Review

Telekopiernese 

Remakes - eine Seuche über Hollywood, besonders dem Horrorgenre, die nervt. Trotz lobenswerter Ausnahmen, bestätigt eine lahme Müll-Cashgrab-Kopie nach der nächsten, dass es Horrorremakes eigentlich nicht braucht & eher neue, innovative & mutige Ideen umgesetzt werden sollten. Gehört die neue "Carrie" zu dieser Mehrzahl an Ärgernissen? Oder ist sie eine der Ausnahmen ala "The Hills Have Eyes" oder "Evil Dead"? 

Die neue telekinetisch begabte Promkönigin liegt wohl irgendwo dazwischen. Die Geschichte der fanatisch streng  religiös erzogenen Außenseiterin, die telekinetische Kräfte entwickelt & ihren Mobbern in der Highschool einen unvergesslichen Abschlussball serviert, ist stellenweise nett in die heutige Zeit gehievt, selten langweilig & stark gespielt, vor allem von Chloe Grace Moretz als zu sich findender Carrie & Julianne Moore als ihre dominant-verrückte Mutter. Doch im Endeffekt bleibt eine blasse Hochglanzkopie eines unerreichten Originals, die niemand vermisst hätte, falls dieses Projekt nicht realisiert worden wäre.

Selbst wenn man nicht mit dem übermächtigen Horrorklassiker oder dem gruseligen Stephen King Buchbestseller vergleicht, bietet "Carrie" aus dem Jahr 2013 wenig, was für sie als blutüberzogene Promqueen sprechen würde. Der Look ist schick aber auswechselbar glatt, Moretz wirkt immer etwas zu hübsch & frech für die Rolle (macht Ihr Sache aber trotzdem stark!), das Finale ist nicht annähernd hart genug & die Erleuchtung der Blondine & ihrem Freund, Carrie ehrlich & gut gemeint mit auf den Ball zu nehmen, wirkt an den Haaren herbeigezogen & unglaubwürdig. Im Endeffekt können noch nichtmal mehr die im Überschuss benutzten Computereffekte überzeugen & jeglicher Grusel oder Atmosphäre bleiben auf der Strecke. Selbst wenn das Mobbing Thema natürlich aktueller denn je ist. 

Als Sinnbild für das unspektakuläre Versagen dieses seichten Remakes, kann die letzte Szene an Carries Grab gelten: im Original ein Gänsehaut-Schocker & ikonischer Horrormoment, hier ein lächerlicher CGI-Riss, der einem das letzte bisschen Mitleid & Hoffnung raubt. Kein mülliger Film, wenn man das Original nicht kennt vielleicht sogar gut, doch im großen Zusammenhang gesehen, ein leeres Blatt mit einer paar blutigen Spritzern drauf. Nichtssagender Rehash.

Fazit: ein Remake, das die Welt nicht gebraucht hat, dem Original aber auch nicht weh tut. Zu glatt, zu bemüht, zu hübsch. Lieber nochmal DePalmas Prom-Blutbad gucken!

Details
Ähnliche Filme