"The Purge" ist ein Action-Thriller mit Psycho-Horror-Elementen. Die Story liefert eine interessant-verückte Idee: An einem Tag im Jahr darf 12 Stunden lang jeder tun, was er will, ohne dafür bestraft zu werden - d.h. auch Gewalt ausüben und seinen Emotionen ungehemmt freien Lauf lassen... verletzen, vergewaltigen und morden nach Belieben. Es ist kein komplett gesetzesfreier Tag, denn die erlaubten Mittel der Wahl sind eingeschränkt, Regierungsmitglieder und Staatsbedienstete sind ausgenommen (obwohl gerade hier i. .d. Regel der größte "Säuberungsbedarf" besteht, kleiner Scherz). Mit anderen Worten: Es darf jeder die Sau raushängen lassen und sich wie die Axt im Walde aufführen ohne Konsequenzen befürchten zu müssen, und da ist schon der erste Haken: Wer loszieht, in der Absicht an jemandem zu vergehen, setzt sich selbst der Lebensgefahr aus, "gemeuchelt" zu werden. Das ist schon mal der erste Hemmschuh für "gewöhnliche" Menschen, aber natürlich nicht für Psychopathen und Abgehärtete, die haben in dieser Nacht Hochkonjunktur und feiern sozusagen Party. Einige Leute rotten sich zusammen, und ziehen gemeinsam in den "Krieg". Dieses alljährliche Ritual soll befreiend, ausgleichend und klärende Wirkung auf die Gesellschaft insgesamt und die Psyche des Einzelnen haben, erklären Psychologen und Soziologen. Die Regelung wird propagandistisch, system-ideologisch als "der große Wurf" medial verkauft. Die Arbeitslosigkeit und Kriminalitätsrate der restlichen 364 Tage des Jahres wären auf ein historisches Tief gesunken. Real ließe sich die filmische Fiktion natürlich nicht praktiziern, denn wer kann genau überprüfen, ob ein Vebrechen im straffreien Zeitraum oder kurz davor oder danach begangen wurde? Polizei, Feuerwehr, Notdienste, Krankenhäuser usw. wären danach über Wochen hoffnungslos überlastet. Auch wirtschaftlich wäre es ein Desaster, denn wichtige Wissensträger und eingespielte Mitarbeiter könnten ermordet oder über Monate arbeitsunfähig werden. Nichtsdestotrotz liefert die Idee reichlich Diskussionsstoff über Ethik, Staat uvm. Die Masken fallen in so einer Nacht: freundlich und friedlich gesonnen geglaubte Mitbürger zeigen plötzlich ihr wahres Gesicht einem gegenüber und offenbaren ihre charakterlich-seelischen Schwächen und Primitivitäten. Der Freifahrtschein zur Gewaltanwendung regt Gewalt, sowie Mord und Totschlag gerade erst an und verführt dazu. Eine Gesellschaft, die mit von Zentralbanken verursachten Mißständen zu kämpfen hat, profitiert aber wiederum davon, denn Aufständische, Arbeits- und Obdachlose, Sozialhilfeempfänger und Aussenseiter ließen sich bequem aus der Gesellschaft tilgen und so Unkosten senken und die Finanzierbarkeit des Staates verbessern.
Das ganze Geschehen wird aus Perspektive einer 4-köpfigen mittelständisch bis wohlhabenden Familie in einer noblen Wohngegend erzählt, die sich während der Säuberung in ihrem Haus hinter modernster Sicherheitstechnik verschanzen und auf eine ruhige, ungestörte Nacht hoffen... die dann aber keineswegs eine solche wird. Ethan Hawk wirkt als Familienvater etwas lasch, der bleiche Sohn mit schrägem Psychoblick etwas gestört und deplatziert. Ansonsten gibt es wenig zu meckern. Fragwürdig natürlich die Reaktion der einzelnen Familienmitglieder in verschiedenen Situationen. Und der Film liefert auch einen Rat für die Zuschauer: Geben Sie Ihren Kindern niemals den Entsicherungscode für Ihre Alarmanlage.
Fazit: Spannender, sehenswerter Thriller mit außergewöhnlich anregender Story und gespickt mit einer ordentlichen Portion Gewalt. (7/10)