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RAW – Der Fluch der Grete Müller behandelt die Legende von Grete Müller die im 17. Jahrhundert als "Hexe" auf dem Scheiterhaufen landete. Von Anfang an filmt Natascha die sich selbst als Autorin und Regisseurin des Films bezeichnet im typischen Wackelkamerastil und es beginnt zunächst einmal mit den Found-Footage typischen Nebensächlichkeiten und der Handlung vor den unheimlichen Ereignissen, die sich allerdings sehr lange und ohne viel Abwechslung hinziehen. Diese profanen Handlungselemente nehmen circa zwei Drittel des Films ein und bis dahin gibt es keine wirklichen Schocks, die RAW um aus der Mittelmäßigkeit zu kommen eigentlich dringend gebraucht hätte.

RAW ist tatsächlich so minimalistisch, als wäre die Zeit stehen geblieben seit BLAIR WITCH PROJECT. In diesem Sinne ist er so verhalten in Bezug auf Spannung als hätte er das Genre erfunden ohne jedoch auch ausreichend Höhepunkte in punkto Grusel zu präsentieren. Ein Film muss heute etwas mehr bieten und RAW scheitert daran, hat aber auch keine sonstigen Stärken die dies kompensieren. Stark hingegen sind die Leistungen der Amateur-Schauspielerinnen, die im letzten Drittel durchaus verstehen Angst und Schrecken zu verbreiten und dies nicht lächerlich wirken zu lassen. Dies ist schon eine beachtenswerte Leistung.

Wie sich allerdings das Böse personalisiert kostet RAW gleich wieder einige Punkte. Und wieder mal ist die Formel je mehr die Werbesprüche für einen Film auf den Putz hauen wie auch in diesem Falle mit "Warnung! Kein Film vorher war realer, spannender und schockierender. Die Wahrheit ist grauenvoller als jede Vorstellungskraft" umso weniger ist leider dahinter. Der Film hat aber auch gute Seiten die ihn vor dem Totalabsturz bewahren die fairerweise genannt werden müssen. Zunächst einmal werden tatsächlich positive Erinnerungen an die großen Vorbilder BLAIR WITCH PROJEKT spätestens bei den zahlreichen Nachtaufnahmen im sinnlichen grün wach.

Hier kann man die vorhandene Spannung vor der undefinierten Gefahr nicht wegdiskutieren. RAW verbreitet durchaus eine deutlich ungute Stimmung wenn die Mädchen nachts im Wald mit der Taschenlampe scheinbar Gestalten ausmachen und wirklich recht realistisch schreiend davon laufen. Dazu zählen die begleitenden wirklich unheimlichen Geräusche. Das Ganze wirkt an dieser Stelle nicht trashig, sondern einfach nur nachvollziehbar und authentisch als wäre man dabei und der Puls des Zuschauers wird deutlich beschleunigt. Die Panik ist förmlich über den Bildschirm fühl- und greifbar.

Leider kommen diese erfreulichen Seiten nur in letzten 15 Minuten zur Geltung und damit viel zu spät für eine deutliche höhere Bewertung. Wer sich auf das sehr reduzierte Szenario einlassen kann und seine Erwartungen deutlich zurückschraubt könnte aufgrund der guten schauspielerischen Leistungen RAW durchaus einen Unterhaltungsfaktor abgewinnen. Die Hauptkritik ist, dass wer sich heutzutage noch fast 1:1 auf ein Szenario wie vor fast 15 Jahren (!) zur Entstehungszeit von BLAIR WITCH PROJECT stürzt und keine eigenen Akzente setzen kann muss sich leider nicht wundern, wenn man damit in der Mittelmäßigkeit landet.

3/10 Punkten

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