Wer erinnert sich nicht an das Ende des „Planet der Affen"-Originals, als Charlton Heston am Strand die Reste der Freiheitsstatue findet und damit den Film in einem komplett anderen Licht erscheinen lässt. Seither hat sich das Science Fiction-Genre häufig des Kniffs bedient, halb verfallene bzw. verschüttete ikonographische Wahrzeichen (New York City blieb dabei die beliebteste Fundgrube) zu zeigen, um eine bedrückende Endzeitatmosphäre zu erschaffen.
Inzwischen hat das Apocalypse-Kino nach einer längeren Durstrecke in den 1980er und 1990er Jahren wieder gehörig Fahrt aufgenommen. Das mag einerseits ein Zeitgeistphänomen sein, ist andererseits aber sicher zu großen Teilen der immer besser werdenden Computertechnik geschuldet, für die es kaum mehr Grenzen des Darstellbaren gibt. Auch Regisseur Joseph Kosinski hatte ein dementsprechendes Script (ein Destillat seiner eigenen Graphic Novel) in der Schublade, aber erst der Erfolg mit dem späten TRON-Sequel verschaffte ihm die entscheidenden Argumente gegenüber der Produzentenseite.
„Oblivion" verspricht zunächst einmal eine frische Brise am doch inzwischen durch Redundanz reichlich verhangenen Endzeitkino-Himmel. Jack Harper (Tom Cruise) ist zugleich hoch spezialisierter Handwerker und bestens ausgebildeter Wachmann. Mit seiner Sekretärin Vica (Andrea Riseborough) überwacht er von einer über den Wolken schwebenden Kommandostation aus ganz allein die Ausbeutung der letzten Ressourcen der von der Menschheit längst verlassenen Erde. Er repariert im permanenten Wechsel die empfindlichen technischen Apparaturen sowie die für deren Sicherheit umherfliegenden Drohnen. Der Job ist alles andere als ungefährlich, haben sich doch die für die Zerstörung der Erde verantwortlichen Außerirdischen zu einem Guerillakrieg gegen die aus dem All gesteuerte Energiegewinnung entschlossen. Darüber hinaus plagen Jack seltsame Träume aus der Zeit vor der Apocalypse. Als die darin vorkommende Frau (Olga Kurylenko) mit einem Raumschiff abstürzt, kommen Harper erste Zweifel an der Realität seines Daseins ...
Diese durchaus originelle auch spannende Story-Prämisse hält leider nicht was sie verspricht. Spätestens ab der Filmmitte mündet die Erzählung in ein 08/15-Szenario der schon hundertfach gesehenen Art und bedient sich dabei fröhlich und ausgiebig bei zahlreichen Genre-Kollegen. Zar gibt es den ein oder anderen Twist zu vermelden, doch fallen diese entweder völlig vorhersehbar (Kurylenkos Rolle, Rolle der Aliens), oder uninspiriert abgekupfert (Harpers finale Mission) aus.
Dass Kosinski mehr visueller Künstler den gewitzter Dramaturg ist, hatte sich schon bei „TRON: Legacy" angedeutet. „Oblivion" liefert nun die Bestätigung. Die erwähnten narrativen Schwächen werden zumindest zeitweise von einer phantastischen Optik zum Randproblem degradiert. Und das liegt überraschenderweise daran, dass man moderne Computertechnik eher spärlich eingesetzt und mehr auf gebaute Sets und reale Landschaften vertraut hat. Vor allem die vom „Northern Light" illuminierten Einöden Islands mit bis zu 23 Stunden Tageslicht erzeugen eine gleichermaßen anmutige wie bedrückende Atmosphäre, die mit dem Hintergrundwissen der Apocalypse eine sanfte Wucht entfaltet, von der man einfach beeindruckt sein muss. Insbesondere die Kombination vom Kino noch nicht tot bebildeter Landschaften mit den halb verschütteten Artefakten unserer Zivilisation ist definitiv ein visueller Genre-Höhepunkt.
Konsinscki drehte zudem mit der neuesten digitalen Kameratechnik in 4K-Auflösung, was zu einer bisher nie gesehenen Plastizität, Schärfe und Raumtiefe führt. Glücklicherweise hat er auf das unsägliche, für viele potentielle Blockbuster offenbar inzwischen obligatorische, 3D verzichtet, so dass die natürliche Helligkeit der Außendrehs ihre volle Wirkung entfalten kann.
Der SciFi-erfahrene Tom Cruise macht ebenfalls eine gute Figur und hält die doch reichlich zusammen geschustert wirkende Geschichte souverän zusammen. Da aus der eigentlich angelegten Dreieckskonstellation zwischen Cruise, Kurylenko und Riseborough dramaturgisch viel zu wenig Kapital geschlagen wird, muss er den Film letztlich ganz alleine tragen. Ohnehin wird die von Kosinski angeblich beabsichtigte Tiefsinnigkeit immer wieder von groß angelegten Actionszenen zurück gedrängt und auf diesem Terrain bewegt sich Cruise trotz seiner inzwischen 50 Lebensjahre immer noch absolut überzeugend.
Für das Gesamtprodukt gilt dies nur mit Einschränkungen. Den sprichwörtlichen Schlag in die Magengrube wie einst „Planet der Affen" vermag „Oblivion" nicht zu wiederholen, zu einfallslos und bieder ist letztlich das Drehbuch. Dennoch bleibt ein über weite Strecken unterhaltsamer Science Fiction-Film, der zudem auf visueller Ebene für zahlreiche Glanzlichter sorgt.
Joseph Kosinski aber deshalb jetzt schon schon in die DePalma-Schublade zu stecken, wäre unfair. Für eine diesbezügliche Endzeitstimmung ist der Mann noch zu jung und sein Oeuvre noch zu wenig umfangreich. Wenn er nur einen Bruchteil seines visuellen Pioniergeistes und Genies auch auf erzählerischer Ebene beweist, dann hat er ganz bestimmt eine lange und erfolgreiche Karriere vor sich. Düstere Zukunftsaussichten jedenfalls sehen anders aus.