In dem Oscar-nominierten Musik-Biopic "The Rose" verkörpert Bette Midler die ikonenhafte Rock-Sängerin Rose, deren Leben durch Exzesse, künstlerischen Mega-Erfolg und die falschen Männer geprägt ist. Zur Zeit des Vietnam-Kriegs angesiedelt, erzählt die Geschichte wie nebenbei von gesellschaftlichen Spaltungen, Hassparolen gegen Hippies und selbstbewusste Frauen und dem enormen Druck, den eine Showbiz-Karriere mit sich bringt.
Im unumstrittenen Zentrum von "The Rose" steht aber einzig und allein Bette Midler. Die Sängerin und Schauspielerin spielt ihre Rolle mit so ungeheurer Energie und Kraft, dass es einen schlichtweg mitreißen muss. Wie von Sinnen brüllt, säuft, streitet, singt und rennt sie durch den Film, immer begleitet (oder besser verfolgt) von Lärm und Musik, ihrem Manager, ihrer Band, Fans oder Liebhabern. Nur in wenigen Momenten der Stille vermag sie einmal anzuhalten und durchzuatmen - zärtliche und berührende Augenblickbetrachtungen inmitten dieses filmischen Wirbelsturms.
Und speziell diese wenigen, aber intensiven Szenen der Ruhe oder des Gesprächs mit ihr wichtigen Personen sind es, die das Charakterporträt dieser innerlich zerrissenen Figur zur komplexen Psycho-Studie ausbauen. Unter der Oberfläche der scheinbar unbegrenzt energiegeladenen Künstlerin kommt der labile Mensch zum Vorschein, der von Orgien bis Drogensucht schon alles erlebt hat - und der von dem beinahe zwanghaften Wunsch getrieben wird, berühmt zu sein. Dass sie das bereits geschafft hat, gleicht ihr Streben keinesfalls aus, wie in einer späten Szene deutlich wird, wenn sie in ihrer Heimatstadt ein Konzert geben soll und ein alter Ladenbesitzer, den sie aus ihrer Kindheit kennt, nicht weiß, wer sie ist. Die Sucht nach Berühmtheit hat hier lediglich die alten Süchte abgelöst.
In diesem Zusammenhang ist die Rolle der Kunst in "The Rose" sehr interessant. Während in vielen anderen Filmen die Kunst selbst die exzentrischen - und nicht selten selbstzerstörerischen - Kräfte des Künstlers noch verstärkt, dient sie hier im genauen Gegenteil als einzig positive Kanalisierung. Roses wildes Leben ist erst durch die harte Arbeit ihres Managers in halbwegs geordnete und sehr erfolgreiche Bahnen gelenkt worden, wenn sie allein ist, fallen ihr Dinge wie Selbstkontrolle oder Beschränkung extrem schwer. So ist der ständige Streit, den sie mit ihrem Manager führt, schon eine kleine Metapher auf die Widerstände zwischen hemmungslosem Trieb und hemmender Vernunft.
Was nicht heißen soll, dass hier Manager, Business oder Presse sonderlich positiv wegkommen. Ohne falsche Beschönigung zeigt "The Rose" die knallharten Mechanismen des großen Geschäftes, in dem nach Millionen-Dollar-Vertragsabschluss keine Rücksicht mehr auf persönliche Empfindlichkeiten genommen werden kann. So zeichnet der Film das Bild einer Abwärtsspirale, die durch innere und äußere Kräfte permanent angeheizt wird und der zu entkommen nur eine flüchtige Hoffnung Roses bleibt: Sie ist mit ihrem Geliebten schon auf dem Weg nach Mexiko, da will sie ein letztes Mal in ihrer alten Kneipe vorbeischauen - und verbaut sich so die letzte Chance, ihrem alten Leben zu entkommen. Durch ihre Ikonografie als rebellische, emanzipierte Frau erhält sie hier beinahe etwas Märtyrerhaftes, freilich ohne die Tragik ihrer Lebensgeschichte zu verharmlosen.
Formal ist diese krasse Selbstzerstörung ebenso wild und schnell inszeniert wie Roses Lebensrhythmus. Der Film ist laut, grob, heftig und direkt, lange Konzertmitschnitte, in denen die unbändige Kraft der Sängerin ausbricht, wechseln sich ab mit heftigen Streitereien und durchzechten Nächten. Da werden Travestie-Nachtclubs, Saunen und Hotelzimmer auf den Kopf gestellt, im Flugzeug ein wenig geschlafen und dann direkt zum nächsten Konzert gegangen. Allein durch dieses irre Tempo (das übrigens ganz ohne hektische Schnitte zustande kommt) wird der Zuschauer mitgerissen und erst mit dem tragischen Ende wieder losgelassen. "The Rose" ist ein packender Film über die Magie der Kunst und die Unfähigkeit, das Leben zu ertragen; ein Film, der in seinen Bann zieht, die bunten Seiten des Lebens feiert, aber die dunklen nicht verleugnet, und der nicht zuletzt dank der unglaublichen Bette Midler und des krachenden Rock-Soundtracks nachhaltig im Gedächtnis bleibt.