenschauplätze allerdings nicht, einzig die Daseinsform des Polizisten und sein Widerstreit mit Ehre und Gewissen angesichts schlechter Ökonomie, der Herrschaft der Briten und der schon von Berufs her entscheidenden Gehorsamsfunktion stellt prägnantere Momente und auch Einflüsse für den Vorgang dar. Sowieso ist vieles gut gemeint und angelegt – die Besetzungsriege ein Who's Who an Jung und Alt, wie auch bei Herman Yaus Woman Knight of Mirror Lake [ 2011 ] wird Richtung kleineres Epos mit historischen Faible orientiert, dazu Referenzen an die filmische Gattungsgeschichte –, nur nicht immer erfolgreich dynamisiert.