Review

Ein Jahr bevor sich meine cracksüchtigen Eltern entschieden, mich fiesen Sack zu erzeugen, entstand der Film "Carrie". Nachempfunden nach einem Roman von Stephen King. Ich muss zugeben, dass ich diesen Film irgendwann mal als pubertierender Bengel, dem auf einmal Sack- und Arschhaare wuchsen, mir angeschaut habe. Wenn ich irgendwie in den letzten Hirnwindungen suchen müsste, weiß ich noch zwei Sachen: Erstens: Ein Flammeninferno in einer Schule muss passiert sein und zweitens: Der Film blieb mir, im Gegensatz zu vielen, vielen anderen Filmen und Drogen, nicht viel hängen.

Nun, 2011 entschlossen sich MGM und Screen Gems dazu, ein Remake zu verfilmen, das 2013 in den Kinos lief und ich mir im April 2014 angeschaut habe. Deswegen lass ich mal den Remake-Bonus (meistens ist das ja sowieso eine Abwertung) beiseite, da ich fast keine Erinnerung mehr an das Original habe.

Carrie (Chloë Grace Moretz) ist also das zurückgebliebene Mädel, das zwar ihren Facebook-Freundinnen moralisch haushoch überlegen ist, aber im Gedankengang von heute knapp 10 Jahre zurückgeblieben ist. So meint Carrie, dass sie verblutet und stirbt, als sie ihre allerersten Tage bekommt. Natürlich passiert dieser Shit im ungünstigsten Moment, wird in der Mädchenumkleidekabine gefilmt und über Whats App fleißig in der Schule weiterverteilt, damit es auch der Letzte sehen kann, was Carrie so in ihrer Freizeit macht.
Zu dem ganzen Schlamassel ist sie streng religiös erzogen worden von ihrer Mutter Margaret (Julianne Moore), die neben dem ganzen Kram von Gott, dem Himmel und dem Teufel auch an Gartenzwerge und Tannenzapfen glaubt.
Doch wir setzen da natürlich noch einen drauf: Carrie beginnt, telekinetische Kräfte zu entwickeln, die sie erst verblüffen und sie dennoch unter Kontrolle hat, auch wenn sie immer stärker werden.


Tja, und so weiter und so weiter.
Daraus entsteht natürlich eine starke Charakterstudie, die unüblicherweise mit Gore, Gewalt und Morden bis zum Ende dermaßen geizt, aber irgendwie dennoch einigermaßen unterhalten kann. Trotzdem hat mich der Film nicht wirklich aus den Socken gehauen. Zum einen mag das daran gelegen haben, dass mir der Religonsmist sowie die Zurückhaltung von Schpladdaa und Gore auf den Zeiger gegangen sind, zum anderen auch das ich kein Feind von Charakterstudien bin, aber bei so was, wie bei dieser Entwicklung, muss es poltern und rappeln, dass entweder die Nagelpistole oder Kettensäge ausgepackt wird - oder etwa, dass sich die Story ein wenig glaubwürdiger anfühlt. und das tut es nicht. Ständig pendelt der Film zwischen Carrie/Mama und Carrie/Schul-"Freundinnen" hin und her, bei denen man auch manchmal die Logik hinterherfragen kann. Wenn man eine dritte Komponente suchen müsste, die mir aber stets abhanden war, ist, dass wahrscheinlich 1976 dieser Streifen unglaublich kranker Scheiß war, was die Menschen damals (da gab es noch keinen Fuchsbandwurm und Löwenzahn konnte von der Wiese verzehrt werden) vom Hocker gehauen hat. Man überlege nur mal, was "Alien" knapp ein Jahr später einen Meilenstein der Filmgeschichte geschrieben hat. Dagegen stinkt der originale "Carrie" (scheinbar) etwas an, und beim 2013er Jahrgang liegt der penetrante Pupsgeruch vom letztem Kebap permanent in der Luft.

Für einen Filmabend, ohne wirkliche Hirnzwiebeln an das Original zu haben, höchstens befriedigend. Ganz ehrlich: Auch wenn es ein selbstständiger Film wäre, wäre maximal ein Püncktchen mehr drin gewesen. Gelangweilt habe ich mich nicht. Aber pure Extase kam auch nie auf. Das geballte Finale rettet den Film lediglich zum Durchschnitt. Ansonsten wäre das Teil eine Charakterstudie über ein Mädchen geworden, dass mich nicht die Bohne interessiert. Dennoch hab ich wieder Lust bekommen, das Original anzuschauen. Ohne CGI, Handys und Flappy Bird.


5/10

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