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Zunächst fällt dieses andere Paris, andere Frankreich, andere Europa auf, schmerzlich. Bezüglich der Grande Nation wird das gesellschaftliche Zerbrechen immer auf das hässliche Erbe des Kolonialismus geschoben. In den dargestellten 60er Jahren war davon jedenfalls noch nichts zu sehen und auch die folgenden zwei Kino-Jahrzehnte reflektieren ein anderes Bild als das heute, geblickt aus einem französischen Fenster. Was ist also wann passiert und durch wen gesteuert? Der cineastische Blick kann natürlich auch nur eine Augenwischerei sein, das Schwelgen in der guten alten Zeit. Doch wieder zum Film. Wenn es nicht schon vorher bekannt war, fällt es doch schnell auf, hier war eine Frau am Werk. Um ehrlich zu sein, war es für mich schwer Zugang zu finden, Mädchen in dem Alter sind dann doch eine Welt, die aus erwachsener männlicher Sicht wenig zu ergründen ist. „Peppermint Soda“ spielt zwar in einer ähnlichen Zeit, fühlt sich aber ganz anders an als zum Beispiel "Stand By Me". Persönlicher, mit mehr Gefühl, in einem kleinen, aber doch größeren Kosmos. Ich bin allerdings dann doch lieber in der unterhaltsamem Jungs-Abenteuer-Thematik. Dennoch war das eine schöne Reise in diese wilde Zeit des politischen Umbruchs, ein die viele junge Menschen mit- und auseinander gerissen hat, auf die eine oder die andere Seite. Dies ist also nicht erst ein Zeichen unserer Zeit.

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