Review

Es gibt ja viele Filme, da benutze ich gerne den Satz: "Legt das Hirn zur Seite/Stellt das Hirn auf StandBy". Filme, die nicht gerade logisch sind aber für einen geschmeidigen Abend locker  für gute Unterhaltung ausreichen, wenn man halt nicht großartig die Logik hinterfrägt. Ein wenig Logik bleibt eben immer auf der Strecke
Doch was sich "Purge - Die Säuberung" in Sachen Logik leistet, das kann so schnell kein Film übertreffen. Bei diesem Schmonsens kann ich nur sagen: Geht raus in den Garten, buddelt 10 Meter tief ein Loch, schmeißt das Gehirn dort rein und gießt diese Loch am besten mit Beton zu. Und dann seid ihr bereit für diesen Film.

"Purge" spielt im Jahr 2022, also in nicht allzuferner Zukunft. Die USA hat einen neuen "Feiertag" neben dem "Valentine's Day" und dem "Labor Day": Den Purge-Day. Tja, was ist das? Ganz einfach, ich erkläre mal, wofür er ins Leben gerufen worden ist. Dies ist ein Tag, bei dem das Töten von Menschen (bevorzugt  Arme, Kriminelle oder Arbeitslose) für zwölf Stunden erlaubt wird. Es hat kein juristisches Nachspiel sondern ist offiziell erlaubt. Theorethisch gesehen könnte ich also die Frau vom Nachbar töten, weil die mich das ganze Jahr aufregt und die Polizei anruft, weil ich im Garten zu laut Metall laufen lasse, um am Tag danach wieder Friede, Freude, Eierkuchen mit dem zukünftigen Witwer zu spielen. Noch krasser ausgedrückt: Ich könnte den amerikanischen Präsidenten töten (oh weh, zum Glück ist Snowden auf der Flucht) - da das Töten ja für zwölf Stunden zum Hobby wird.
Aber: Es scheint seit Jahren zu funktionieren. Der Tag Der Säuberung. Es lief immer alles glatt, am nächsten Tag wurden die Leichenberge aufgeräumt und das Leben geht weiter.
Im Jahr 2022 steht die Familie um James Sandin (Ethan Hawke) im Fokus, der sich mit Sicherheitssystemen für Häuser, gerade für diesen Tag, eine goldene Nase verdient hat. Der Purge-Day rückt an, und natürlich geht so alles schief, was nur schief gehen kann.


Ich gebe gerne zu: Im Grundgedanken ist diese Dystopie gar nicht mal schlecht zu verfilmen (wenn man einen anständigen Plot dazu kreiert hätte), aber bevor hier das Chaos ausbricht, mache ich mir als Zuschauer schon so meine Gedanken (siehe oben), was denn alles so möglich wäre.
Ethan Hawke, der zuletzt mit "Sinister" einen ganz fiesen Horror-Schocker abgeliefert hat, hat sich hier wohl überrumpeln lassen, bei dem Quark mitzuspielen.
Die Familie sitzt also ganz entspannt zuhause. Pünktlich um 19 Uhr gehen die  stählernen Rollläden runter, James und seine Frau Mary (Lena Headey) wollen den Tag wie jedes Jahr mit Scrabble oder Limbo-Dance überstehen, während ihr Sohn Charlie (Max Burkholder) diese Nacht gar nicht so dolle findet, weil ja Menschen sterben. Papa James tut diesen Gedanken damit ab, dass Charlie ja noch ein kleiner Junge ist (sehr toll Daddy), der den Sinn des Tages nicht versteht - kein Gedanke wird verschwendet, ob Charlie noch nicht zum Anarchisten mutiert ist und in der Schule in Sachen Ethik vielleicht etwas besser aufgepasst hat. Die vierzehnjährige Tochter verbringt diesen Tag im Obergeschoss mit ihrem volljährigen Lover Henry (Tony "The Pony" Oller). Diese Beziehung findet James natürlich gar nicht okay, dass ein 18-Jähriger auf seiner Tochter rumschaukelt. Aber Teenager Henry will diesen Purge Day dazu nutzen, mit Paps ein ernstes Gespräch darüber zu führen, dass diese heimliche Beziehung okay ist. Und ihr könnt euch wohl denken, wie dieses Gespräch aussehen wird...

Damit fängt der Schwachsinn aber erst langsam an, denn zeitgleich lässt der Sohnemann die Schotten hoch, da auf der Straße ein verletzter Mann (Edwin Hodge) um Hilfe fleht. Dass dieser Mann aufgrund political correctness ein Farbiger ist, versteht sich da von selbst. Also: Mann rein, Schotten wieder runter und auf einmal steht da eine Horde von Irren mit dem Anführer (Rhys Wakefield) vor der Haustür, die den Mann unbedingt haben wollen. Somit wird die Nacht für die Familie Sandin zum Albtraum...

Ich gebe ja zu, dass ich für einen gewissen Unterhaltungswert gerne mal die Logik bei Seite lasse, aber was bei "Purge" geboten wird, geht unter keine Kuhhaut. Während der erste Klops mit dem "Männergespräch" verdaut ist, sucht die Familie im scheinbar 500 qm großen Haus den Flüchtling und findet ihn natürlich nicht. Das wäre auch zu einfach. Während sich alle unlogisch verhalten von der Familie bis hin zu der Horde da draußen (es gibt doch sicherlich noch tausend andere Leute, die man gerne abschlachten könnte. Nein, die zwölf Stunden gehen für den Farbigen drauf. Ja nee, ist klar), merke ich immer mehr, wie mein Kopf anfängt zu brummen. Tja, ohne großartig spoilern zu wollen, wird es mit jeder Minute schlimmer. Da der verletzte Mann sich natürlich als guter Bürger rausstellt, warte ich natürlich auf die obligatorische Szene, in der er einen der Familie rettet. Kommt sie noch, diese Szene?
Dass sich die Horde dann im Haus wie Kannibalen oder Kanonenfutter benimmt, je nach Szene wie man es gerade braucht (aber dann doch den achso tollen Teil der Amerikaner repräsentieren will), spätestens da will das vor dem Film Gegessene aus meinem Bauch sofort wieder heraus und erste Würgereflexe kommen in mir hoch.
Man könnte diese Liste der "Phänomene" ellenlang fortsetzen, es gibt nichts, was nicht ausgelassen wird um den Zuschauer für so etwas von dumm zu verkaufen. Den Vogel schießt jedoch der Twist mit den Nachbarn ab. Ohne Worte!
Natürlich ist das alles sehr atmosphärisch umgesetzt worden, auch Spannung ist teilweise vorhanden. Aber was bringt mir das alles, wenn ich schon zehn Tabletten Kofschmerztabletten gefressen habe, weil es immer unlogischer und schlimmer wird?

Aber - es ging ja die Jahre davor alles gut und tut auch der amerikansichen Wirtschaft gut, dieser Purge-Day.


Für diesen Film wird man wohl nicht die richtige Dosis Alkohol finden, um ihn gut zu finden. Entweder man wacht auf der Intensivstation wegen einer Überdosis auf oder pennt im Rausch weg. Dementsprechend haben auch einige Kinobesucher den Saal verlassen. Das habe ich auch noch nie erlebt. Egal wie schlecht der Film war.

"Purge - Die Säuberung" ist so ziemlich der größte Hochglanzschrott aus Hollywood, der mir jemals vor die Latz geknallt worden ist.

1/10

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