Die Gier des Kier
Nachdem Kunstlegende Warhol schon im Jahr zuvor mit „Frankenstein“ einen (durch 3D im wahrsten Sinne des Wortes!) herausstechenden Erfolg mit klassischem Horrorstoff im Kino verbuchen konnte und zudem super Erfahrungen mit Udo Kier (damals Neuling!) machte, scheinbar eine Freundschaft aufbaute, schob er schnell seine Version von „Dracula“ nach - wo der rumänische Adelige und Blutsauger nach Italien reist, da dort durch den katholischen Glauben noch wesentlich mehr Jungfrauen rumlaufen (sollen) und deren Blut wird kurz vor seinem durstigen Exitus dringend benötigt…
Steif und reif
Biber, Bisse und Brechreiz… „Andy Warhols Dracula“ ist ikonisch! Die nackten Mädels, die gotische Architektur Italiens, Kiers stocksteife und doch so passende Art, die skurrilen Nebenfiguren. Sex, Nacktheit, Splattereien, Style. Alles am Start. Es ist ein Fest, das mich fest in seinem Bann hatte. Und immer auf der Tanzfläche oder am Tresen oder am Buffet. Das Blut ist rot wie ein Ferrari. Kiers Augen ploppen bald heraus. Meine auch teils. Seine Gurgel schäumt förmlich über mit Lebenssaft. Seine Lenden gieren nach jungen Becken. Ein pompöses Geflecht aus Erotik, Verlangen und dem spektakulären Abhacken von Extremitäten. Kalt und nie alt. Einer der radialsten Draculas - und nichts Anderes hatte ich von dem Team erwartet! Jede Länge, jeder Leerlauf, jede freie Fläche wird dann doch irgendwie gefüllt mit Scham(losigkeit), der Kritik an der inzestuösen Oberschicht oder theatralischen Performances, üppigen Bauten oder eben unfassbar attraktiven Damen ohne etwas an. Klasse. Bettsport und Blutorgie.
Cunnilingi Speciali
Fazit: sexy, morbide, blutig und unterkühlt… „Warhols Dracula“ ist eine der speziellsten, abstoßenderen und gleichzeitig verführerischsten Versionen des Fürsten der Dunkelheit. Und Kier ist auf seine eigene Art genial und kultig - ich musste nahezu bei jedem seiner Sätze lachen! Und das meine ich komplett anständig und positiv. Selbst wenn insgesamt alles ein ganzes Stück langsamer und stilvoller ist als in Warhols comichaftem und bizarrem „Frankenstein“. Passt aber zu Blutdurst, Kinky Italia, Adelsschmodder und Jungfrauensuche. Sollte man mindestens einmal im Leben gesehen haben!