Wer sich ernsthaft mit Umweltschutz und den ökologischen Folgen schmelzenden Polareises befasst, hat es schwer - erst recht, wenn die kürzlich mittels propagierter Umweltschutzthemen neu gewählte Regierung unter Beteiligung grüner Politiker eine Kehrtwende vollzieht und genauso weitermacht wie die abgewählte alte Regierung. Dies muß auch der Däne Rasmus Holm Jensen (Kim Bodnia) feststellen, der als Geologe Zugang zu diversen Meßdaten hat und ein bevorstehendes milliardenschweres Ölbohrprojekt bei Grönland äußerst kritisch beurteilt. Doch es ist bereits zu spät: Die Politik hat die Förderung beschlossen und als auch noch unvermittelt ein US-amerikanisches Unternehmen einsteigt, weiß Rasmus, daß dies in einer ökologischen Katastrophe enden wird.
Ebenfalls sehr kritisch wird diese Entwicklung in der Redaktion einer dänischen Tageszeitung gesehen, wo die auf Öko-Themen spezialisierte Journalistin Mia Moesgaard (Trine Dyrholm) in diversen Artikeln und Talkrunden den maßgeblichen, das "Öl-Quartett" genannten Politikern kritische Fragen stellt. Knackpunkt sind die prognostizierten Fördermengen, die bewußt viel zu niedrig angesetzt werden, um die Öffentlichkeit nicht zu sehr zu beunruhigen. Nichtsdestotrotz demonstrieren in Kopenhagen schon Tausende gegen die neue Politik.
Doch Rasmus möchte die Beschlüsse auf seine Art rückgängig machen: zunächst spielt er der Journalistin anonym entsprechende Dokumente zu, und als dies nichts fruchtet, greift der Hobby-Sportschütze zum Gewehr: einem der Politiker zerschießt er in dessen Gegenwart die Reifen als Warnung, bei einer anderen involvierten Frau muß deren Hund am hellichten Tag dran glauben. Doch inzwischen ist auch die Polizei auf den titelgebenden Skytten, den (Scharf-)Schützen, aufmerksam geworden...
Die dänische Produktion Skytten, ein Remake des 1977er The Marksman (in dem es um Atomwaffen in Dänemark ging) beschäftigt sich zunächst mit verlogenen Politikern, die entgegen ihrer Versprechungen zukünftige Umweltsünden vertuschen wollen, fokussiert dann aber zunehmend auf seine beiden Hauptdarsteller, die zwar beide am selben Strang ziehen, ihre Ziele aber mit völlig unterschiedlichen Mitteln zu erreichen versuchen. Während die terminlich stark geforderte Journalistin sachliche Argumente bevorzugt, hat der stille Rasmus längst beschlossen, mit (zunächst dezenter) Gewalt zu verhindern, was kaum aufzuhalten ist. So obliegt es Mia, den bärtigen Geologen daran zu hindern, weitere Schußattentate zu verüben - und das, obwohl die Polizei beide unter einer Decke vermutet.
Kim Bodnia (In China essen sie Hunde, Die Brücke – Transit in den Tod) spielt seinen Part gewohnt ruhig und zurückhaltend: er erkennt, was Politiker und Konzerne vorhaben und glaubt, sie unter Einsatz seines Lebens daran hindern zu müssen - im Gegensatz zu Trine Dyrholm, die in ihrer Rolle als zunehmend unter Druck geratende alleinstehende Journalistin stets auch zwischen persönlichem Engagement und beruflichem Ethos hin- und herspringen muß. Eigentlich hatte sie ein Kind aus der dritten Welt adoptieren wollen, aber den zwingend vorgeschriebenen Termin vor Ort sagt sie dann schweren Herzens doch ab, damit ihr die Geschehnisse in der Heimat nicht entgleiten. Mit Nikolaj Lie Kaas als stets smart auftretendem verlogenen Außenminister Thomas Borby ist ein weiteres bekanntes Gesicht mit an Bord, das den in kühlen Bildern routiniert abgedrehten skandinavischen Öko-Thriller sehenswert macht. Dabei kommt Skytten erfreulicherweise ohne Dogmatik, ohne erhobenen Zeigefinger aus, und nur in einer einzigen Szene fragt Mia ganz offen, ob die Tötung eines Menschen die Sache wert sei, worauf Rasmus mit der Gegenfrage kontert, ob nicht die beispielsweise in Bangladesch und anderenorts aufgrund des steigenden Meeresspiegels ertrinkenden Menschen es wert seien.
Doch trotz der Öko-Thematik bleibt Skytten dann dem Thriller-Genre treu und setzt vor allem in der letzten halben Stunde auf bewährte Krimi-Elemente, wenn sich das Geschehen zu einem Katz-und-Maus-Spiel zwischen Rasmus und der dänischen Anti-Terror-einheit entwickelt und auf ein dramatisches Finale zusteuert.
Fazit: ein kleiner, feiner Film über Umweltsünden, korrupte Politiker und die Grenzen persönlicher Anteilnahme und Verantwortung: 7 Punkte.