Ungefähr sechs Jahre vor "Salo" drehte Regisseur Pier Paolo Pasolini diesen grotesken Arthausfilm, in dem er zwei höchst unterschiedliche Episoden miteinander verwebte: In einer kargen Landschaft wird ein Mann zum Kannibalen, um sich dann einer Gruppe von mittelalterlichen Soldaten anzuschließen, die ihn jedoch fast wie Jesus am Kreuz hinrichten.Die zweite Geschichte spielt im Deutschland der Nachkriegszeit, in dem sogar ein Hitler-Double auftaucht. Es geht um die Verbrechen im Dritten Reich, aber auch die Liebe zweier politisch unterschiedlich eingestellter junger Menschen...
Im Gegensatz zu "Salo" ist "Der Schweinestall" kein Sicko und kein Downer geworden, sondern eine mitunter ziemlich schwer anzuschauende Satire, die bestimmt nicht jedem zugänglich erscheint. Der Film ist sehr dialoglastig und hat eine offene Freude an der Politisiererei damals zeitgenössischer Themen (NS-Verbrechen, 68er, Kriegsjugend), um das Ganze mit einpaar Komponenten aus dem Bibel- und Historiengenre anzureichen. Hitler und Jesus dürfen wohl für alle Zeiten als Provokation gewisser Filmschaffender herhalten, wenngleich der Begriff der "Satire" erneut ein sehr dehnbarer geworden ist.
Rein künstlerisch machen einpaar gelungene Impressionen, die in Sekundenschnelle wieder verfliegen, keinen surrealen Film aus, obwohl "Der Schweinestall" das sicher gerne gewesen wäre. Und vermutlich auch intellektuelles Kino, der so manchen Filmanalytiker auf den Plan ruft, die sich insgeheim jedoch eingestehen müssen, dass es leider gar nicht soviel zu sehen gab, wie man es sich selbst erhofft hatte. Dass der Film bis heute keinen deutschen Verleih gefunden hat, ist fast schon die Bestätigung dessen, dass es sich um kein vollendetes Meisterwerk handelt. Um als echte Oddity durchzugehen, ist der Streifen nicht weird und nicht experimentell genug. Zudem ist die Kombination zwei Storys längst nicht immer fesselnd und interessant geraten.
6 von 10 Punkten: Kein Gourmet-Cinema zum mit der Zunge schnalzen, sondern eher eine Ergänzung für diejenigen, die schon alles Gute und Bekannte gesehen haben.