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Endlich schwimmt im Horrorbereich mal wieder jemand gegen den Strom und präsentiert abseits von Folter, Wackelkamera, Vampiren und Zombies etwas, das unweigerlich an die 80er Reihe "Basket Case" erinnert. Die titelgebende Scheißgeburt verläuft zwangsläufig ein wenig rektal fixiert, doch zwischen fäkalen Eskapaden und anal-ysierender Ausbrüche gibt es sogar ein paar niedliche Momente zu verzeichnen.

Finanzbuchhalter Duncan (Ken Marino) hat ständig Probleme beim Stuhlgang und wird daraufhin von seiner Frau zum Psychiater Highsmith (Peter Stormare) geschickt. Bei einer Sitzung kommt es zu einem unerwarteten Ausbruch, denn Monster Milo drängelt sich immer dann aus Duncans Hintern, wenn sein Unterbewusstsein eine bestimmte Person aus dem Weg haben will...

Die temporeiche Einstiegsszene nimmt bereits vorweg, dass Duncan irgendwann in Konflikt mit seinem Milo geraten wird, doch dann springt das Geschehen rechtzeitig 123 Stunden zurück und etabliert einen Sympathieträger, der trotz seiner unübersehbaren Magenprobleme ein bodenständiger Kerl ist und innerhalb des Bürotreibens zu den Guten gehört.
Von Arschkriecher Milo erhält man zunächst nur dessen Egosicht, als er sich auf dem Weg zum ersten Opfer befindet, doch nach einer halben Stunde ist die Katze aus dem Sack, beziehungsweise, ein Monster zu sehen, sobald Duncan den Arsch auf hat.

Völlig frei von billigen Computereffekten ist das bräunliche Alienmonster eine Puppe, die von zwei Leuten gesteuert wird. Die Piepstöne erinnern an "Gremlins", die Zähne an "Critters", von den "Ghoulies" ist ebenfalls etwas auszumachen und bei alledem ist klar, dass Autor und Regisseur Jacob Vaughan eine kleine Hommage an die Monsterfilme der Achtziger ersann, bei der weniger Blutvergießen als ein paar charmante Querverweise den Ton angeben.

Allerdings hätte es zwischenzeitlich etwas gemeiner und boshafter zugehen dürfen, denn in Sachen Splatter ist eine FSK16 durchaus angemessen, da einige Tatorte zwar reichlich blutverschmiert aussehen, explizite Szenen jedoch kaum auszumachen sind. Auch Milo selbst könnte zwischenzeitlich etwas drastischer auftreten, denn wer schon aus dem Arsch gekrochen kommt, den traut man auch zu, richtig viel Scheiße zu verzapfen.

Zum Sympathiefaktor trägt auf jeden Fall Hauptdarsteller Ken Marino bei, der den bemitleidenswerten Darm-Dämon mit sichtlicher Spielfreude zum Ausbruch bringt. Auch Peter Stormare ist als unorthodoxer Psychiater in seinem Element, performt jedoch vergleichsweise zurückhaltend, während Patrick Warburton als herrlich schmieriger Chef ein paar grandios witzige Szenen verbuchen kann.

Alles in allem bietet "Bad Milo!" einen gutgelaunten Trip in die anale Phase, reiht zwangsläufig ein paar plumpe Zoten zuviel ein, doch kaschiert mit einem überzeugend in Szene gesetzten Monster, überwiegend sympathischen Figuren und grundsolidem Handwerk.
Wer die populären Monsterreihen der Achtziger mochte, wird sich hier definitiv heimisch fühlen.
7,5 von 10

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