Schwarze Nacht. Ein Auto rast über den Higway, die gelben Mittelstreifen tanzen , verschieben, überlagern sich. Die Credits klatschen wie Insekten an die Windschutzscheibe. Dazu singt David Bowie "I'm deranged...".
Schon im Vorspann baut "Lost Highway" eine bedrückte Stimmung auf, die sich durch den ganzen Film zieht. Die Bilder, die David Lynch in diesem Film malt, weisen eine Art schauerliche Schönheit auf. Der Betrachter wird in den Film hineingezogen.
Die Geschichte des Films ist abstrus und unmöglich zu verstehen. Es geht um einen Jazzmusiker (Bill Pullman), der mit seiner schönen Frau (Patricia Arquette) in einem Haus wohnt, in dem es keinem von den beiden wohl ist. Eines Morgens findet die Frau beim Postholen eine Videokassette, die Aufnahmen ihres Hauses zeigen. Der nächste Tag bringt ein neues Video, diesmal sind Aufnahmen vom Inneren des Hauses zu sehen. Am dritten Tag schliesslich zeigt das Band, wie der Jazzmusiker seine Frau auf bestialische Weise ermordet. Er wird zum Tode verurteilt.
Soweit so gut, die Story ist bis dahin gut verständlich. Bis auf einen "Mystery Man", der scheinbar an zwei Orten gleichzeitig sein kann, glaubt der Zuschauer zu begreifen, was vorgeht. Doch nun weiter:
Der Jazzmusiker in der Todeszelle, der sich nicht im Geringsten an den Mord an seiner Frau errinnern kann, leidet an fürchterlichen Kopfschmerzen. Eines Tages sind sie besonders stark, ein Lichtblitz erscheint und plötzlich sitzt ein völlig anderer Mann in der Zelle. Man kann ihm natürlich nichts nachweisen und er wird freigelassen. Eine Reihe von Begebenheiten fordern nun das Denkvermögen des Filmbetrachters hinaus: Der freigelassene Automechaniker trifft auf eine Frau, die genau wie die ermordete Gattin des Jazzmusikers aussieht. Der "Mystery Man" spielt auch noch eine entscheidende Rolle, ebenso wie Mister Eddy, der anscheinend illegale Pornofilme produziert...
Ich las einmal einen Text, der diesen Film mit einem Moebius-Band verglich. Dies scheint mir am passendsten. Egal, welche Erklärungen man sucht für den Film, irgendwann endet man in einer Sackgasse.
Für ungeduldige Menschen und solche, die einfach "Spass haben" wollen beim Filmegucken ist dieser Film darum weniger geeignet. Man könnte ihn als einen Experimentalfilm bezeichnen, als eine Bilderflut, die den Betrachter umnebelt. Die vielen Erklärungsversuche, die man in vielen Kritiken findet, kann man getrost vergessen. Jeder sollte sich, wenn überhaupt, seine eigenen Gedanken zurechtlegen.
Meine Empfehlung ist, sich auf dieses etwas ungewöhnliche Meisterwerk einzulassen, es zu geniessen und sich nicht allzuviel Gedanken über Wendungen und Verstrickungen der Story zu machen. Dies führt nur dazu, was David Bowie auch wieder am Schluss des Filmes singt:"I'm deranged..."