In den Siebzigern wäre ein Streifen wie dieser wahrscheinlich ein Knaller gewesen: Ein verwaistes Krankenhaus, fünf junge Dokumentarfilmer und ein Menschenfresser, der locker als Pendant zu "Man-Eater" durchgehen könnte. Heutzutage bedarf es hingegen etwas mehr, als die üblichen Genremuster in wenig kreativer Form einfach nur abzuspulen.
Fünf Studenten eines Filmkurses einer Uni in Arizona wollen über das Copper Queen Hospital berichten, in dem es spuken soll. Nachdem einige der wenigen Anwohner interviewt wurden und eine damalige Krankenschwester von dem mörderischen Jungen Isaac berichtete, begeben sich die fünf in das leere Gebäude, um kurz darauf festzustellen, dass sie nicht allein sind...
Auf Geister oder andere übersinnliche Phänomene sollte man sich von vornherein nicht einstellen, denn hier geht es weitgehend irdisch zu, auch wenn einige Vorzeichen zunächst auf etwas anderes hindeuten. Bis dahin dauert jedoch eine ganze Weile, denn bis unsere fünf Austauschbaren das seit 1976 leer stehende Gebäude erreichen, sind bereits geschlagene 40 Minuten vergangen und es dauert nochmal 15 Minuten, bis der Tunichtgut endlich in Erscheinung tritt.
Die lahme Figuren schüren bis dato allerdings kaum Interesse, denn neben dem üblichen Querschläger gibt es nur noch die Bitch, die vermeintliche Heldin mit kleinem Trauma und die Pinklerin, welche während der Fahrt ständig austreten muss. Der Mutierte reißt es hingegen ein wenig heraus, auch wenn der Zausel etwas zu häufig und zu laut brüllt. Das Make-up ist ordentlich, die Idee einer erweiterten Hand mit Stichwaffe passabel umgesetzt und sobald der kranke Knabe zur Tat schreitet, bekommen Splatterfans solide Kost in Form eines heraus gestochenen Augapfels, abgetrennte Fingerkuppen, einen zerdepperten Schädel, eine Spitzhacke im Kopf und einen mächtigen Hieb in den Kiefer zu sehen. Die Gestaltung der Effekte ist brauchbar, obgleich es auch in dieser Hinsicht einige Zeit benötigt, bis die Sache Gestalt annimmt.
Denn zu lange und ausgiebig wird über die Vergangenheit des Hospital spekuliert, Rückblicke, teils in Form von Inserts, reichern die Erzählung kaum an und auch das belanglose Geplänkel während der Fahrt zieht die Geschichte nur unnötig in die Länge und führt dazu, dass der Betrachter das Interesse verliert, bevor der Stoff schließlich einigermaßen zur Sache kommt.
Die schlechte Synchro und einige damit einhergehende plumpe Dialoge sorgen ebenfalls für einige Durchhänger, denn ein Horrorfilm sollte nur dann mehr Theorie als Praxis liefern, wenn dieses mit einer dichten Atmosphäre verbunden ist, was hier eben nicht der Fall ist.
Denn die Lokalität des verwaisten Hospitals bietet nur selten stimmungsvolle Momente und auch wenn Kamera und Schnitt okay arbeiten, will der Funke selbst bei kleinen Verfolgungen oder einer Hatz durch einen engen Schacht kaum überspringen, was nicht zuletzt den komplett austauschbaren und im Schnitt eher unterdurchschnittlich performenden Mimen geschuldet ist. Auch der oftmals zu minimalistisch eingesetzte Score, der teilweise an C-Horrorfilme der Achtziger angelehnt ist, vermag keine Spannung zu erzeugen.
Letztendlich bietet der Menschenfresser austauschbare Kost ohne erinnerungswürdigen Nährwert. Bis es mit dem Abschlachten losgeht, ist bereits mehr als die Hälfte der Laufzeit vergangen und auch dann ist trotz des brauchbaren Tempos nicht viel Material zum Mitfiebern auszumachen. Die Erscheinung des brüllenden Zausels, das halbwegs gelungene Handwerk und einige Gewalteinlagen kaschieren zwar noch ein wenig, doch der "alte" Menschenfresser war da vergleichsweise um einiges garstiger...
4 von 10