Review
von Leimbacher-Mario
Die Erde ist die Wahrheit wert
In "Oblivion" spielt ein hervorragend aufgelegter Tom Cruise einen der letzten Menschen auf der Erde, der für die Reperatur von Dronen zuständig ist, denn nach einem großen Krieg mit Atomwaffen sind weite Teile unseres Planeten verseucht, der Mond ist zerstört und die aggressive Alienrasse, die uns angegriffen hat, ist auf der Flucht... Wirft man Versatzstücke der besten Sci-Fi-Action-Filme der letzten 40 Jahre in einen Mixer und drückt auf On, dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass dabei ein explosiver Cocktail herauskommt, der auf "Oblivion" hört. Doch gilt nicht: besser hübsch geklaut als hässlich selbst gemacht?
Egal wie seltsam Tom Cruise in seinem Privatleben wohl ist, selbst in oft recht beliebig wirkende Projekte wie "Oblivion" legt er alles rein. Er ist nicht nur professionell und verlässlich und cool, sondern schlicht einer der letzten echten Megastars des Films. Er hebt schlechte Filme höher. Und gute Filme macht er noch ein Stück besser. Selbst wenn es immer Variationen von sich selbst zu sein scheinen. "Oblivion" profitiert davon enorm und Cruise erdet das post-apokalyptische Szenario in jeder Sekunde, doppelt und dreifach. Zusammen mit den High-End-Spezialeffekten und einigen wirklich atemberaubenden Aufnahmen bildet er den Kern dieses teuren Blockbusters. Im eher belanglosen Rest erkennt man Versatzstücke von "Moon" bis "Terminator", von "Matrix" bis "Robocop", von "Passengers" bis "Independence Day". Ein bunter Mix aus allem, was in den letzten Jahrzehnten erfolgreich war oder gar Kult wurde. "Oblivion" erreicht diese Vorbilder nie ganz, kann sich oft auch nicht entscheiden, ob er nun Hirnlos-Action oder Sci-Fi-Philosoph sein will. Seinen Zielen und Ambitionen wird er selten gerecht, obwohl allein Cruise einen bei Laune hält und bindet, audiovisuell Kosinski als Regisseur wieder mal viele Register zieht. Für einen Toptitel reicht das nicht, für Überraschungen noch weniger, für zwei launige Stunden mit mäßig Eyecandy jedoch schon. Hätte ein intelligenter Zufallscomputer den Auftrag, einen Sci-Fi-Blockbuster aus der bisherigen Geschichte zusammen zu basteln, dann sähe er so aus.
Fazit: in "Oblivion" erkennen nicht nur Sci-Fi-Fans alle fünf Minuten Altbekanntes - doch derart hübsch verpackt und technisch exzellent aufbereitet wurde es selten. Mit Tom Cruise in solider Starform, die reicht um zu fesseln. Wächst mit jedem Meter, den die Leinwand größer wird.