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Wenn "Cube" - Erfinder Vincento Natali ein neues Werk auf den Markt bringt, erwartet man eigentlich stets etwas Innovatives mit einigen Irrungen und Wirrungen. Dass er sich nun ausgerechnet dem Haunted House Genre widmet, verblüfft zwar im ersten Moment, doch frei nach dem Motto "aus Alt mach Neu" vermag er das Publikum wunderbar an der Nase herumzuführen.

Lisa (Abigail Breslin) lebt in einer Zeitschleife mit ihrer Familie im Haus und erlebt den Tag vor ihrem 16. Geburtstag stets aufs Neue. Nur Lisa empfindet die Zeitschleife auch als solche und bemerkt schon bald kleine Veränderungen bei den täglichen Abläufen und unerklärliche Geräusche in Keller und Luftschacht deuten ebenfalls auf eine mysteriöse Anwesenheit hin...

Und täglich grüßt das Murmeltier, doch nach einiger Zeit variiert der Gruß. Zwar wird Lisa stets vom Funkgerät und den Sätzen ihres kleinen Bruder Robbie geweckt und die tägliche Wäsche wird ebenfalls zur Nervenprobe, doch plötzlich raucht ihr Vater und offenbart aggressive Verhaltenszüge, der unsichtbare Freund von Robbie wird sichtbar und ein dubioser Mann von der Telefongesellschaft (Stephen McHattie) entpuppt sich als Drahtzieher allen Übels, wobei lange Zeit nicht klar ist, welche Route der Stoff einschlagen könnte.

Denn Natali spielt gekonnt mit diversen Ebenen, dass einem im Rausch des Surrealen beinahe alles möglich erscheint, zumal es zu zahlreichen Richtungswechseln kommt und zwischen Rachegeistern, einem Serienkiller, Poltergeist und Hilferufen aus dem Zwischenreich nichts ausgeklammert werden kann. Der Stoff wird zwar weitestgehend ruhig und oftmals nahezu schlafwandlerisch vorgetragen, dennoch werden kleine Schockmomente eingestreut, während der angenehm zurückhaltende Score, die ebenso wohl dosierten CGI und ein paar sanfte Szenenübergänge eine stilsichere und durchweg ansehnliche Inszenierung prägen.

Hauptfigur Lisa erkämpft sich dabei rasch alle Sympathien, zumal sie über lange Zeit doppelt geschlagen ist und mit der Zeitschleife allein klarkommen muss, obgleich sich zusehends übersinnliche Erscheinungen auftun. Dichter Nebel ums Haus unterstreicht mit simplen Mitteln die Isolation des Schauplatzes, welchem komplett die Bodenhaftung fehlt, wobei dieses das Pendeln zwischen den Ebenen wunderbar untermauert. Es erscheint alles wie ein Alptraum, der stets unheimlicher und unerklärlicher zu werden droht.
Im letzten Drittel schlägt die Geschichte eine zwar eher konventionelle Richtung ein und das Miträtseln hat ein Ende, doch zumindest stimmt die Pointe emotional zufrieden, was bei Natali beileibe nicht immer gegeben ist.

So bleibt unterm Strich ein cleveres Potpourri mit einigen Versatzstücken diverser Gruselfilme, zudem punkten nostalgische 80er-Gimmicks und auch sonst ist die Ausstattung gelungen. Breslin empfiehlt sich mit ihrer tollen Performance erneut für die erste Liga, doch auch McHattie hinterlässt einen ausgezeichneten Eindruck als Bösewicht.
"Haunter" wirkt wie ein Traum innerhalb eines Traumes innerhalb eines Traumes und benötigt durchaus die volle Aufmerksamkeit des Betrachters, der mit dem Streifen einen schlichtweg gelungenen Mischmasch serviert bekommt.
7 von 10

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