„Dick Laurent ist tot! Lang lebe Dick Laurent!“ Das ist einer der Sätze, die man ohne weiteres als Inhaltsangabe zu „Lost Highway“ verwenden könnte. Denn so verwirrend, verstörend, ja so seltsam wie dieser Film ist, wäre es normalerweise schon fast unnötig, überhaupt den Versuch zu unternehmen, eine Inhaltsangabe zu verfassen. „Lost Highway“ ist einfach ein Film, den man gesehen haben muss, um seinen Inhalt zu (be)greifen; und selbst dann fällt das (Be)Greifen noch äußerst schwer.
Der Jazzmusiker Fred Madison (Bill Pullman) hegt den Verdacht, dass seine Frau (Patricia Arquette) ihn betrügt. Seine Eifersucht wird immer stärker und eines Tages wird Fred – unter dem Verdacht, seine Ehefrau umgebracht zu haben – verhaftet. Während er in der Todeszelle auf seine Hinrichtung wartet, geschieht etwas Unvorhersehbares: Er verwandelt sich zum jungen Automechaniker Pete Dayton (Balthazar Getty).
Ja, wenn man während des Abspanns und noch lange Zeit danach einfach nur da sitzt und nach Worten sucht, die das soeben Gesehene beschreiben bzw. werten können, dann kann man schon fast sicher sein, dass man in einem Film von David Lynch war. Der Altmeister des „Hirnfick-Kinos“ hat es mit „Lost Highway“ wieder einmal geschafft, dass sein Publikum sich in zwei (oder noch mehr) Lager teilt: Die einen, die in „Lost Highway“ einen Freudenpfuhl an symbolischer Wort- und Bildgewalt finden; und die anderen, die mit solchen Filmen nun mal von Natur aus nichts anfangen können und denen das Nachdenken während, nach und auch lange nach dem Film einfach zuviel wurde. Ich zähle mich dann doch eher zu ersterem Lager, wenngleich meiner Meinung nach im Falle von „Lost Highway“
„Interpretationsversuche zwecklos“ sind.
Diesen Vermerk könnte man getrost auf die Kinoplakate zu David Lynchs „Lost Highway“ gedruckt haben, denn dieser Film bietet so viele Ansätze einer Interpretation, dass man nach einer gewissen Zeit des Nachdenkens schon fast den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht. Daher belässt man es wohl auch am besten dabei, sich einfach diesen Film anzuschauen, zu staunen, sich irgendeine willkürliche „Moral von der Geschicht´“ auszusuchen und dann das Kapitel „Lost Highway wieder“ zu verschließen. Denn ansonsten ertappt man sich noch Wochen nach Sichtung dieses Filmes dabei, wie man immer wieder neue Aspekte und Möglichkeiten der Interpretation entdeckt. Und gerade das ist es dann letztlich doch irgendwie, was an „Lost Highway“ soviel Spaß macht. Nicht die Schauspieler (wenngleich Bill Pullman, Patricia Arquette, Balthazar Getty und vor allen Dingen Robert Blake sehr viel Spaß bereiten) und auch nicht die erstklassige Kamera-Arbeit von Peter Deming sind das Salz in der „Lost Highway“-Suppe, sondern das Drehbuch ist es, das diesen Film so einzigartig gut macht.
Auch wenn – oder gerade weil – man das Lynch’sche msyteriöse Universum kennen und lieben muss, um mit „Lost Highway“ seinen Spaß zu haben, ist dieser Film ein weiteres Meisterwerk aus der Schmiede des „Twin Peaks“-Machers David Lynch, das eigentlich jeder Filmfreund mal gesehen haben sollte. 10 von 10 Punkten!