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Stress ist ein Arsch! Und ein Monster! Und ein ARSCHMONSTER!!!


Vor einigen Monaten bekam ich Atemprobleme und Herzstiche - Corona?! Denkste! Wahrscheinlich viel eher Stress und Sorgen, die sich unüberspürbar und erstaunlich griffig körperlich bemerkbar machten. Kein Witz. Wer das noch nie hatte, wird kaum glauben, wie unfassbar eng Psyche und Körper, Seele und Hülle zusammenhängen. Hätte ich selbst vorher niemals gedacht. Zumindest nicht mit solchen deutlichen, angsteinflössenden Ausmaßen und Folgen. Und das auch noch zum ungünstigsten, verunsicherndsten Zeitpunkt. Aber das ist Fakt und hält sogar immer noch phasenweise an. Warum ich euch das erzähle? Weil „Bad Milo“ eine Horrorkomödie ist, die genau mit diesen Aspekten kokettiert. Und das wesentlich tiefgründiger und feiner, als es eine Zusammenfassung je andeuten könnte: ein sympathischer Jedermann hat Stress und Zukunftssorgen - im inhumanen Job und daheim, wo zwar eine Traumfrau wartet, es mit dem Babymachen nicht wirklich klappen will. Verdauungsprobleme und stundenlange Ausflüge auf dem Klo sind die Folge von Überlastung, Kummer und sogar kleineren familiären Traumata. Doch dann steigert sich das noch und es schießt ihm aus seinem Hinterausgang plötzlich ein mittelgroßes Monster, eine Manifestation seiner Ängste und Sorgen und Aggressionen, das hungrig darauf ist, die Stressoren seines „Vaters“ aufzufressen und zu beseitigen...

Eine Mischung aus „Basket Case“, „The Brood“ und „E.T.“ zwischen Sigmund Freuds Couch und Durchfall auf einer Bahnhofstoilette - das ist ungefähr der intelligente Wahnsinn namens „Bad Milo“! Unser Protagonist ist nachvollziehbar und authentisch, die Themen haben mich zu einem idealen Zeitpunkt getroffen, Stormare als Psychiater ist ein weiterer Gewinn und allgemein stimmt das Comedytiming famos. Nicht nur wegen Kumail Nanjiani in einer Nebenrolle. Von Situationskomik bis zu Wortspielen ist alles dabei. Dann ist auch noch die Laufzeit knackig wie eine Aerobictrainerin und Milo ist handgemacht und sieht einfach klasse aus. „Brain Damage“ und Frank Henenlotter lassen grüssen. Er hat sogar süße und wahrhaft rührende Momente, ist nicht nur ein fieses, gefräßiges Stressmonster ohne Profil, Charakter und Empathie. Ganz im Gegenteil. Er ist eben Teil von unserem Protagonisten und irgendwie auch von uns allen. Sind wir nicht alle ein bisschen Milo?! Früher wäre das über die Zeit in den Videotheken und Bahnhofskinos der Welt zu einem Untergrund- und Kultfilm geworden. Heute ist „Bad Milo“ erstaunlich untergegangen. Das sollte sich ändern. Auch 7 Jahre nach Release. Erst recht in einer Zeit, in der Stress und Burnout scheinbar/leider zum Alltag und Leben von uns allen dazugehören. 

Fazit: die perfekte Horrorkomödie für alle Workaholics, Pessimisten und gestressten People da draußen. Und davon gibt’s ja nicht wenig... Genau mein Creature Feature! Aus dem Arsch. Aber nicht dafür. 

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